Spatzl

Zum 90. Ge­burts­tag Hel­mut Fi­schers (†): Be­such bei Ruth Ma­ria Ku­bit­schek in der Schweiz

tz - - ERSTE SEITE - IN­TER­VIEW: JO­HAN­NES LÖHR

Ku­bit­schek über Mo­na­co Fran­ze

Heu­te wä­re Hel­mut Fi­scher, un­ser Mo­na­co Fran­ze, 90 Jah­re alt ge­wor­den. Ges­tern er­in­ner­ten sich in der

tz Weg­ge­fähr­ten an den Schau­spie - ler (1926–1997), der un­ver­ges­sen ist. Heu­te, zum Jah­res­tag, spricht sein „Spatzl“in der Kult­se­rie, Ruth Ma­ria Ku­bit­schek. Der Münch­ner

Mer­kur be­such­te die 85 -Jäh­ri­ge in ih­rer Hei­mat in der Schweiz am Bo - den­see.

Frau Ku­bit­schek, wie fühlt man sich als ewi­ges „Spatzl“?

Ruth Ma­ria Ku­bit­schek: Na ja, ich ha­be doch noch so vie­le Rol­len da­nach ge­spielt. Aber es stimmt, ich bin’s heu­te noch, das Spatzl. Und, Pro­ble­me da­mit? Ku­bit­schek: Ich ha­be da­mit über­haupt kein Pro­blem. Wis­sen Sie was: Neu­lich war ich nach fünf, sechs Jah­ren mal wie­der in Mün­chen, es war un­glaub­lich. Ich ge­he mit Stock. Au­ßer­dem ha­be ich wei­ße Haa­re, se­he al­so an­ders aus. Aber schon im ers­ten Ge­schäft, in das ich ging, ha­ben die Leu­te sich ge­freut, mich wie­der­zu­se­hen. Im nächs­ten Ge­schäft das­sel­be. Dann ha­be ich mir an der Ma­xi­mi­li­an­stra­ße ei­ne Hand­ta­sche ge­kauft. Das Mä­del an der Kas­se hat mei­nen Na­men buch­sta­biert: K-U-B-I-T – da rief hin­ter mir ein Mann: „Ich er­ken­ne Sie von hin­ten!“Und er stimm­te ein Lob­lied an. Die Chi­ne­sen, die da rum­stan­den, mach­ten gro­ße Au­gen. Dann auf der Stra­ße: „Jaaa, Spatzl! Dür­fen wir Sie ein­la­den?“Ich dach­te, das gibt’s nicht.

Man merkt, dass sich die­se Se­rie in die DNA der Stadt ein­ge­gra­ben hat. Macht Sie das auch ein biss­chen stolz?

Ku­bit­schek: Ja. Mo­na­co Fran­ze ist ein Kunst­werk, sonst wür­de er nicht so lan­ge blei­ben. Al­le, die da mit­ge­spielt ha­ben, wa­ren Ori­gi­na­le und gro­ße Schau­spie­ler.

Hel­mut Fi­scher war da schon 54 Jah­re alt …

Ku­bit­schek: Das hat man ihm wirk­lich nicht an­ge­se­hen. Re­gis­seur Hel­mut Dietl hat­te ihn schon Jah­re zu­vor ken­nen­ge­lernt, im Ca­fé Münch­ner Frei­heit. Der Hel­mut Fi­scher hat Thea­ter ge­spielt, aber kei­ne gro­ßen Rol­len. Und er hat­te Er­folg bei Frau­en. Ich den­ke, das hat den Dietl für die Fi­gur in­spi­riert. Ob­wohl der Mo­na­co Fran­ze ja auch ein Teil von Dietl ist.

Stimmt es, dass Dietl und Fi­scher Sie ge­mein­sam als „Spatzl“aus­ge­wählt ha­ben, und zwar nach ei­nem ganz be­stimm­ten Kri­te­ri­um – Ih­rem Bu­sen?

Ku­bit­schek: (lä­chelt) Ich hat­te ja im­mer ge­nü­gend Holz vor der Hüttn, wie die Bay­ern sa­gen. Und so hat der Hel­mut Fi­scher zum Dietl ge­sagt: „Guck mal die an! Das ist doch ei­ne rich­ti­ge Frau.“So kam ich zu der Rol­le. Wenn ich Ku­chen ge­ges­sen ha­be, war Dietl im­mer ganz glück­lich: „Ruth­lein, friss nur! Du darfst nicht ab­neh­men.“Dür­re Frau­en fand er nicht in­ter­es­sant – und Hel­mut Fi­scher auch nicht.

Das ist schon sehr di­rekt. Hat­ten Sie zu lei­den un­ter die­sem spe­zi­el­len Män­ner­bund?

Ku­bit­schek: Nein, gar nicht. Hel­mut Fi­scher war kein Kol­le­ge, den du un­an­ge­nehm fin­dest. Er war fair und ganz pri­ma. Er muss­te sehr viel Text ler­nen, das fiel ihm re­la­tiv schwer. Bloß kein an­de­res Wort, sonst kam er draus. Er wuss­te auch um die Chan­ce, die er mit der Rol­le be­kom­men hat­te. Da­durch war er sehr kon­zen­triert, denn Dietl war sehr streng – da gab es zwi­schen den Drehs kei­ne Ge­sprä­che, es war wirk­lich Ar­beit. Trotz­dem hat die Se­rie die­se Leich­tig­keit. Ei­ne Leich­tig­keit, die mir ei­gent­lich nicht zu ei­gen war, die aber im Mo­na­co Fran­ze auf mich ab­färbt. Wenn ich mich da se­he, den­ke ich: Das ist ja ei­ne ganz an­de­re Frau.

Und bei Fi­scher denkt man: Das ist ty­pisch der. Ha­ben Sie Ihn dar­um be­nei­det, dass er ei­gent­lich nur sich selbst spie­len muss­te?

Ku­bit­schek: Nein, über­haupt nicht. Der war so ein net­ter Kerl, dass du auch gar nicht in Kon­kur­renz mit ihm ge­tre­ten bist. Ich ha­be schon Män­ner er­lebt, wo ich dach­te: Die sind ei­tel und vi­el­leicht auch ein biss­chen dumm. Aber der Hel­mut nicht. Er hat­te ei­ne Mei­nung, er war ge­bil­det. Er hat­te nur vor­her kei­nen Er­folg ge­habt. Was ich wirk­lich tra­gisch fin­de, weil er als Typ fan­tas­tisch war – und ein gut aus­se­hen­der Mann.

Wa­ren Sie ein biss­chen ver­liebt in ihn?

Ku­bit­schek: Nein. Er war über­haupt nicht mein Typ. Ich war eher ver­liebt in Hel­mut Dietl. Der war in­ter­es­san­ter für mich. Wenn wir mal zu dritt pri­vat zu­sam­men wa­ren, war’s im­mer lus­tig. Mir hat das Hin­ter­fot­zig-Baye­ri­sche ge­fal­len. Das hat­ten bei­de Hel­muts. Leicht bös­ar­tig, aber sehr in­tel­li­gent.

Hat Hel­mut Fi­scher es mal bei Ih­nen ver­sucht?

Ku­bit­schek: Über­haupt nicht. Ich war auch an­schei­nend gar nicht sein Typ. Da­zu war ich ihm zu kom­pli­ziert. Er nann­te mich im­mer „die We­sen­heit“. dach­te. Weil ich da­mals schon sag­te, es gibt Na­tur­we­sen. Ich ha­be kri­ti­siert, um­ge­hen.tiert. Wes­halb Ku­bit­schek:Das wie ha­benUnd das? wir Weil ich die mit ich ha­be bei­den­der eben Na­tur me­di-gar an­ders nicht­mut Fi­scher ver­stan­den. krank Als war, der kurz Hel­vor sei­nem Tod, hat er mich an­ge­ru­fen. Er sag­te: „Weißt du, Ruth, jetzt, wo’s mir schlecht geht, wür­de ich mich gern mit dir un­ter­hal­ten. Vi­el­leicht kom­men wir ja noch mal da­zu.“Wir ha­ben dann noch ein we­nig ge­spro­chen, und 14 Ta­ge spä­ter war er Spatzl, schau, wie i schau“, war sein Stan­dard­spruch. Es heißt, Dietl ha­be Fi­scher für die Rol­le aus­ge­wählt, weil er so trau­ri­ge Au­gen hat. Hat ihn das auch at­trak­tiv für Frau­en ge­macht? Ku­bit­schek: Ja, doch. We­gen die­ser trau­ri­gen Au­gen, vi­el­leicht auch we­gen sei­nes Gangs und die­ser ge­wis­sen Hilf­lo­sig­keit sind die Frau­en auf ihn ge­flo­gen. Ich ge­be ehr­lich zu: Ich ha­be das nicht ver­stan­den. Abends hol­ten ihn rich­tig gu­te Frau­en ab. Nicht sol­che Pi­pi-Mäd­chen, die im Mo­na­co Fran­ze sein Beu­te­sche­ma sind. Das wa­ren rich­tig ge­stan­de­ne Frau­en.

Da­bei hat Fi­scher im­mer wie­der be­tont, in Wirk­lich­keit sei er nie ein Wei­ber­held wie der Fran­ze ge­we­sen.

Ku­bit­schek: Vi­el­leicht ist er ja mit de­nen nur es­sen ge­gan­gen – so ge­nau weiß ich das nicht.

Als er in jun­gen Jah­ren bei Gus­taf Gründ­gens für ei­ne Rol­le vor­spre­chen durf­te, stol­per­te er an­geb­lich schon beim Be­tre­ten des Rau­mes über ei­nen Tep­pich. Gründ­gens lehn­te ihn ab. War Fi­scher wirk­lich so toll­pat­schig?

Ku­bit­schek: Er war ei­gent­lich nicht toll­pat­schig. Er ging nur steif, er konn­te nicht an­ders. Ir­gend­wann hat mal je­mand ge­sagt, er ha­be im Krieg Ze­hen ver­lo­ren, wie­der ein an­de­rer hat ge­sagt, er ha­be was im Rü­cken. Was er wirk­lich hat­te, hat er nicht ge­sagt. Aber ich den­ke, dass er doch sehr ver­bit­tert war, dass sei­ne Kar­rie­re so spät an­ge­fan­gen hat. Mit 55, 60 – und sich bis da­hin so durch­fret­ten. Des­halb wur­de er be­stimmt auch krank.

In der Se­rie wa­ren Sie sein Spatzl. Wie eng wa­ren Sie und Fi­scher pri­vat?

Ku­bit­schek: Nicht sehr. Dietl hat uns sehr ge­for­dert, wir sa­ßen höchs­tens mal zu­sam­men auf der Leo­pold­stra­ße im Ca­fé.

Aber im Film herrsch­te ei­ne Ma­gie zwi­schen Ih­nen. War Ih­nen be­wusst, dass sie ein Dream­Team sind?

Ku­bit­schek: Wir ha­ben schon ge­merkt, dass wir gut funk­tio­nie­ren als Paar. Nach dem En­de der Se­rie ha­ben wir so­gar ver­sucht, ge­mein­sam neue Stof­fe zu ent­wi­ckeln, denn wir hät­ten ger­ne wei­ter zu­sam­men ge­spielt. Dass dar­aus nichts ge­wor­den ist, ist rich­tig scha­de. Woran lag das? Ku­bit­schek: Ich ging weg aus Mün­chen, und das ha­ben we­der Hel­mut Dietl noch Hel­mut Fi­scher ver­stan­den. Wie kann die Ruth in dem Er­folg, den sie hat, Mün­chen ver­las­sen? Wie konn­ten Sie? Ku­bit­schek: Mün­chen ist schon ei­ne wun­der­schö­ne Stadt. Ei­gent­lich die ein­zi­ge Stadt, in der man le­ben kann. Aber ich woll­te Ru­he ha­ben, aus dem Tru­bel um den Er­folg flie­hen, was an­de­res fin- den. Ich dach­te: Wenn ich jetzt nicht ge­he, wer­de ich hoch­nä­sig. Oder ich krieg n’ Knall. Das ha­ben sie mir al­le übel ge­nom­men. Noch auf Hel­mut Fi­schers Be­er­di­gung spür­te man, dass das bei Dietl ei­ne of­fe­ne Wun­de war. Er kam auf mich zu und frag­te: „Na, Ruth­lein, was machst du den gan­zen Tag – me­di­tie­ren?“

Ha­ben Sie Ih­ren Ent­schluss je be­reut? Ku­bit­schek: Nein. Sind Ih­nen Sten­zen wie der Franz auch im ech­ten Le­ben un­ter­ge­kom­men?

Ku­bit­schek: Oh ja. Ich hat­te im­mer be­son­ders gut aus­se­hen­de Män­ner – die aber stets an­de­re Frau­en hat­ten. Ich bin im­mer wie­der auf die­sen Ty­pus rein­ge­fal­len. Nur ein­mal dach­te ich mir: Na, der ist jetzt so häss­lich, der macht das be­stimmt nicht (lacht) – und der war der Al­ler­schlimms­te. Ich ha­be lei­der nicht so über­le­gen re­agiert wie das Spatzl. Son­dern emo­tio­nal? Ku­bit­schek: Im­mer. Ei­gent­lich bin ich im­mer ge­gan­gen. Ich wä­re an Spatzls Stel­le schon bei der Zwei­ten weg­ge­we­sen. Aber ich ha­be ge­lernt, dass Durch­hal­ten manch­mal rich­tig ist. Im Grun­de hat der Fran­ze sich ja nur selbst be­stä­ti­gen müs­sen. Er hat die gar nicht be­tro­gen, er muss­te nur wis­sen, ob er im­mer noch wirkt.

Ru­t­hMa­ri­aKu­bit­schek­über­Helm utFi­scher Fas­zi­na­ti­on Ku­bit­schek über Hel­mut Fi­schers

Fotos: Löhr, dpa, BR

Ruth Ma­ria Ku­bit­schek (85) in ih­rem Gar­ten in der Schweiz (r.), oben: 1984 in Mün­chen mit Hel­mut Fi­scher, un­ten: Sze­ne aus dem „Mo­na­co Fran­ze“mit Er­ni Sin­gerl

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