Ein Op­fer (71) er­zählt

tz - - MÜNCHEN -

„Hal­lo, Tan­te! Kennst du mich ei­gent­lich noch?“So mel­de­te sich der An­ru­fer bei Ha­ya L. (71). Aber die Se­nio­rin ließ sich nicht be­ir­ren. Sie spür­te an der Stim­me, dass ein Frem­der sie zu über­rum­peln ver­sucht, denn schon öf­ter hat­te sie sol­che An­ru­fe er­hal­ten und ahn­te: Das ist der En­kelt­rick! An­statt auf­zu­le­gen, spiel­te sich die­ses Mal zu­nächst mit. „An­di, bist du es?“, frag­te sie den An­ru­fer, der so­fort dar­auf an­springt. „Ge­nau“, ant­wor­te­te er. Und bat die lie­be Tan­te kurz dar­auf um 50 000 Eu­ro. Die brau­che er für ei­nen Woh­nungs­kauf – er sit­ze ge­ra­de beim No­tar. „Ich soll­te so­fort zur Bank ge­hen und das Geld ab­he­ben“, er­zählt Ha­ya L. Sie aber hielt den Be­trü­ger hin: Sie müs­se sich erst ein Ta­xi ru­fen und brau­che ei­ne hal­be St­un­de Zeit, sag­te sie am Te­le­fon. In der Zwi­schen­zeit rief die Se­nio­rin die Po­li­zei und schmie­de­te ei­nen Plan: Mit ei­nem Um­schlag vol­ler Falsch­geld soll­te sie die jun­ge Frau emp­fan­gen, die an­geb­lich für ih­ren Nef­fen An­di das Geld ab­ho­len soll- te. Zwei Be­am­te war­te­ten bei der Se­nio­rin im Haus – und konn­ten die Be­trü­ge­rin so noch wäh­rend der Tat fest­neh­men. Spä­ter wur­den die Gau­ner zu zwei Jah­ren und drei Mo­na­ten ver­ur­teilt. Über ih­re Han­dy­Da­ten mach­ten die Be­am­ten auch die Hin­ter­män­ner in Po­len aus­fin­dig. „Zu die­sem Er­folg kann man der Po­li­zei gra­tu­lie­ren“, sagt Ha­ya L. „Da bin ich auch ein biss­chen stolz auf mich.“Und zwar zu Recht. Denn mit Mut und Klar­sicht ist den Trick­be­trü­gern hier schnell das Hand­werk ge­legt wor­den.

Foto: Gül­land

Ha­ya L. (71) half der Po­li­zei, Be­trü­ger zu fas­sen

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