Kräf­te­mes­sen im Ge­richts­saal

tz - - MÜNCHEN+REGION - ANNIKA SCHALL ANDREAS THIEME

Sie­ben Ap­fel­bäu­me in ei­ner Nacht hat sich ei­ne Grup­pe Bi­ber im Eng­li­schen Gar­ten ein­ver­leibt, sehr zum Leid­we­sen von Park­chef Tho­mas Kös­ter, der sol­che Vor­fäl­le seit Kur­zem häu­fig be­ob­ach­tet: „Die Pro­ble­me mit den Bi­bern ha­ben in letz­ter Zeit neue Di­men­sio­nen er­reicht, das gibt uns sehr zu den­ken“.

Seit Neu­es­tem wür­den die Tie­re nicht mehr nur die ufer­na­hen Bäu­me an­fres­sen, wie es ei­gent­lich ty­pisch ist, son­dern sich auch im­mer öf­ter Ge­höl­ze vor­neh­men, die bis zu 30 Me­ter vom Was­ser ent­fernt stün­den. Das sorgt nun für Är­ger!

Ei­ne Lö­sung er­hofft sich die Par­kauf­sicht von ei­nem dem­nächst an­ste­hen­den Tref­fen mit dem der Na­tur­schutz­be­hör­de un­ter­ste­hen­den Bi­ber­be­ra­ter. Denn die Mög­lich­kei­ten des

Frü­her hat Re­na­te Hol­land (64) beim Bo­dy­buil­ding ih­re Mus­keln spie­len las­sen – 1985 und 1986 war sie Welt­meis­te­rin und ein Star der Sze­ne. Heu­te braucht sie ih­re gan­ze Kraft vor Ge­richt: Denn seit drei Jah­ren kämpft die Un­ter­neh­me­rin ge­gen das Be­wer­tungs­por­tal Yelp. Über ih­re Fit­ness­stu­di­os, die sie un­ter an­de­rem in Send­ling und Brunn­thal be­treibt, wer­den dort et­li­che Ne­ga­tiv­be­wer­tun­gen an­ge­zeigt – ob­wohl der Groß­teil der Kun­den sehr gu­te Er­fah­run­gen beim Trai­ning ge­macht hat. Des­halb klag­te sich Re­na­te Hol­land bis vor das Ober­lan­des­ge­richt. Dort for­dert sie Un­ter­las­sung. Ges­tern wur­de der Fall ver­han­delt.

Für Re­na­te Hol­land geht es in dem Pro­zess um sehr viel: um ihr An­se­hen. Um Gel­der, die sie durch feh­len­de Kund­schaft ver­liert. Und um ihr Recht, für das sie schon so lan­ge kämpft. „Ich war er­schro­cken, als ich die vie­len Ne­ga­tiv-Be­wer­tun­gen über mei­ne Stu­di­os sah“, sagt sie. „Für mich ist das ex­trem ge­schäfts­schä­di­gend.“

Zu­nächst fin­det die Un­ter­neh­me­rin kei­ne Er­klä­rung da­für. Dann wird das Pro­blem of­fen­sicht­lich: Tat­säch­lich sind die al­ler­meis­ten Nut­zer­be­wer­tun­gen über ih­re Stu­di­os po­si­tiv, nur wer­den sie auf dem be­lieb­ten Por­tal gar nicht an­ge­zeigt. Das hat tech­ni­sche Grün­de, die Yelp aber nicht än­dern will: Ein Parks im Um­gang mit den un­ter Ar­ten­schutz ste­hen­den Tie­ren sind be­grenzt. Ein­zel­ne Bäu­me kön­ne man zwar mit so­ge­nann­ten Drahtho­sen schüt­zen, ein weit­räu­mi­ger Schutz der Ge­höl­ze im Park durch die­se Maß­nah­me sei aber we­der mach­bar noch sinn­voll: „Wir sind schon sehr to­le­rant, aber ab ei­nem ge­wis­sen Punkt soll­te man zwi­schen dem Na­tur­schutz und dem Gar­ten­denk­mal­schutz des Eng­li­schen Gar­ten ab­wä­gen“, sagt Kös­ter. Al­go­rith­mus fil­tert auf dem Por­tal ge­fälsch­te Be­wer­tun­gen her­aus. Das Pro­blem: Da­zu zäh­len of­fen­bar auch je­ne, bei de­nen die Nut­zer bis­lang nur sel­ten Be­wer­tun­gen ab­ge­ge­ben ha­ben und nicht mit an­de­ren Nut­zern ver­netzt sind. Sie gel­ten als Ge­fäl­lig­keit und wer­den nur ver­steckt ge­lis­tet.

„Hun­der­te Emp­feh­lun­gen für mei­ne Stu­di­os sind da­durch im In­ter­net nicht zu se­hen“, sagt Hol­land. „Hier wird das Recht auf freie Mei­nungs­äu­ße­rung be­schnit­ten. Da­durch ha­be ich be­reits vie­le po­ten­zi­el­le Kun­den ver­lo­ren.“Die frü­he­re Bo­dy­buil­de­rin fühlt sich macht­los. Ei­ne Nach­fra­ge bei dem In­ter­net­por­tal half ihr nicht wei­ter. „Man sag­te mir nur, ich sol­le doch mehr Wer­bung ma­chen.“Des­halb zog sie vor Ge­richt: „Ich for­de­re, dass al­le Be­wer­tun­gen, die je für mich ab­ge­ge­ben wor­den sind, auch an­ge­zeigt wer­den.“

In ers­ter In­stanz hat­te Re­na­te Hol­land kei­nen Er­folg: Das Land­ge­richt wies ih­re Kla­ge vom 12. Fe­bru­ar ab. Be­grün­dung: Sie ha­be kei­nen An­spruch, dass die aus­ge­wie­se­ne Ge­samt­be­wer­tung aus al­len ab­ge­ge­be­nen Be­wer­tun­gen ge­bil­det wird. Denn die Bei­trä­ge der Nut­zer sei­en Mei­nungs­äu­ße­run­gen, die gleich­wer­tig sind.

Am 22. De­zem­ber soll das Ur­teil fal­len. Re­na­te Hol­land sagt: „Ich wer­de wei­ter kämp­fen – auch für klei­ne­re Fir­men. Zur Not bis in die letz­te In­stanz.“

Streit Re­na­te Hol­land (64) über den In­ter­net-

Fo­tos: Schlaf, fkn

Är­gert sich über die Schä­den durch die Bi­ber im Eng­li­schen Gar­ten: Park­chef Tho­mas Kös­ter (li.)

Fo­tos: Jantz, E. Jan­ner

Re­na­te Hol­land wur­de 1986 Welt­meis­te­rin (o.). Heu­te be­treibt sie Fit­nesstu­di­os (li.)

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