Die Angst vor dem Vi­rus

tz - - MENSCHEN - IN­TER­VIEW: SUS

War­um ste­cken sich Vö­gel mit der Grip­pe an?

El­ke Rein­king: Wild­le­ben­de Was­ser­vö­gel sind ein na­tür­li­ches Re­ser­voir für In­flu­en­za-Er­re­ger. Die Vi­ren mit der Ken­nung H5 und H7 sind be­son­ders be­deut­sam, da sie die klas­si­sche Ge­flü­gel­pest, die Vo­gel­grip­pe, aus­lö­sen kön­nen. Der ak­tu­ell gras­sie­ren­de Vi­rus­typ H5N8 ist ein sehr krank ma­chen­des Vi­rus. In­fi­zier­te Was­ser­vö­gel, Rei­he­ren­ten sind ak­tu­ell be­trof­fen und ster­ben in kür­zes­ter Zeit. Da sich In­flu­en­za-Vi­ren stän­dig ver­än­dern, be­fürch­tet man im­mer, dass sie auf Säu­ge­tie­re und Men­schen über­trag­bar wer­den, wenn wir sie nicht stop­pen. Die sai­so­na­le Grip­pe beim Men­schen setzt sich üb­ri­gens aus den ver­schie­dens­ten Grip­pe­vi­ren zu­sam­men, da kön­nen tat­säch­lich Vi­ren von Vö­geln da­bei sein, aber es gibt auch Grip­pe­vi­ren aus dem Säu­ge­tier­be­reich, z. B. von Schwei­nen. gel­ras­sen oder Vö­gel in Zoos kön­nen je­doch mit Aus­nah­me­ge­neh­mi­gun­gen ge­impft wer­den.

War­um wer­den kran­ke Tie­re nicht be­han­delt, son­dern ge­tö­tet?

Rein­king: Das ist im Tier­seu­chen­ge­setz vor­ge­schrie­ben, man möch­te ver­hin­dern, dass das Vi­rus wei­ter ver­schleppt und an­de­re Be­stän­de ge­fähr­det wer­den. Ist die Si­tua­ti­on mit der Vo­gel­grip­pe 20 06 ver­gleich­bar?

Rein­king: Auch da­mals gab es zu­nächst zwei Schwer­punk­te von Er­kran­kun­gen mit dem H5N1-Vi­rus, hier bei uns oben im Nor­de­n­un­dimSü­denDeutsch­lands. Die Ost­see und der Bo­den­see sind be­kann­te Vo­gel­rast­ge­bie­te und auch Rück­zugs­ge­bie­te für Wild­vö­gel, wenn es in Si­bi­ri­en und Skan­di­na­vi­en zu Käl­te­ein­brü­chen kommt. Dann ma­chen sich vie­le Vö­gel auf den Weg in et­was wär­me­re Ge­fil­de. Man muss sich die An­ste­ckung wie ei­nen Staf­fel­lauf vor­stel­len. Das Vi­rus wird mit dem Kot, mit Na­sen- und Au­gen­se­kret aus­ge­schie­den. Die Vö­gel ste­cken sich an, wenn sie sich dicht an­ein­an­der­drän­gen, oder sie in­fi­zie­ren sich übers Was­ser. Ge­ra­de bei den der­zei­ti­gen Tem­pe­ra­tu­ren ist das Vi­rus im Was­ser sehr sta­bil.

Hat man aus der da­ma­li­gen Epi­de­mie ge­lernt?

Rein­king: Al­les ist schnel­ler ge­wor­den: Die Tests zum Nach­weis des Er­re­gers dau­ern nur noch St­un­den, nicht mehr Ta­ge. Die Maß­nah­men zum Auf­stal­len von Ge­flü­gel, zum Ein­rich­ten von Sperr­be­zir­ken oder auch zum Tö­ten von gan­zen Be­stän­den wer­den schnel­ler ge­trof­fen und viel schnel­ler um­ge­setzt.

Wenn in ei­nem Be­trieb die Vo­gel­grip­pe gras­siert, müs­sen im Um­kreis (Sperr­be­zirk) al­le Tie­re, hier Pu­ten, in den Stall

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