Du, Max, Mer­ce­des hat an­ge­ru­fen…

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In der For­mel 1 ist es manch­mal noch wie im nor­ma­len Le­ben: zwei Leu­te, ein Er­eig­nis, zwei Mei­nun­gen. Drei Leu­te, ein Er­eig­nis, drei Mei­nun­gen. Und so wei­ter… Neh­men wir mal den Fall To­to Wolff – Max Ver­stap­pen. Für den Mo­tor­sport­chef von Mer­ce­des zum Bei­spiel war es nichts Be­son­de­res, im Vor­feld des Bra­si­li­en-GP ein Te­le­fo­nat mit Max Va­ter Jos zu füh­ren. Für Wolff war es ein Te­le­fo­nat von vie­len, das zwi­schen den bei­den in der Ver­gan­gen­heit statt­ge­fun­den hat. Dies­mal hat­te es halt zum The­ma, dass sich Max, wenn es doch bit­te ir­gend­wie geht, nicht in den WM-Kampf zwi­schen Wolffs Mer­ce­des-Ti­tel­kan­di­da­ten Ni­co Ros­berg und Le­wis Ha­mil­ton ein­mi­schen soll­te. Sprich: Bit­te kei­nem der bei­den ins Au­to fah­ren. Das ist Wolffs Sicht­wei­se.

Da gibt es aber noch den Blick­win­kel von Red Bull: So­wohl Te­am­chef Chris­ti­an Hor­ner als auch Mo­tor­sport- be­ra­ter Hel­mut Mar­ko gin­gen an die De­cke. „Ar­ro­gant“nann­te Hor­ner die Ak­ti­on. „Es ist in­ak­zep­ta­bel, ein Fa­mi­li­en­mit­glied ei­nes un­se­rer Fah­rer an­zu­ru­fen.“Und Mar­ko tob­te ge­nau­so: „Jetzt hebt er völ­lig ab.“

Die Wahr­heit liegt wie so oft ir­gend­wo da­zwi­schen. Ich den­ke, Wolff hat sich nichts Gro­ßes da­bei ge­dacht, mit Pa­pa Ver­stap­pen die­ses The­ma zu be­spre­chen. Die bei­den ken­nen sich ewig und ha­ben schon Hun­der­te Ge­sprä­che ge­führt. Es ist mir nur ein Rät­sel, wie To­to glau­ben konn­te, dass Jos Ver­stap­pen das Te­le­fo­nat un­ter der De­cke hal­ten könn­te. Und was das Team be­trifft: Wolff ist schon lan­ge ein ro­tes Tuch für al­le Red-Bul­lMit­ar­bei­ter, be­son­ders für die ös­ter­rei­chi­schen. Den Lands­mann zu has­sen ist qua­si ein Be­fehl von ganz oben. Ober­boss Dietrich Ma­te­schitz hat Wolff nie ver­zie­hen, dass der den Kon­kur­ren­ten ein­mal als „Brau­se­her­stel­ler“be­zeich­net hat. Das hat die Er­de zwi­schen Wi­en, Graz und Salz­burg auf ewig ver­brannt. Bei je­der Ak­ti­on von Wolff wird gleich Alarm­stu­fe fünf aus­ge­ru­fen. Am bes­ten ge­fiel mir da der Kom­men­tar von Ver­stap­pens Team­kol­le­gen Da­ni­el Ric­ci­ar­do. Der sag­te au­gen­zwin­kernd: „Mein Va­ter hät­te wohl gar nicht ab­ge­ho­ben…“

Blei­ben wir bei Wolff. Der hat’s nicht ein­fach. Er muss nicht nur für ei­ni­ger­ma­ßen Frie­den zwi­schen Ros­berg und Ha­mil­ton sor­gen, er muss sein Team am Lau­fen, NonE­xe­cu­ti­ve Ni­ki Lau­da im Zaum und die Vor­stän­de bei Lau­ne hal­ten. Und dann wird sei­ne Ar­beit nicht nur an Sie- gen und Ti­teln ge­mes­sen, son­dern auch dar­an, wie die Kar­rie­re der Mer­ce­des-Ju­nio­ren Es­te­ban Ocon und Pas­cal Wehr­lein ver­läuft. Für den Fran­zo­sen Ocon hat er mit des­sen Force-In­dia-De­al für 2017 ge­ra­de ei­nen Coup ge­lan­det, mit Pas­cal ist er noch nicht ganz so weit. Doch Wehr­lein und die meis­ten In­si­der zwei­feln nicht dar­an, dass er den DTM-Meis­ter von 2015 in ir­gend­ei­ner Form in der For­mel 1 be­hält – bei Ma­nor, ei­nem an­de­ren Team oder als drit­ten Sil­ber­pfeil­pi­lot.

Foto: Ima­go

Jos Ver­stap­pen mit sei­nem Sohn Max, der we­gen sei­ner Fahr­wei­se ge­fürch­tet ist

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