So geht Thea­ter Die Schau­burg zeigt’s den gro­ßen Häu­sern: Tri­umph für „Der Auf­satz“

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Das­po­li­tis ch eStück,v er­mit­telt durch rei­ne Kunst–es kann ge­lin­gen. Da­für ste­hen zur­zeit nicht un­se­re gro­ßen Thea­ter, schon gar nicht die kläg­li­chen Kam­mer­spie­le, aber un­se­re klei­nen, fei­nen Häu­ser: I mM etro­pol in­sze­nier­te Jo­chen Schölch vor ein paar Wo­chen das Flücht­lings­dra­ma Die letz­te Ka­ra­wan­se­rei und ließ die Zu­schau­er er­schüt­tert und be­glückt zu­rück. Das­sel­be ge­schieht nun in der Schau­burg, wo der Chef Ge­or­ge Pod­te in bit­ter erns­tes und zugleich fe­der­leich­tes Stück aus dem 2000 er­schie­ne­nen Kin­der­buch Der Auf­satz des chi­le­ni­schen Au­tors An­to­nio Skár­me­ta her­aus­fil­ter­te.

The­ma ist der Ver­lust an Frei­heit, vor al­lem Re­de­frei­heit in ei­ner chi­le­ni­schen Dik­ta­tur, aber die­se Art Be­spit­ze­lung ge­schieht in je­dem Land nach dem glei­chen Mus­ter. Wir kön­nen ge­ra­de min­des­tens fünf auf­zäh­len. Die in­fams­te Form: Kin­der aus­zu­spio­nie­ren.

Das pas­siert hier. Ein Ge­ne­ral (Greu­lix Schrank) tritt mar­tia­lisch in der Schu­le des neun­jäh­ri­gen Pe­dro auf und be­stellt – „Hef­te auf den Tisch!“– ei­nen Auf­satz: „Bei uns zu Hau­se“. Pe­dros El­tern, die je­den Abend nach dem Es­sen schwer ver­ständ­li­che Aus­lands­sen­der im Ra­dio ab­hö­ren und ihn ins Bett schi­cken, wer­den blass, als sie von dem Auf­satz er­fah­ren. Was wird Pe­dro preis­ge­ge­ben ha­ben? Hier sein Text:

„Nach dem Es­sen set­zen sich Ma­ma und Pa­pa je­den Abend ins Wohn­zim­mer und spie­len Schach, bis es Zeit zum Schla­fen ist.“Au­f­at­men bei den El­tern. Und die fe­der­leich­te Schluss­poin­te: „Tja“, sagt der Va­ter, „dann wer­den wir wohl ein Schach­spiel kau­fen müs­sen. Man weiß ja nie.“

Kur­ze Stil­le, dann oh­ren­be- täu­ben­der Ap­plaus. Die Schau­burg hat ihr jun­ges Pu­bli­kum im­mer ernst ge­nom­men, und auch die Zehn­jäh­ri­gen, für die das Stück schon emp­foh­len ist, ha­ben ver­stan­den.

Ge­or­ge Podt (Re­gie und Bild) fand ei­nen glück­li­chen Weg für die Um­set­zung des Bu­ches auf die Büh­ne: Es bleibt ein Buch. Auf ei­nem kreis­för­mi­gen Po­dest in der Mit­te sitzt als Er­zäh­ler und Pe­dro- Spie­ler der sen­si­ble, wand­lungs­fä­hi­ge Schau­spie­ler Pe­ter Wol­ter an ei­nem Schach­tisch. Auf klei­nen Bild­schir­men rund­her­um sind die quick­le­ben­di­gen Ori- gi­nal-Zeich­nun­gen zu se­hen, die Ja­ckie Gleich zu dem Buch ge­macht hat. In klei­nen Lo­gen sit­zen Bild­wer­fer, Mu­sik- und Ge­räuschma­cher und spin­nen die Ge­schich­te in ei­ne lei­se akus­ti­sche Er­zäh­lung ein.

Es ge­lingt pu­re Kunst. Und des­halb ist das erns­te The­ma so un­ab­weis­bar ge­nau ge­trof­fen. Drin­gen­de Emp­feh­lung für Mün­chens Thea­ter-Ent­täusch­te. BEA­TE KAYSER ■ Wie­der am 15. und 17. No­vem­ber und am 6. und 7. De­zem­ber, Tel. 23 33 71 55.

Foto: Di­giPott

Ein po­li­ti­sches Stück als rei­ne Kunst – das geht! Pe­ter Wol­ter setzt das Pu­bli­kum im po­si­ti­ven Sin­ne schach­matt in Ge­or­ge Podts bril­lan­ter Ins­ze­nie­rung

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