Das En­de der Kult-Hüt­ten

Hor­ren­de Sa­nie­rungs­kos­ten, kei­ne Päch­ter

tz - - BAYERN - ANDREAS BEEZ

Aus­flüg­lern und Wan­de­rern blu­tet das Herz, Moun­tain­bi­ker kur­beln in Ge­dan­ken weh­mü­tig ei­ne Eh­ren­run­de: Mit dem Forst­haus Valepp und der Erz­her­zog-Jo­hann-Klau­se ha­ben sie zwei Fix­punk­te in den Münch­ner Haus­ber­gen ver­lo­ren. Die uri­gen Kul­tHüt­ten sind dicht – auf un­be­stimm­te Zeit! In bei­den Fäl­len droht die zwin­gend er­for­der­li­che Sa­nie­rung an hor­ren­den Kos­ten zu schei­tern, es feh­len noch Plä­ne und Päch­ter. Wie es mit den Berg­gast­häu­sern wei­ter­geht, steht in den Ster­nen.

Das wild­ro­man­ti­sche Wald­ge­biet zwi­schen Te­gern­see, Spit­zing­see und Ti­ro­ler Inn­tal gilt als ei­ne Art ma­gi­sches Drei­eck für Berg­freun­de aus Mün­chen und dem Ober­land. An schö­nen Wo­che­n­en­den zieht es Heer­scha­ren von Krax­lern an, die von den Wan­der­park­plät­zen in der Valepp (878 Me­ter) un­ter an­der­erm zur Erz­her­zog-Jo­hann-Klau­se (814 Me­ter) und wie­der zu­rück stie­feln. Auch Franz Jo­sef Strauß und Hel­mut Kohl kehr­ten hier ein, re­de­ten sich bei ei­ner zünf­ti­gen Brot­zeit und di­ver­sen Kalt­ge­trän­ken die Köp­fe heiß. Ein Fo­to von der le­gen­dä­ren Rast am 1. Ju­li 1983 hing im Gast­haus (Fo­to rechts), es ent­lock­te seit­her Tau­sen­den Be­su­chern ein Schmun­zeln.

In der Moun­tain­bike-Sze­ne zählt die Valepp-Run­de zu den tra­di­ti­ons­reichs­ten Voral­pen-Klas­si­kern über­haupt. Pio­nie­re wie Bi­ke-Gui­de-Er­fin­der El­mar Mo­ser ha­ben die Stre­cke po­pu­lär ge­macht. Er schick­te sei­ne Fan­ge­mein­de mit klei­nen Falt­blätt­chen zur Ori­en­tie­rung in die ba­ju­wa­ri­sche Pr­ä­rie – für Trend­bi­ker der heu­ti­gen Ge­ne­ra­ti­on bei­na­he un­vor­stell­bar.

Doch egal ob mit Na­vi am Len­ker oder Pa­pierl im Nost­al­gie­tri­kot – der Stopp in der Erz­her­zog-Jo­hann-Klau­se an der Bran­den­bur­ger Ache fällt nun erst mal ins Was­ser. In die­sem Herbst gab die Päch­te- rin das Ge­bäu­de an die Ös­ter­rei­chi­schen Bun­des­fors­ten zu­rück, man hat­te sich nicht auf ei­ne Sa­nie­rung ei­ni­gen kön­nen. Knack­punkt ist die Fi­nan­zie­rung: „Nach ers­ter Schät­zung ist mit In­stand­set­zungs­kos­ten von über ei­ner Mil­li­on Eu­ro zu rech­nen“, er­läu­tert For­stSpre­che­rin Pia Buch­ner im tz- Ge­spräch. So müs­se das Dach ge­rich­tet und die kom­plet­te Was­ser­ver­sor­gung er­neu­ert wer­den. Weil die Bun­des­fors­ten das Geld nicht al­lei­ne lo­cker­ma­chen wol­len, ha­ben sie jetzt die Tal­ge­mein­de Bran­den­berg an­ge­zapft. „Die Ge­sprä­che über ei­ne ge­mein­sa­me Lö­sung lau­fen“, ver­si­chert Buch­ner – oh­ne sich De­tails oder gar ei­nen mög­li­chen Ter­min für die Wie­der­er­öff­nung ent­lo­cken zu las­sen.

Ähn­lich va­ge klingt der Zeit­plan fürs Forst­haus Valepp, das den Baye­ri­schen Staats­fors­ten ge­hört. „Wir su­chen der­zeit ei­nen neu­en Päch­ter mit ei­nem trag­fä­hi­gen Be­triebs­kon­zept. Es gibt be­reits ers­te Kon­tak­te mit In­ter­es­sen­ten“, sagt Spre­cher Phil­ipp Bahn­mül­ler der tz. Er be­tont – ge­nau wie sei­ne ös­ter­rei­chi­sche Kol­le­gin – dass „der tra­di­ti­ons­rei­che tou­ris­ti­sche Stand­ort un­be­dingt er­hal­ten blei­ben“sol­le: „Wir ha­ben gro­ßes In­ter­es­se dar­an, dass das Ge­bäu­de auch wei­ter­hin öf­fent­lich bleibt – nicht zu­letzt für Wan­de­rer, Moun­tain­bi­ker und Er­ho­lungs­su­chen­de“, so Buch­ner. Wie viel die­se Ver­spre­chen wert sind, wird sich wohl frü­hes­tens in ei­ni­gen Mo­na­ten her­aus­kris­tal­li­sie­ren.

Fo­tos: laif, ull­stein, dpa

Ei­ne Rast an der Erz­her­zog-Jo­hann-Klau­se war für vie­le Moun­tain­bi­ker und Wan­de­rer ein Muss, auch Franz Jo­sef Strauß und Hel­mut Kohl kehr­ten hier ein

Das Forst­haus Valepp ist über ei­ne Maut­stra­ße zu er­rei­chen

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