Leh­rer in der Psy­cho-Zan­ge

tz - - MÜNCHEN+REGION - RAMONA WEI­SE

Ein Leh­rer wird im In­ter­net mehr als ein Jahr lang übel dif­fa­miert, ein an­de­rer von ei­nem Va­ter von ei­ner Lei­ter aus heim­lich ge­filmt: Psy­chi­sche und auch kör­per­li­che Ge­walt ge­gen Leh­rer ist kei­ne Aus­nah­me. Son­dern ein Pro­blem an Bay­erns Schu­len.

Das be­kräf­tigt ei­ne neue re­prä­sen­ta­ti­ve For­sa-Stu­die. Sie wur­de vom Ver­band Bil­dung und Er­zie­hung, dem Dach­ver­band des Baye­ri­schen Leh­re­rin­nen- und Leh­rer­ver­ban­des (BLLV), in Auf­trag ge­ge­ben. Deutsch­land­weit mach­ten von En­de Sep­tem­ber bis En­de Ok­to­ber 2016 knapp 2000 Lehr­kräf­te An­ga­ben, 500 da­von aus Bay­ern.

Die alar­mie­ren­den Zah­len: Mehr als die Hälf­te der Be­frag­ten in Bay­ern (55 %) be­rich­ten von Fäl­len von psy­chi­scher Ge­walt an ih­rer Schu­le. Dif­fa­mie­run­gen, Be­lei­di­gun­gen, Dro­hun­gen. Fast je­der Fünf­te war selbst schon ein­mal Ziel sol­cher Atta­cken. Hoch­ge­rech­net auf die ins­ge­samt et­was mehr als 95 000 Lehr­kräf­te an all­ge­mein­bil­den­den Schu­len in Bay­ern wä­ren das 17 500 Be­trof­fe­ne.

34 Pro­zent der Be­frag­ten be­rich­ten von Cy­ber­mob­bin­gVor­fäl­len an ih­ren Schu­len, drei Pro­zent wur­den selbst schon über das In­ter­net ge­mobbt. Von kör­per­li­cher Ge­walt an ih­rer Schu­le er­zäh­len 14 Pro­zent der Be­frag­ten, vier Pro­zent wur­den selbst schon mit Ge­gen­stän­den at­ta­ckiert, ge­sto­ßen oder ge­bis­sen.

Vie­le Leh­rer fühl­ten sich beim Kampf ge­gen Ge­walt al­lein­ge­las­sen, so BLLV-Prä­si­den­tin Si­mo­ne Fleisch­mann. Sie kri­ti­siert das Kul­tus­mi­nis­te­ri­um: 59 Pro­zent der Be­frag­ten hät­ten an­ge­ge­ben, die Lan­des­re­gie­rung und das Mi­nis­te­ri­um müss­ten sich des The­mas mehr an­neh­men.

Ge­walt an Schu­len sei im­mer noch ein Ta­bu­the­ma, so Fleisch­mann. Die For­de­rung des Ver­ban­des: kla­re Struk­tu­ren, an die sich Leh­rer wen­den kön­nen, da­zu ein Fort­bil­dungs-An­ge­bot zum The­ma. Zu­dem sol­len Vor­fäl­le ver­pflich­tend ge­mel­det wer­den.

Chris­ti­na Bä­de­ker be­rät be­trof­fe­ne Leh­rer in der Rechts­ab­tei­lung des BLLV. Sie spricht von an­stei­gen­den Fall­zah­len und im­mer schlim­me­ren Fäl­len von Ge­walt. „Ich ha­be kei­nen ein­zi­gen Fall er­lebt, in dem die Re­gie­rung da­für ge­sorgt hat, dass der be­tref­fen­de Leh­rer re­ha­bi­li­tiert wird.“Das Kul­tus­mi­nis­te­ri­um ver­weist auf Prä­ven­ti­ons­pro­gram­me in Zu­sam­men­ar­beit et­wa mit Schul­be­ra­tungs­stel­len und der Po­li­zei. „Psy­chi­sche und phy­si­sche Ge­walt ge­gen Lehr­kräf­te wie auch ge­gen Schü­le­rin­nen und Schü­ler an der Schu­le, sei es durch wen auch im­mer, ist nicht zu dul­den.“

Tä­ter bei psy­chi­scher Ge­walt ge­gen Leh­rer sind an ers­ter Stel­le nicht die Schü­ler, son­dern die El­tern: 59 Pro­zent der be­frag­ten Leh­rer, die meh­re­re Ag­gres­so­ren nen­nen durf­ten, ge­ben an, die ver­ba­len Atta­cken gin­gen von El­tern aus. Schü­ler kom­men „nur“auf 52 Pro­zent.

Kämpft für Leh­rer: BLLV-Prä­si­den­tin Si­mo­ne Fleisch­mann

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