Die Phil­har­mo­ni­ker und ihr Fes­ti­val

3 Ta­ge Pro­gramm für al­le mit Ger­giev und sei­nen Phil­har­mo­ni­kern

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Drei Ta­ge Mu­sik für al­le, so lau­te­te das Ver­spre­chen. Und an­ders als ge­wis­se Po­li­ti­ker hiel­ten die Münch­ner Phil­har­mo­ni­ker auch bei der zwei­ten Auf­la­ge ih­res Fes­ti­vals MPHIL 360° Wort. Mit mo­de­ra­ten Prei­sen und 15 Ver­an­stal­tun­gen in knapp 49 St­un­den. Da war für je­den was da­bei. Dass man schon am Er­öff­nungs­abend am Frei­tag als klei­nen Ap­pe­tit­hap­pen un­ter an­de­rem den drit­ten Akt aus Wa­g­ners Par­si­fal reich­te, gab den Ton vor für das, was Chef­di­ri­gent Va­le­ry Ger­giev sich sonst noch al­les aus­ge­dacht hat­te. Im Zen­trum des Ma­ra­thon-Wo­che­n­en­des stand mit Ser­gej Pro­kof­jew ein an­de­rer Leib-un­dMa­gen-Kom­po­nist Ger­gievs.

Mu­sik für al­le be­zog sich vor al­lem am Sams­tag aufs Pu­bli­kum von mor­gen, für das die un­ter­stüt­zen­den Kol­le­gen des Ma­ri­ins­ky Orches­ters aus St. Pe­ters­burg gleich zwei­mal hin­ter­ein­an­der in der Phil­har­mo­nie Pe­ter und der Wolf brach­ten. Selbst­ver­ständ­lich mit Ger­giev am Pult und Mal­te Ar­ko­na als Er­zäh­ler, der in bes­ter Ti­ger­en­ten-Club­Ma­nier die Fi­gu­ren zum Le­ben er­weck­te. In­klu­si­ve nä­seln­der En­te und bai­risch pol­tern­dem Groß­va­ter.

„Voll stark!“, fin­det’s der sie­ben­jäh­ri­ge An­ton. Und auch für Schwes­ter Le­na war ihr ers­tes Kon­zert ein ech­tes Er­leb­nis: „Toll war, dass je­des Tier sein ei­ge­nes In­stru­ment hat­te.“We­ni­ger gut ge­launt war nach dem Ab­trans­port des bö­sen Wolfs le­dig­lich der klei­ne Sa­mu­el, der am liebs­ten noch län­ger ge­blie­ben wä­re: „Das war viel zu kurz!“Da soll sich noch ein­mal je­mand über die ge­rin­ge Auf­merk­sam­keits­span­ne der heu­ti­gen Ju­gend be­schwe­ren.

Selbst Mu­sik ma­chen durf­ten ne­ben­an in der Black Box Sa­mu­els Al­ters­ge­nos­sen aus der Klas­se 2b der Grund­schu­le an der Flur­stra­ße. Sie prä­sen­tier­ten ei­ne laut­star­ke Trom- mel­per­for­mance und ein klei­nes selbst ver­fass­tes Stück über Freund­schaft und To­le­ranz, das man zu­vor ge­mein­sam als Teil des Pro­jekts Com­mu­ni­ty Mu­sic ein­stu­diert hat­te. Wo­bei der be­son­de­re Re­spekt hier Phil­har­mo­ni­ker-Cel­list Ma­nu­el von der Nah­mer so­wie sei­nen Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen gilt, die sich ab­seits ih­rer ge­wohn­ten Di­enst­zei­ten da­für ein­setz­ten, Mu­sik über die Mau­ern des Ga­s­teigs hin­aus für al­le Al­ters­grup­pen und so­zia­len Schich­ten er­leb­bar zu ma­chen.

Wie eng die­ser vor Mu­sik nur so bers­ten­de Tag ge­tak­tet war, merk­te man spä­tes­tens bei der nächt­li­chen Tanz-Per­for­mance im Carl-Orff-Saal. Die be­gann 20 Mi­nu­ten spä­ter, da das Pu­bli­kum in der Phil­har­mo­nie zu­vor nicht mit Ap­plaus für das Gip­fel­tref­fen ge­spart hat­te, bei dem die Phil­har­mo­ni­ker und Mit­glie­der des Ma­ri­ins­ky Orches­ters ge­mein­sam mu­si­ziert hat­ten.

Hoch­span­nung schon nach­mit­tags beim Kla­vier­so­na­tenMa­ra­thon, wo man vier jun­ge Pia­nis­ten ken­nen­ler­nen durf­te. Die bei­den Rus­sen Dmitry Mas­leev und Ser­gej Red­kin lie­ßen mit ih­ren ef­fekt­vol­len In­ter­pre­ta­tio­nen die Wän­de wa­ckeln.

Vol­les Haus schließ­lich Sonn­tag­mor­gen, als Va­le­ry Ger­giev mit der za­ckig durch­ge­peitsch­ten Pro­kof­jew-Drit­ten ei­nen Rei­gen mit fünf wei­te­ren Sin­fo­ni­en des Kom­po­nis­ten er­öff­ne­te, plus drei Mo­zart-Vio­lin­kon­zer­te. Man wagt kaum zu fra­gen, wann wohl für das al­les ge­probt wur­de.

Doch lau­te­te Ger­gievs De­vi­se auch dies­mal „groß den­ken“. Der Er­folg scheint ihm Recht zu ge­ben.

Fs.: dpa, fkn

Va­le­ry Ger­giev, Chef­di­ri­gent der Münch­ner Phil­har­mo­ni­ker, lud zu drei Ta­gen Mu­sik im Ga­s­teig

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