Bes­ser als nichts

Der tz- Kom­men­tar: Die Pfle­ge­re­form (Sei­te 15)

tz - - POLITIK -

Es wird nie­man­dem schlech­ter ge­hen und vie­len bes­ser – nicht we­ni­ger ver­spricht die Gro­ße Ko­ali­ti­on den Pfle­ge­be­dürf­ti­gen und ih­ren An­ge­hö­ri­gen fürs neue Jahr. Tat­säch­lich sind – nach jah­re­lan­gen, zä­hen Ver­hand­lun­gen – fi­nan­zi­el­le Ver­bes­se­run­gen da­bei. Und auch die bes­se­re An­er­ken­nung von De­menz­er­krank­ten ist ei­ne Hil­fe für vie­le. Der ganz gro­ße Wurf ist das Ge­setz trotz­dem nicht. Denn die ent­schei­den­de Fra­ge für al­le Be­trof­fe­nen ist nicht un­be­dingt, wie viel Geld die Pfle­ge­kas­se künf­tig zahlt, son­dern ob sich ihr All­tag durch die Re­form än­dert. Da sieht die Pro­gno­se eher nicht so ro­sig aus. Das Grund­pro­blem der Pfle­ge bleibt be­ste­hen: Es fehlt qua­li­fi­zier tes Per­so­nal, und wenn die Per­so­nal­de­cke dünn ist, kann wei­ter­hin nur das Al­ler­nö­tigs­te ge­leis­tet wer- den. Da­bei wä­re für die Be­trof­fe­nen ei­ne ver­bes­ser­te Qua­li­tät der Pfle­ge viel wich­ti­ger! Lei­der hat das The­ma Pfle­ge im­mer noch nicht den Stel­len­wert, den es ver­dient. Denn dar­an, wie wir mit den schwächs­ten Mit­glie­dern un­se­rer Ge­sell­schaft um­ge­hen, lässt sich ab­le­sen, wie es um den Zu­stand der Ge­mein­schaft steht. Der größ­te Pfle­ge­dienst der Na­ti­on ist die Fa­mi­lie – trotz­dem kön­nen pfle­gen­de An­ge­hö­ri­ge von ei­nem Rechts­an­spruch auf ei­nen Platz in der Ta­ges­pfle­ge, der ih­nen ei­ne prak­ti­sche Ent­las­tung im All­tag ge­wäh­ren wür­de, nur träu­men. Po­li­tik und Ge­sell­schaft dür­fen das The­ma nicht wei­ter ver­drän­gen, son­dern müs­sen jetzt über Lö­sun­gen für die Zu­kunft strei­ten.

Bei der Re­form han­delt es sich nicht um den gro­ßen Wurf.

Marc Kniep­kamp

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