Woh­nen auf Stel­zen

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Al­le- Woh­nen für

Die Idee, das Tal zwi­schen Ma­ri­en­platz und Isar­tor per Vi­deo zu über­wa­chen, ist vom Tisch. Der Vor­sit­zen­de des Be­zirks­aus­schus­ses, Wolf­gang Ne­u­mer, hat­te sich mit dem Vor­schlag an Po­li­zei und Kreis­ver­wal­tungs­re­fe­rat ge­wandt ( tz be­rich­te­te ex­klu­siv). Die Über­le­gung da­hin­ter: Bett­ler­grup­pen und Ru­he­stö­run­gen end­lich in den Griff zu be­kom­men. „Die Be­schwer­den der Bür­ger ha­ben zu­ge­nom­men“, sag­te Ne­u­mer da­mals der tz. nicht. In Wies­ba­den et­wa hat­te die CDU be­reits den glei­chen Ein­fall. „In der ak­tu­el­len La­ge er­scheint es nicht mehr halt­bar, die vie­len in­ner­städ­ti­schen Brach­flä­chen nur als Ab­stell­platz für Pkw zu nut­zen“, sagt Ar­chi­tek­tur- Das ging schnell: Von der Idee bis zum Richt­fest sind nur elf Mo­na­te ver­gan­gen. Und die ers­ten 100 Woh­nun­gen des städ­ti­schen Pro­gramms sind fer­tig. En­de des Jah­res sol­len die ers­ten Be­woh­ner in die neu­en Ap­par­te­ments am Dan­tebad ein­zie­hen. Die Woh­nungs­bau­er von der Ge­wo­fag ha­ben in fünf Mo­na­ten ei­nen 112 Me­ter lan­gen, vier­stö­cki­gen Wohn­block über dem Park­platz hoch­ge­zo­gen. Stu­den­ten, Azu­bis oder an­er­kann­te Asyl­be­wer­ber sol­len dort güns­tig woh­nen. 9,40 Eu­ro kos­tet der Qua­drat­me­ter. Es gibt 86 Ein­zim­mer­woh­nun­gen und 14 Un­ter­künf­te mit 2,5 Zim­mern. Das zehn Mil­lio­nen Eu­ro teu­re Haus steht auf Stel­zen über dem Park­platz des Dan­tebads. So­bald die Bau­ar­bei­ten ab­ge­schlos­sen sind, dür­fen An­woh­ner und Bad-Be­su­cher hier wie­der ih­re Au­tos ab­stel­len. OB Dieter Rei­ter hat­te sich das Kon­zept vo­ri­ges Jahr aus­ge­dacht. Der Vor­teil: In­dem Woh­nun­gen auf ei­nem Park­platz ge­baut wür­den, wer­de ei­ne be­reits ver­sie­gel­te Flä­che dop­pelt ge­nutzt. Das Kon­zept – so der er­klär­te Wunsch des Rat­haus-Chefs – soll nun auch an Su­per­märk­ten um­ge­setzt wer­den.

Nun die er­nüch­tern­de Nach­richt: Die Po­li­zei und das Re­fe­rat se­hen kei­ne Not­wen­dig­keit für ei­ne Vi­deoÜber­wa­chung der In­nen­stadt. Die Stadt hat 2015 im Tal gan­ze 13 An­zei­gen we­gen Bet­telns ent­ge­gen­ge­nom­men. In ganz Mün­chen 390. „Das recht­fer­tigt kei­ne Über­wa­chung“, sagt ein Spre­cher. Die Po­li­zei sieht das ähn­lich: Im Tal sei­en in den ver­gan­ge­nen Jah­ren deut­lich rück­läu­fi­ge Fall­zah­len zu be­ob­ach­ten. 2014 wa­ren es 455 Straf­ta­ten, im Vor­jahr 364. In zwei von drei Fäl­len han­del­te es sich um Dieb­stäh­le, so ein Spre­cher zur tz. Pro­fes­sor Hen­ner Herr­manns. Und das gilt frei­lich nicht nur für die hes­si­sche Lan­des­haupt­stadt, son­dern auch für Mün­chen.

Bei der 15. Ar­chi­tek­turBi­en­na­le in Ve­ne­dig hat der 65-Jäh­ri­ge nun Kon­zep­te vor­ge­stellt. So lie­ße sich Woh­nen auf Stel­zen auch in Mün­chen rea­li­sie­ren! Der Ent­wurf sieht vor, Wohn­bau­ten in Holz­bau­wei­se auf Pfäh­len über Park­plät­zen auf­zu­stel­zen. Vor­teil: Wie am Dan­tebad könn­ten die Park­flä­chen wei­ter­hin als sol­che ge­nutzt wer­den. „Das ist über­trag­bar und lässt sich nicht nur an ei­nem Ort um­set­zen“, sagt Herr­manns der tz. „Bis­her nicht op­ti­mal ge­nutz­te Flä­chen in der In­nen­stadt sol­len her­an­ge­zo­gen wer­den.“

Doch das ist frei­lich nur ei­ne Stell­schrau­be! Die Stadt hinkt ih­ren Ziel­zah­len in Sa­chen Woh­nungs­bau kon­ti­nu­ier­lich hin­ter­her. Mor­gen nun soll der Stadt­rat den Start­schuss für ein wei­te­res Bau­pro­gramm ge­ben. Es wä­re das größ­te in Deutsch­land. Bis 2020 sol­len jähr­lich 8500 Blei­ben ent­ste­hen – für 870 Mil­lio­nen Eu

ro.

Fo­tos: Bod­mer, fkn Foto: Haag

Ar­chi­tekt Herr­manns Das Kon­zept sieht Holz­bau­ten auf Stel­zen über Park­plät­zen vor Das Tal wird nun doch nicht mit Ka­me­ras über­wacht

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