„Wir sind un­zer­trenn­lich“

War­um der blin­de Ben (11) sei­nen Vier­bei­ner braucht

tz - - MENSCHEN - MA­RIA ZSOLNAY

Um so ei­nen Freund darf man Ben be­nei­den. Qu­est spürt so­fort, wenn der Elf­jäh­ri­ge den Kopf hän­gen lässt. Wenn er trau­rig ist, weil ihm Wel­ten ver­schlos­sen blei­ben, in de­nen Se­hen­de sich mü­he­los be­we­gen. Dann tapst der Gol­den Re­trie­ver zu Ben, stupst ihn an, schleckt ihn ab, ku­schelt mit ihm. „Er spürt es gleich, wenn ich nicht so gut drauf bin“, er­zählt Ben der tz. „Dann trös­tet er mich.“

Seit der knapp vier­jäh­ri­ge Qu­est bei den Ne­u­manns in Garmisch lebt, ist vie­les leich­ter ge­wor­den. Vor al­lem der All­tag. Ma­ma Andrea kann ein­kau­fen ge­hen – und muss sich kei­ne Sor­gen ma­chen, wenn sie Ben mit Qu­est al­lei­ne zu Hau­se lässt.

Der Hund öff­net dem Jun­gen buch­stäb­lich die Tü­ren – die bei­den ge­hen schon mal al­lein zum Bä­cker und ho­len Sem­meln für die Fa­mi­lie. Selbst­stän­dig­keit, Ver­ant­wor­tung über­neh­men, Ängs­te über­win­den – das al­les hat Ben mit Qu­est ge­lernt. Und noch viel mehr: näm­lich am Le­ben teil­ha­ben, ak­tiv sein, mit Freun­den rum­tol­len, sich nicht aus­ge­grenzt füh­len. Ein As­sis­tenz­hund macht das Le­ben leich­ter – be­son­ders für Kin­der. Doch sol­che Hun­de sind ex­trem teu­er in der Aus­bil­dung. Rund 25 000 Eu­ro kos­tet ein Hund in die­sen Jah­ren. Spe­zi­ell ab­ge­rich­tet auf Roll­stuhl­fah­rer, Blin­de, Alz­hei­mer­pa­ti­en­ten oder trau­ma­ti­sier­te Men­schen, müs­sen sie wis­sen, was die dür­fen und was nicht. Hoch­sprin­gen, wie bei Roll­stuhl­fah­rern darf Qu­est bei Ben nicht. „Aber ge­nau­so ha­ben wir uns ken­nen­ge­lernt“, er­in­nert sich der auf­ge­weck­te Jun­ge. „Beim es­ten Kon­takt sprang er an mir hoch, und ich beug­te mich zu ihm run­ter. Da sind wir zu­sam­men­ge­sto­ßen. Doch von da an wuss­ten wir bei­de, wir ge­hö­ren zu­sam­men.“

Der Ver­ein Vi­ta e.V., der die­se As­sis­tenz­hun­de aus­bil­det und ver­mit­telt, hält en­gen Kon­takt zur Fa­mi­lie und dem Hund. Im­mer wie­der fah­ren Ben und sei­ne Ma­ma in den Wes­ter­wald bei Bonn, trai­nie­ren mit Qu­est. Doch die Mü­he lohnt in je­dem Fall: „Ich könn­te mir ein Le­ben oh­ne Qu­est gar nicht mehr vor­stel­len“, so Ben. Und weil das so gut funk­tio­niert, un­ter­stützt Ma­ma Andrea die Ak­ti­on von Uschi Acker­mann: „ Hof­fent­lich be­kom­men jetzt vie­le be­dürf­ti­ge Men­schen ei­nen As­sis­tenz­hund“, so Ma­ma Andrea.

Ein Herz und ei­ne See­le: Ben Ne­u­mann mit Qu­est

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