Bad Ai­b­ling: Kri­tik an No­t­ruf­sys­tem

tz - - MÜNCHEN+REGION -

Im Pro­zess um das Zug­un­glück von Bad Ai­b­ling ha­ben seit ges­tern Bahn­mit­ar­bei­ter das Sa­gen. Bei der Ver­neh­mung des Fahr­dienst­lei­ters aus Bruck­mühl stell­te sich am zwei­ten Ver­hand­lungs­tag her­aus, dass dem an­ge­klag­ten Fahr­dienst­lei­ter von Bad Ai­b­ling schon sehr bald nach dem Zu­sam­men­stoß der Zü­ge das Aus­maß be­wusst wur­de. So sag­te der an­ge­klag­te Micha­el P. (40) sei­nem Kol­le­gen kurz nach 7 Uhr am Te­le­fon: „Die Ka­cke ist jetzt rich­tig am Damp­fen.“

Der Fahr­dienst­lei­ter muss sich we­gen fahr­läs­si­ger Tö- tung und fahr­läs­si­ger Kör­per­ver­let­zung ver­ant­wor­ten. Beim Zu­sam­men­stoß der Zü­ge sind zwölf Men­schen ums Le­ben ge­kom­men und 89 teils le­bens­ge­fähr­lich ver­letzt wor­den. Bei sei­nem Te­le­fo­nat ha­be Micha­el P. recht auf­ge­regt ge­wirkt, sag­te der Bahn­mit­ar­bei­ter wei­ter aus.

Die Be­fra­gung des Bruck­müh­ler Fahr­dienst­lei­ters mach­te auch deut­lich, dass das No­t­ruf­sys­tem der Deut­schen Bahn nach Zwi­schen­fäl­len beim Per­so­nal als nicht op­ti­mal gilt. Auf die Fra­ge ei­nes An­walts, der An­ge­hö­ri­ge von Op­fern als Ne­ben­klä­ger ver­tritt, sag­te der Zeu­ge: „Es soll­te ei­ne ein­fa­che­re Lö­sung ge­ben.“

Denn es be­ste­he Ver­wechs­lungs­ge­fahr beim Be­die­nen der Tas­ten. Tat­säch­lich hat­te der An­ge­klag­te beim Ab­schi­cken des No­t­ru­fes, nach­dem er sei­nen Feh­ler be­merkt hat­te, ver­se­hent­lich die Fahr­dienst­lei­ter in der Um­ge­bung in­for­miert und nicht die Lok­füh­rer der bei­den be­trof­fe­nen Zü­ge.

Der un­mit­tel­ba­re Vor­ge­setz­te des An­ge­klag­ten be­rich­te­te, sein Mit­ar­bei­ter sei sehr zu­ver­läs­sig, pflicht­be­wusst und pünkt­lich ge­we­sen. Es ha­be bis zum Un­fall­tag kein ein­zi­ges dienst­li­ches Ver­ge­hen ge­ge­ben. Von der un­er­laub­ten Nut­zung des Han­dys durch den 40-Jäh­ri­gen ha­be er nichts ge­wusst.

Der Pro­zess wird am Mon­tag fort­ge­setzt.

Li­sa H. zog mit Do­mi­nik R. und Söhn­chen Lu­ca im Som­mer in das Mehr­fa­mi­li­en­haus (r.). Ih­re Mut­ter mach­te nun die schreck­li­che Ent­de­ckung, der Mann ist auf der Flucht tz-

F: mc

Fahr­dienst­lei­ter Micha­el P. wuss­te so­fort, dass et­was sehr Schlim­mes pas­siert war. Rechts sein Stell­werkspult

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