Ga­b­ri­els Tri­umph

Uni­on gibt Wi­der­stand auf: St­ein­mei­er soll Bun­des­prä­si­dent wer­den

tz - - ERSTE SEITE - IN­TER­VIEW: KLAUS RIMPEL

Horst See­ho­fer hat­te nach ei­nem Ge­heim­tref­fen mit Frank-Wal­ter St­ein­mei­er in Mün­chen sei­nen Wi­der­stand auf­ge­ge­ben: Nun un­ter­stützt auch die Uni­on den SPD-Kan­di­da­ten für das Bun­des­prä­si­den­ten­amt! Ein Tri­umph für SPD-Chef Sig­mar Ga­b­ri­el, der An­ge­la Mer­kels Schwä­che aus­nutz­te: Denn die Kanz­le­rin schaff­te es nicht, ei­nen Uni­ons-Kan­di­da­ten zu fin­den, der Deutsch­lands be­lieb­tes­ten Po­li­ti­ker St­ein­mei­er das Was­ser rei­chen kann. Aus der Te­le­fon­schal­te mit dem CDU-Vor­stand ver­lau­te­te ges­tern, dass Bun­des­fi­nanz­mi­nis­ter Wolf­gang Schäu­b­le die Ent­schei­dung als „Nie­der­la­ge“für die Uni­on wer­te­te. Prä­si­di­ums­mit­glied Jens Spahn kri­ti­sier­te, mit der Ei­ni­gung sen­de die Uni­on das Si­gnal aus, er­neut ei­ne Gro­ße Ko­ali­ti­on an­zu­stre­ben. In der tz ana­ly­siert Par­tei­en­for­scher Prof. Jür­gen Fal­ter aus Mainz das Ja zu St­ein­mei­er.

Horst See­ho­fer woll­te ei­nen ei­ge­nen Uni­ons-Kan­di­da­ten. Ist es ei­ne Nie­der­la­ge für ihn und Kanz­le­rin Mer­kel, dass die größ­te Frak­ti­on in der Bun­des­ver­samm­lung nun doch ei­nen SPD-Mann un­ter­stützt?

Prof. Jür­gen Fal­ter: Die Uni­on war nicht in der La­ge, ei­nen zug­kräf­ti­gen, ei­ge­nen Kan­di­da­ten zu be­nen­nen – das kann man schon als Nie­der­la­ge be­zeich­nen. Ins­be­son­de­re wenn man auf die Häu­fung der Plei­ten in Sa­chen Bun­des­prä­si­den­tenEnt­schei­dung in der Ära Mer­kel blickt.

Ist das Uni­ons-Ja zu St­ein­mei­er ein Si­gnal in Rich­tung Gro­ße Ko­ali­ti­on auch nach der Bun­des­tags­wahl 2017?

Fal­ter: Auf je­den Fall ist es ein Si­gnal ge­gen Rot-Rot-Grün, denn die lin­ke Lin­ke mag Herrn St­ein­mei­er über­haupt nicht und wohl um­ge­kehrt! Der SPD-Po­li­ti­ker ist ein un­ge­mein so­li­der, un­ra­di­ka­ler, se­riö­ser Po­li­ti­ker, der si­cher im Zwei­fel eher ei­nen Kan­di­da­ten der Gro­ßen Ko­ali­ti­on für die Re­gie­rungs­bil­dung be­auf­tra­gen wür­de als je­mand von Rot-Rot-Grün. Aber er hat na­tür­lich Par­tei­loya­li­tä­ten, die er als Bun­des­prä­si­dent auch nicht ver­lie­ren wird.

Auf ein Schwarz- Grü­nes Si­gnal hat Mer­kel nun ver­zich­tet. Ein Feh­ler?

Fal­ter: Das Pro­blem ist: Schwar­zG­rün hat zwar rein rech­ne­risch in der Bun­des­ver­samm­lung ei­ne Mehr­heit, aber mit sehr vie­len Un­wäg­bar­kei­ten. Die Stim­men der De­le­gier­ten an­de­rer Par­tei­en zu be­kom­men, wä­re schwie­rig ge­we­sen. Horst See­ho­fer hat zu­dem auch deut­lich ge­macht, dass er ei­nen schwarz-grü­nen Kan­di­da­ten nicht will. Aber auch die Grü­nen selbst ha­ben mit ih­rem Par­tei­tag vom Wo­che­n­en­de Was­ser auf die Müh­len der Schwarz-GrünK­ri­ti­ker ge­kippt: Sie ha­ben da ein-

deu­tig für ei­ne lin­ke­re Ge­sell­schafts­po­li­tik op­tiert.

CSU- Ge­ne­ral­se­kre­tär Andre­as Scheu­er hat St­ein­mei­er als „gu­ten Kan­di­da­ten in die­sen au­ßen­po­li­tisch so her­aus­for­dern­den Zei­ten“ge­lobt – aber braucht man da nicht drin­gen­der ei­nen gu­ten Au­ßen­mi­nis­ter?

Fal­ter: Na­tür­lich braucht man in die­sen auf­ge­wühl­ten Zei­ten im Au­ßen­amt die Er­fah­rung und die Ru­he St­ein­mei­ers. Des­halb wird es span­nend, wer für das letz­te hal­be Jahr der Gro­ßen Ko­ali­ti­on sein Nach­fol­ger wer­den soll. Ich se­he da der­zeit nur we­ni­ge Kan­di­da­ten – vi­el­leicht Mar­tin Schulz, den Prä­si­den­ten des Eu­ro­pa­par­la­ments, vi­el­leicht Frak­ti­ons­chef Tho­mas Op­per­mann oder je­mand an­de­res aus der SPD, der schon län­ger für ein hö­he­res Amt vor­ge­se­hen ist.

An­ge­la Mer­kel hat­te mit Horst Köh­ler ja ei­nen Bun­des­prä­si­den­ten au­ßer­halb des Po­lit­kbe­triebs ge­fun­den. War es ein Feh­ler, nicht wie­der solch ei­nen Po­lit-Au­ßen­sei­ter zu neh­men?

Fal­ter: Mer­kel hat es ja ver­sucht. Ver­fas­sungs­ge­richts­prä­si­dent Andre­as Voß­kuh­le hat ab­ge­sagt, Bun­des­bank-Prä­si­dent Jens Weid­mann wur­de zwar ge­nannt, war aber kein wirk­lich ernst­haf­ter Kan­di­dat. Es ist schwie­rig … Ich glau­be, An­ge­la Mer­kel woll­te nach den Er­fah­run­gen mit Köh­lers Rück­tritt ei­nen Kan­di­da­ten, der das po­li­ti­sche Ge­schäft kennt. Und der nicht so dünn­häu­tig ist – das war ja das Pro­blem bei Köh­ler, der zu­rück­trat weil er sich per­sön­lich an­ge­grif­fen fühl­te. Ein Pro­fi­po­li­ti­ker hät­te die da­ma­li­gen Atta­cken von Jür­gen Trit­tin und vom Spie­gel lo­cker weg­ge­steckt.

Wird St­ein­mei­er ein gu­ter Bun­des­prä­si­dent sein?

Fal­ter: Ich glau­be schon – auch wenn sei­ne ru­hi­ge, be­däch­ti­ge Art nicht eben mit­rei­ßend wirkt.

Foto: dpa

St­ab­wech­sel in Schloss Bel­le­vue: Fran­kWal­ter St­ein­mei­er soll Joa­chim Gauck (li.) nach­fol­gen

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