Zu­rück zu den Wur­zeln

tz - - MENSCHEN - AUF­GE­ZEICH­NET VON STE­FA­NIE THYS­SEN

Der Ort? Kei­ne gro­ße Büh­ne wie einst zu Wet­ten, dass..?- Zei­ten, eher ein kar­ger Kon­fe­renz­raum im Baye­ri­schen Rund­funk. Das Pu­bli­kum? Kei­ne Mil­lio­nen, son­dern zwei Dut­zend Jour­na­lis­ten und BR-Mit­ar­bei­ter. Die Show? Trotz­dem groß­ar­tig! Für Tho­mas Gott­schalk macht es kei­nen gro­ßen Un­ter­schied, ob er li­ve im Fern­se­hen, im Hör­funk oder vor ei­ner über­schau­ba­ren Grup­pe von Men­schen spricht. Er ist im­mer mit Leib und See­le En­ter­tai­ner – so eben auch an die­sem Tag, als der BR zum Pres­se­ge­spräch mit Gott­schalk ge­la­den hat. Es geht – klar – um die neue Ra­dio-Sen­dung, die der 66-Jäh­ri­ge ab Ja­nu­ar im­mer am ers­ten Sonn­tag des Mo­nats von 19 bis 22 Uhr mo­de­rie­ren wird. Zu­rück zu den Wur­zeln al­so. Und los geht’s!

Gott­schalk über sei­ne Rück- kehr zum Ra­dio

„Es war nicht so, dass ich beim BR bet­telnd vor der Tür ge­le­gen hät­te, und ir­gend­wann er­barm­te sich je­mand und sag­te: ,Na gut, dann komm halt rein ins War­me.‘ Der BR hat ge­quen­gelt und im­mer wie­der nach­ge­fragt, und ich ha­be mir das al­les dann gut über­legt. Es ist doch so: Ich se­he im Fern­se­hen, und das gilt auch fürs Ra­dio, ein­fach im­mer wie­der Ver­an­stal­tun­gen, wo ich sa­ge: Bei al­ler De­mut – das kannst du bes­ser. Wenn ich mich in Hof ins Au­to set­ze und nach Ham­burg fah­re, dann ha­be ich un­ter­schied­li­che Sen­der, aber im Grun­de ei­ne ein­zi­ge Prä­sen­ta­ti­on. Da sit­zen freund­li­che Ani­ma­teu­re, die auch im Club Al­dia­na ar­bei­ten könn­ten, und re­den al­le im glei­chen Ton­fall. Sie ha­ben Haus­frau­en am Te­le­fon, die sich wahn­sin­nig dar­über freu­en, dass sie ge­ra­de zwei Kar­ten für ir­gend­was ge­won­nen ha­ben, und sa­gen dann das nächs­te Ge­winn­spiel an. Da­zu gibt’s die bes­ten Hits der 70-er und 80-er. Mir fehlt da das In­di­vi­du­el­le, das mei­ne Sen­dung ha­ben wird.“

Über die neue Sen­dung „Ich wer­de der Mu­sik, die über­all ge­spielt wird, aus dem Weg ge­hen. Ich möch­te die Mu­sik spie­len, die es zu mei­ner Zeit schon gab und die nicht ge­al­tert ist. Ob das Je­thro Tull ist, Sting oder Phil Col­lins. Die hört man sonst nir­gends mehr, ich glau­be aber, dass es noch ge­nü­gend Men­schen gibt, die so et­was hö­ren wol­len. Und das wer­de ich ei­nen Sonn­tag im Mo­nat ma­chen. Üb­ri­gens li­ve

■ – denn nur so hat es ei­nen Sinn. Ir­gend­je­mand hat­te vor­ge­schla­gen, dass ich die Show auch von mei­ner Wind­müh­le in Ka­li­for­ni­en aus ma­chen kann, dann eben di­gi­tal. Aber an so et­was glau­be ich nicht. Ich kom­me ein­mal im Mo­nat nach Mün­chen und ha­be da rich­tig Lust drauf. Das ist der Vor­teil an mei­ner Si­tua­ti­on, an mei­nem Al­ter: Auch wenn man­che mich als ei­ne Art Un­to­ten se­hen, der nicht auf­hö­ren kann. So ist es nicht. Ich kann ma­chen, was ich will. Ob es Gäs­te ge­ben wird? Wenn Eric Clap­ton un­ten an­klopft, wer­de ich ihn mit hoch neh­men. Oder Pe­ter Maf­fay. An ei­nem Na­men für die Sen­dung wird ge­ra­de noch hek­tisch ge­ar­bei­tet.“

Über die Kos­ten „Ich möch­te nicht, dass die ARD■ noch mal am Gott­schalk zu­grun­de geht, das hat­ten wir ja mit der Vor­abend­ge­schich­te. Al­so ha­ben wir uns ge­dacht: Wir su­chen uns ei­nen mit­tel­stän­di­schen baye­ri­schen Un­ter­neh­mer, der als Spon­sor auf­tritt und die Kos­ten über­nimmt. Ich kos­te den Baye­ri­schen Rund­funk kein Geld und ma­che es wie Do­nald Trump und wer­de ei­nen Eu­ro im Jahr neh­men. Das ist mir auch ganz lieb, dann ste­he ich nicht so in der Bring­schuld, und die Leu­te kön­nen nicht sa­gen: ,Al­so das, was der Gott­schalk hier ab­lie­fert, war aber kei­ne 500 Eu­ro wert.‘ Ich kom­me völ­lig ent­spannt hier hin.“

Über die neue Tech­nik „Vor 30 Jah­ren ha­be ich im Sit­zen mo­de­riert. Jetzt wer­de ich drei St­un­den ste­hen müs­sen, das traue ich mir zu. Aber: Tat­säch­lich war ich es ge­wohnt, dass links zwei Plat­ten­spie­ler ste­hen und rechts ei­ner. Und dann hat al­les funk­tio­niert. Das ist heu­te na­tür­lich an­ders. Und da se­he ich ein biss­chen schwarz. Des­we­gen be­kom­me ich Un­ter­stüt­zung vom Bay­ern1-Kol­le­gen Tom Glas. Mi­chel­le (Hun­zi­ker, d. Red.) hat­te lei­der kei­ne Zeit.“

■ Über even­tu­ell auf­kom­men­de kri­ti­sche Re­ak­tio­nen

„Ich wer­de mich nicht von ei­nem Blog­ger vor sich her­trei­ben las­sen. Ich wer­de nicht mei­ne Klicks zäh­len oder schau­en, ob ich Tren­ding To­pic bei Twit­ter bin. Das al­les in­ter­es­siert mich nicht. Je­mand frag­te auch: ,Ma­chen wir was für die On­li­ner?‘ Da ha­be ich ge­ant­wor­tet: ,Hör mir auf mit den On­li­nern! Ich ma­che Ra­dio.‘ Ich ken­ne mich auch bei Face­book nicht aus, und das will ich auch nicht. Ich blen­de so et­was aus. Ich mag die­se Grund­ge­häs­sig­keit nicht, die in den So­zia­len Netz­wer­ken herrscht.“

■ Über die Kon­kur­renz durch den „Tat­ort“am Sonn­tag­abend

„Ich wer­de ver­su­chen, dem Pu­bli­kum zu ga­ran­tie­ren, dass es bei mir we­nig Lei­chen ge­ben wird. Je­mand, der dem To­de aus dem Weg ge­hen will, ist bei mir bes­ser auf­ge­ho­ben.“

■ Über Trump und ei­ne Rück­kehr nach Deutsch­land

„Ich möch­te wei­ter zwi­schen den Wel­ten pen­deln. In Ma­li­bu weiß kei­ner, ob ich ein pen­sio­nier­ter Por­no­re­gis­seur aus Schwe­den bin oder ein Ra­dio­typ aus Bay­ern. Da stol­pert Nick Nol­te im Su­per­markt vor mir über sei­nen Ein­kaufs­wa­gen. Für mich in­ter­es­siert sich kei­ner. Au­ßer­dem le­ben mei­ne Söh­ne in den USA, Thea möch­te auch blei­ben, und – zum The­ma Trump – blon­de Män­ner mit schreck­li­chen Fri­su­ren müs­sen nicht im­mer gleich das En­de be­deu­ten. Al­so blei­be ich dort. Und wenn ich ab Ja­nu­ar ein­mal im Mo­nat hier nach Mün­chen kom­me und mich ein paar Leu­te ken­nen und sich freu­en, mich zu se­hen, dann ist das wie ei­ne klei­ne The­ra­pie für mich.“

Ver­trag Tho­mas Gott­schalk über sein Ra­dio-

Tho­mas Gott­schalk heu­te und in sei­nen Ra­dio-An­fän­gen in den 70erJah­ren

Fotos: Klaus Haag

TV-Le­gen­de Tho­mas Gott­schalk nach dem Pres­se­ge­spräch mit Fern­seh­re­dak­teu­rin Ste­fa­nie Thys­sen

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