Grü­ne: Ab 2030 nur noch E-Au­tos

Daim­ler-Chef Zet­sche bei den Grü­nen: Trotz­dem Be­schluss für Ver­bot von Ver­bren­nungs­mo­to­ren

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Daim­lerchef Dieter Zet­sche als Gast­red­ner aus­ge­rech­net bei den Grü­nen! Und aus­ge­rech­net an dem Tag, an dem die Ba­sis dar­über ab­stim­men soll, ob ab 2030 nur noch E-Au­tos zu­ge­las­sen wer­den sol­len! Schon vor der De­le­gier­ten­kon­fe­renz in Müns­ter war die Ein­la­dung, die Chef Cem Öz­de­mir an den Au­to-Ma­na­ger aus­ge­spro­chen hat­te, höchst um­strit­ten. Für ei­ne Aus­la­dung des 63-jäh­ri­gen fand sich aber doch kei­ne Mehr­heit. Die De­le­gier­ten groll­ten Öz­de­mir noch ein we­nig, aber der Miss­mut ver­flog schnell, als der Par­tei­chef sie vor Zet­sches Auf­tritt mit flam­men­den Wor­ten von den Stüh­len riss. „Wo­vor ha­ben wir Angst?“, rief Öz­de­mir. „Wir Grü­nen ha­ben doch die bes­ten Ar­gu­men­te!“Den Gast über­zeug­te er da­mit nicht: Zet­sche lehnt das Ver­bot ei­nes be­stimm­ten An­triebs am „Tag X“ab. Die Mehr­heit im Saal aber vo­tier­te da­für. Und sie for­dert den Koh­le­aus­stieg nicht erst 2035, son­dern 2025. Die De­tails:

Was sprach für die Ein­la- dung Zet­sches zu den Grü­nen?

Meh­re­re Grün­de – nicht zu­letzt ist Daim­ler der größ­te Par­tei­spen­der. Au­ßer­dem brau­chen die Ökos für die Um­set­zung ih­res Wun­sches, ab 2030 nur noch E-Au­tos neu zu­zu­las­sen, ja die Au­to­in­dus­trie. Öz­de­mir: „Ist die Daim­lerAG Teil des Pro­blems oder will sie auch Teil der Lö­sung sein? Das brau­chen wir, sonst wer­den wir un­ser Ziel nicht schaf­fen.“Für die Au­to­in­dus­trie bie­te der Um­stieg „rie­si­ge Chan­cen“. Bis jetzt lie­ge Deutsch­land zu­rück. Der Par­tei-Vor­stand weist Kri­tik zu­rück, dass die Grü­nen die deut­sche Au­to­in­dus­trie schä­di­gen wol­len. Schwe­re Be­den­ken gibt es aber auch par­tei­in­tern. So warnt der Tü­bin­ger Bür­ger­meis­ter Bo­ris Pal­mer im Spie­gel da­vor, durch ein „fall­bei­l­ar­ti­ges Ver­bot des Ver­bren­nungs­mo­tors im Jahr 2030“Ba­den-Würt­tem­berg zu ei­nem „Sa­nie­rungs­fall wie das Ruhr­ge­biet nach der Ära von Koh­le und Stahl“zu ma­chen.

■ Dürf­ten ab 2030 nur noch E-Au­tos fah­ren?

Nein. Die Re­gel, soll­te sie denn ein­ge­führt wer­den, wür­de sich nur auf Neu­zu­las­sun­gen be­zie­hen.

Be­tre­ten die Grü­nen mit ih- em Vor­stoß Neu­land?

Nein, im Ok­to­ber stimm­te im Bun­des­rat ei­ne Mehr­heit da­für, ab 2030 Kraft­wa­gen mit Ot­to- und Die­sel­mo­to­ren kei­ne Neu­zu­las­sun­gen mehr zu er­tei­len. Im Be­schluss hieß es da­mals, man sol­le „Vor­schlä­ge zum dies­be­züg­li­chen ef­fi­zi­en­ten Ein­satz von Ab­ga­ben und steu­er­recht­li­chen In­stru­men­ten un­ter­brei­ten“, da­mit das mög­lich wird. Nicht zu die­ser Mehr­heit ge­hör­ten die Au­to­mo­bil-Län­der Bay­ern und Ba­denWürt­tem­berg. Bun­des­ver­kehrs­mi­nis­ter Alex­an­der Do­brindt (CSU) nann­te die Ter­min­vor­ga­be „Un­sinn“. Zet­sche for­mu­lier­te es ges­tern ver­bind­li­cher: Wer glau­be, ei­ne be­stimm­te An­triebs­art sol­le ab ei­nem „Tag X“ver­bo­ten wer­den, „springt zu kurz“. ■ Gibt es Vor­ga­ben der EU? Die EU-Kom­mis­si­on will er­rei­chen, dass der Ver­kehrs­sek­tor ab 2050 kom­plett emis­si­ons­frei ist. Das Jahr 2030 für ei­ne „Markt­durch­drin­gung emis­si­ons­ar­mer und -frei­er Fahr­zeu­ge“stammt von Je­an-Clau­de Juncker. Wer wür­de ein Ver­bot von Ver­bren­nungs­mo­to­ren durch­set­zen? Die EU. Das be­deu­tet, die zu­stän­di­gen Bun­des­mi­nis­ter, Do­brindt und Um­welt­mi­nis­te­rin Bar­ba­ra Hend­ricks (SPD), müss­ten das in Brüs­sel be­an­tra­gen. Das wird, sie­he Do­brindts Ein­stel­lung zum The­ma, nicht pas­sie­ren. Hend­ricks muss­te sich ak­tu­ell bei ih­rem Kli­ma­schutz­plan da­mit ab­fin­den, dass der Pas­sus, Neu­wa­gen soll­ten bis 2030 tech­nisch so aus­ge­stat­tet sein, dass sie grund­sätz­lich in der La­ge sei­en, „teil­wei­se un­ab­hän­gig von fos­si­len Kraft­stof­fen be­trie­ben zu wer­den“, voll­stän­dig ge­stri­chen wur­de.

Was plant Ber­lin zur Schad- toff­re­duk­ti­on?

Die GroKo strebt „ei­ne si­gni­fi­kan­te Ab­sen­kung“der Emis­sio­nen von Pkw an, durch Car­sha­ring, kur­ze We­ge in der Stadt und mehr Ar­beit von zu Hau­se aus. Elek­tro­au­tos und der Bau von La­de­sta­tio­nen soll wei­ter ge­för­dert wer­den. Das mein­te wohl auch Zet­sche ges­tern mit dem Plä­doy­er für ei­ne Be­schleu­ni­gung des Pro­zes­ses. ■ Was sa­gen Um­welt­schüt­zer zur Grü­nen-For­de­rung?

Der Chef der Deut­schen Um­welt­hil­fe (DUH), Jür­gen Resch, be­grüßt sie grund­sätz­lich. Man müs­se aber dif­fe­ren­zie­ren – es ge­be Mo­to­ren, die schnel­ler von der Stra­ße müss­ten. Gas­mo­to­ren könn­ten vor­über­ge­hend hilf­reich sein.

■ Was ist die Ant­wort der Grü­nen auf das Preis-Ar­gu­ment?

Die Grü­nen wei­sen auf die Preis­dif­fe­renz zwi­schen dem ja­pa­ni­schen Nis­san Le­af für 23 000 Eu­ro (Reich­wei­te 199 Ki­lo­me­ter) und dem e-Golf hin: Der kos­tet bei ei­ner Reich­wei­te von 190 Ki­lo­me­ter 35 000 Eu­ro! Kürz­lich hat der Volks­wa­gen-Kon­zern ei­ne Schät­zung ver­öf­fent­licht, der­zu­fol­ge E-Au­tos ab 2023 nicht mehr teu­rer sein wer­den als Die­selAu­tos oder Ben­zi­ner.

Ober­rea­lo Kret­sch­mann (re.) im Ge­spräch mit Fun­di To­ni Ho­frei­ter

Fo­tos: dpa/ima­go

Daim­ler-Chef Dieter Zet­sche er­schien oh­ne Kra­wat­te, in Snea­kers und Je­ans bei den Grü­nen und Gast­ge­ber Cem Öz­de­mir (u.). Zet­sche sah ein ge­mein­sa­mes Ziel, lehnt aber ein Da­tum für ein Ver­bot von Ver­bren­nungs­mo­to­ren ab

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