Jo­gis Wun­der­gnab­ry

Drei­er­pack-Ser­ge bleibt nach Traum-De­büt be­schei­den

tz - - SPORT - JO­SÉ CAR­LOS MEN­ZEL LÓPEZ

Was im Fuß­ball zählt? Die Fak­ten! Und die spre­chen bei Ser­ge Gn­ab­ry ei­ne ein­deu­ti­ge Spra­che.

Ers­tens: Wäh­rend Tho­mas Mül­ler, Ma­rio Go­mez und Ma­rio Göt­ze beim 8:0 ge­gen San Ma­ri­no oh­ne Tor blie­ben, er­ziel­te der Bre­mer bei sei­nem DFB-Ein­stand di­rekt mal ei­nen Drei­er­pack. Das gab es zu­letzt vor 40 Jah­ren, bei Dieter Mül­lers Drei­er­packDe­büt ge­gen Ju­go­sla­wi­en (4:2 n.V.).

Zwei­tens: Gn­ab­ry er­ziel­te sei­ne ers­te Bu­de be­reits nach sechs Mi­nu­ten, al­so sat­te neun Mi­nu­ten schnel­ler als ein ge­wis­ser Mi­ros­lav Klo­se bei sei­nem DFBDe­büt (2001 beim 2:1 ge­gen Al­ba­ni­en), sei­nes Zei­chens er­folg­reichs­ter DFB-Tor­schüt­ze al­ler Zei­ten.

Und nicht zu ver­ges­sen, drit­tens: Der Wun­der-Gn­ab­ry ist ge­ra­de mal 21 Jah­re jung.

„Das ha­ben wir von ihm er­war­tet, al­les an­de­re wä­re ei­ne Ent­täu­schung ge­we­sen“, scherz­te Sa­mi Khe­di­ra nach Ab­pfiff, doch Jo­gis neu­es Gold­löck­chen blieb ob des Lo­bes ganz be­schei­den. „Bei mei­nem De­büt drei To­re zu schie­ßen, hät­te ich mir heu­te Mor­gen nicht er­träumt. Aber es war jetzt mein ers­tes Spiel ge­gen ei­nen Geg­ner, der nicht un­be­dingt Ita­li­en ist. Man soll­te da al­so nicht zu viel dar­aus ma­chen“, mein­te Gn­ab­ry, füg­te aber selbst­be­wusst an: „Je­der Spie­ler kommt mit dem Ziel hier­her, sich durch­zu­set­zen. Das ist na­tür­lich auch mein Ziel.“Und drei To­re sind ziem­lich gu­te Ar­gu­men­te da­für.

Sah auch Joa­chim Löw so: „Drei To- re im ers­ten Län­der­spiel, das ist klas­se für ihn, für sei­ne gan­ze Ent­wick­lung und sein Selbst­be­wusst­sein. Ein sehr gu­ter Auf­takt für ihn in der AMann­schaft.“Dass man bei der­ar­ti­gen De­büts aber auch ge­wis­se Tra­di­tio­nen pfle­gen muss, da­vor dürf­ten Gn­ab­ry auch sei­ne drei Bu­den nicht be­wah­ren. Löw mit ei­nem Grin­sen: „Er muss si­cher ei­ne kur­ze Re­de hal­ten, als De­bü­tant ist das üb­lich. Mal schau­en, was sich die Mann­schaft nach drei To­ren noch so von ihm er­war­tet.“

Gn­ab­ry wird es in Kauf neh­men, ge­ra­de wenn es für ihn so wei­ter­geht. Bei Olym­pia führ­te der Sohn ei­nes Ivo­r­ers und ei­ner Schwä­bin die Mann­schaft von Horst Hru­besch zur Sil­ber­me­dail­le, im Som­mer folg­te der über­ra­schen­de Wech­sel von Ar­senal zu Bre­men, wo er in der lau­fen­den Sai­son be­reits vier To­re und ei­ne Vor­la­ge ver­bucht hat. „Olym­pia war na­tür­lich aus­schlag­ge­bend für mich“, so Gn­ab­ry. „Da­vor war es schwer, ich ha­be kei­ne Spiel­zeit be­kom­men. Die ha­be ich jetzt wie­der be­kom­men, ich füh­le mich kör­per­lich gut und hof­fe, dass es so wei­ter­geht.“Und wei­ter: „Ich weiß,

was ich kann, wenn mein Kör­per mit­macht, wenn ich fit bin und re­gu­lär mei­ne Spiel­zei­ten be­kom­me. Das sind die Er­geb­nis­se.“

Ein klei­ner Wink in Rich­tung Lon­don, wo Gn­ab­ry nur sel­ten zum Zug kam. Grund ge­nug für die Bre­mer So­ci­al-Me­dia-Ab­tei­lung, bei ei­nem Tweet zu Gn­ab­rys DFB-De­büt das of­fi­zi­el­le Twit­ter­pro­fil von Ar­senal mit ei­nem Zwin­kers­mi­ley zu mar­kie­ren, das rasch mit ei­nem Foto von ei­nem ge­wis­sen Ray Par­lour kon­ter­te. Der Gun­ner er­ziel­te im UE­FA-Cup-Vertel­fi­na­le 2000 auch ei­nen Drei­er­pack – ge­gen Wer­der, das dar­auf­hin aus­schied. Ob der Wun­der-Gn­ab­ry auch ei­ner für die Bay­ern sein könn­te? Ein lang­fris­ti­ger Er­satz für Rob­be­ry wird nach wie vor ge­sucht und Bre­men soll an­geb­lich nur ei­ne Durch­gangs­sta­ti­on sein. Da­für spricht ei­ne Aus­stiegs­klau­sel in Gn­ab­rys bis 2020 lau­fen­den Ver­trag. „Da­zu gibt es nichts zu sa­gen“, sag­te er zum The­ma FCB. Noch nicht…

Fo­tos: MiS, dpa

Gn­ab­ry de­bü­tier­te mit ei­nem Drei­er­pack – das schaff­ten zu­vor nur Dum­ke (1911), Pöt­tin­ger (1926), Wal­ter (1926), Strehl (1962) und Mül­ler (1976)

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