Kli­ma­wan­del nur ein „Scherz“, Mr. Trump?

tz - - PANORAMA - KLAUS RIM­PEL

Was sa­gen US-For­scher zum Kli­ma­wan­del?

Auch oh­ne Er­der­wär­mung ge­hört Ex­trem­wet­ter mit Stür­men, Flu­ten und Wald­brän­den zum US-All­tag. Doch in den letz­ten Jah­ren ist die Häu­fung und das Aus­maß der Na­tur­ka­ta­stro­phen so groß, dass die US-Kli­ma­for­scher die vom Men­schen ver­ur­sach­te Er­der­wär­mung da­für mit­ver­ant­wort­lich ma­chen. „Kein Wis­sen­schaft­ler wird be­strei­ten, dass der Kli­ma­wan­del Leu­te aus ih­ren Häu­sern ver­treibt und auch in Zu­kunft ver­trei­ben wird. Ex­tre­me Wet­ter­phä­no­me­ne wer­den an Zahl und Zer­stö­rungs­kraft wei­ter zu­neh­men“, so der US-Kli­ma­for­scher Greg Hol­land. So muss­ten im Som­mer die Be­woh­ner der In­sel Shish­ma­ref in Alas­ka we­gen des stei­gen­den Mee­res­spie­gels ih­re Sied­lung auf­ge­ben. Ka­li­for­ni­en lei­det seit fünf Jah­ren un­ter ei­ner ver­hee­ren­den Dür­re mit ge­wal­ti­gen Ern­te­aus­fäl­len und Wald­brän­den.

■ Be­steht ein Zu­sam­men­hang zwi­schen dem Kli­ma­wan­del und den Hur­ri­kans in den USA?

Ein US-For­scher­team kam zu dem Er­geb­nis, dass tro­pi­sche Wir­bel­stür­me seit 1970 zwar nicht häu­fi­ger ge­wor­den sei­en, es aber dop­pelt so vie­le Hur­ri­kans der höchs­ten Ka­te­go­ri­en vier und fünf gab. Die Stür­me wer­den stär­ker, weil sich mit der Er­der­wär­mung die Was­ser­tem­pe­ra­tur im At­lan­tik er­höht. „Da­mit ist mehr Ener­gie vor­han­den. Und: Wenn es welt­weit wär­mer ist, steigt die Wahr­schein­lich­keit, dass Hur­ri­kans nicht nur in den Som­mer­mo­na­ten, son­dern auch au­ßer­halb der Sai­son ent­ste­hen“, er­klärt der Kli­ma­for­scher An­ders Le­ver­mann.

■ Wie könn­te Trump die be­reits ver­ein­bar­ten Kli­ma­ab­kom­men tor­pe­die­ren?

Das Pa­ri­ser Kli­ma­ab­kom­men, wo­nach die Welt­ge­mein­schaft die ge­fähr­li­che Er­der­wär­mung auf deut­lich un­ter zwei Grad be­gren­zen will, ist An­fang No­vem­ber in Kraft ge­tre­ten. Auf den Aus­tritts­pa­ra­gra­fen 28 könn­te Trump sich frü­hes­tens in drei Jah­ren be­ru­fen – und dann wür­de es noch ein­mal ein Jahr dau­ern, bis der Aus­tritt in Kraft tritt. Wahr­schein­li­cher ist, dass Trump ein­fach kei­ne An­stren­gun­gen zur Um­set­zung des Kli­ma­ab­kom­mens un­ter­nimmt und al­le Zah­lun­gen an Kli­ma­for­scher und För­de­rung von Al­ter­na­tiv­ener­gie­en ein­stellt. ■ War­um ist die Rol­le der USA beim Kli­ma­schutz so wich­tig?

Weil die USA nach Chi­na für den welt­weit höchs­ten Aus­stoß an Treib­haus­ga­sen ver­ant­wort­lich sind. Die bei­den größ­ten Kli­ma­sün­der ver­ur­sa­chen zu­sam­men 38 Pro­zent der welt­wei­ten Emis­sio­nen. Chi­nas Be­völ­ke­rung lei­det in­zwi­schen so stark un­ter Smog und Na­tur­ka­ta­stro­phen, dass sich der eins­ti­ge Kli­ma­brem­ser zum Vor­rei­ter in Sa­chen er­neu­er­ba­re Ener­gi­en ent­wi­ckelt hat. Hier se­hen Kli­ma­schüt­zer die Chan­ce, dass die USWirt­schaft sich nicht vom Boom der er­neu­er­ba­ren Ener­gie­en ab­hän­gen las­sen und die­ses Ge­schäft den Chi­ne­sen und Deut­schen über­las­sen will – Trump hin oder her. Der neue USPrä­si­dent hat­te den Kli­ma­wan­del im Wahl­kampf als von den Chi­ne­sen er­fun­de­ne En­te be­zeich­net, mit der die US-Wirt­schaft ge­schä­digt wer­den sol­le. heu­te auf Mi­nis­ter­ebe­ne ta­gen­den Kli­ma­kon­fe­renz in Mar­ra­kesch (Ma­rok­ko) über­schat­tet die Trump-Wahl des­halb al­les. Die er­klärt, wo Ame­ri­ka den Kli­ma­wan­del be­reits haut­nah zu spü­ren be­kommt – und wie Trump Oba­mas Kli­ma­be­schlüs­se rück­gän­gig ma­chen könn­te.

Wo ste­hen die USA der- zeit beim Kli­ma­schutz?

Zwar hat­te sich Oba­ma ver­pflich­tet, den CO2-Aus­stoß ge­gen­über 2005 um 26 bis 28 Pro­zent zu ver­rin­gern. Doch ei­ne neue Stu­die zeigt, dass die­ses Ziel auch dann nicht er­reicht wer­den kann, wenn Trump Oba­mas Be­schlüs­se nicht zu­rück­dreht.

■ Was be­deu­tet das für das welt­wei­te Kli­ma?

Die oben ge­nann­te Stu­die, die heu­te in Mar­ra­kesch of­fi­zi­ell vor­ge­stellt wird, kommt zu dem Er­geb­nis, dass die welt­wei­ten Tem­pe­ra­tu­ren oh­ne neue Maß­nah­men ge­gen­über dem vor­in­dus­tri­el­len Zeit­al­ter bis zum En­de des 21. Jahr­hun­derts um 3,6 Grad stei­gen wer­den. Wenn al­le Staa­ten ih­re be­reits ein­ge­gan­ge­nen Ver­pflich­tun­gen ein­hal­ten, stei­gen die Tem­pe­ra­tu­ren im­mer noch um 2,8 Grad – weit mehr als die von den For­schern als ge­ra­de noch er­träg­lich an­ge­se­he­ne Mar­ke von 1,5 bis 2 Grad.

Ok­to­ber 2016: Über­flu­te­te Stra­ße in St. Au­gus­ti­ne (Flo­ri­da)

Fo­tos: afp (3)/dpa

Wald­brand bei Cle­ar­la­ke (Ka­li­for­ni­en)

Seit fünf Jah­ren kaum Re­gen: Brach­lie­gen­des Feld in Stock­ton

Foto: afp

Die Chi­ne­sen ha­ben sich den Kli­ma­wan­del aus­ge­dacht – sagt zu­min­dest Do­nald Trump

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