„Kom­pli­ment an die Jungs!“

Mül­ler lobt jun­ge DFB-Elf nach glück­li­chem 0:0 in Ita­li­en

tz - - SPORT - SW, LOP

Mit ei­ner mü­he­vol­len Null­num­mer hat sich die deut­sche Na­tio­nal­mann­schaft aus dem Fuß­ball-Jahr 2016 ver­ab­schie­det. In der Neu­auf­la­ge des EM-Vier­tel­fi­nals kam die er­satz­ge­schwäch­te Trup­pe von Jo­gi Löw in Mai­land ge­gen Ita­li­en nicht über ein 0:0 hin­aus – und muss­te am En­de dank Kee­per Bernd Le­no so­gar froh über das Re­mis sein. Tho­mas Mül­ler, der das Team ges­tern Abend als Ka­pi­tän an­führ­te, war trotz­dem zu­frie­den: „Kom­pli­ment an die Jungs! Ich bin stolz dar­auf, dass ich die­se Mann­schaft als Ka­pi­tän aufs Feld füh­ren durf­te.“

Denn von vorn­her­ein war klar, dass es Löw mehr ums Ex­pe­ri­men­tie­ren als ums Pres­ti­ge ging. Ne­ben den schon in San Ma­ri­no feh­len­den Ma­nu­el Neu­er, Je­ro­me Boateng, To­ni Kroos und Me­sut Özil ver­zich­te­te der Bun­des­trai­ner frei­wil­lig noch auf Sa­mi Khe­di­ra. Da­für lief der Wolfs­bur­ger Yan­nick Ger­hardt als 86. Neu­ling un­ter Jo­gi auf, Dort­munds Ju­li­an Weigl gab sein Start­elf-De­büt. „Wir ha­ben ge­se­hen, dass wir ein jun­ges Team mit viel Po­ten­zi­al ha­ben“, lob­te Mül­ler. Auch tak­tisch ließ Löw sich et­was ein­fal­len und prob­te wie­der mal die Drei­er­ket­te – beim EMErnst­fall hat­te er ge­gen die Ita­lie­ner noch auf die ge­wohn­te Vie­rer­ket­te ge­baut.

Den­noch durf­ten sich die rund 45 000 Zu­schau­er auf ein Freund­schafts­spiel der un­ter­halt­sa­me­ren Sor­te hof­fen – zu­min­dest in der ers­ten hal­ben St­un­de. Le­on Go­retz­ka konn­te Ita­li­ens Tor­wart-Le­gen­de Gi­an­lu­i­gi Buf­fon nach ei­nem tol­len Pass von Il­kay Gün­do­gan nicht mehr recht­zei­tig um­kur­ven (12.), auch nach Mül­lers Her­ein­ga­be war Buf­fon ge­ra­de noch zur Stel­le (27.) – eben­so wie bei Gün­do­gans zu harm­lo­sen Schuss kur­ze Zeit spä­ter (31.). Auch die Gast­ge­ber wa­ren im Spiel nach vor­ne nicht un­tä­tig. Neu­er-Er­satz Le­no lenk­te Da­nie­le Ru­ga­nis Schuss über sei­nen Kas­ten (13.) und mach­te ge­gen den frei vor ihm auf­tau­chen- den Ci­ro Im­mo­bi­le den Win­kel zu spitz für den ExDort­mun­der (25.). Al­ler­dings sorg­ten die Gast­ge­ber auch für un­schö­ne Sze­nen: Auf den Rän­gen, als die Ti­fo­si wäh­rend der deut­schen Na­tio­nal­hym­ne laut pfif­fen. Und auf dem Ra­sen, als Im­mo­bi­le Jos­hua Kim­mich un­sanft um­rem­pel­te und zu Bo­den brach­te. Scholl woll­te die Si­tua­ti­on aber nicht über­be­wer­ten: „Da hät­te ich auch nicht Rot ge­zeigt. Bei­de rem­peln, dann steht man auf und gibt sich die Hand.“Sah auch Vi­deo-Schi­ri Ma­nu­el de Sou­sa so. Der un­ter­stütz­te den Un­par­tei­ischen Ar­tur So­a­res Di­as aus ei­nem Raum im Sta­di­on, in dem er Zu­griff auf sämt­li­che TV-Ka­nä­le hat­te. Bei er­kenn­ba­ren, gro­ben Fehl­ent­schei­dun­gen hät­te er sei­nen Kol­le­gen auf dem Ra­sen per Funk in­for­mie­ren und kor­ri­gie­ren kön­nen – war ges­tern aber nicht nö­tig.

Auch nicht, als der Ball end­lich im Netz zap­pel­te, es aber wei­ter beim 0:0 blieb. Denn der ge­ra­de ein­ge­wech­sel­te Ke­vin Vol­land stand bei sei­nem Tref­fer ganz knapp im Ab­seits, als er ei­ne Kim­mich-Her­ein­ga­be über die Li­nie drück­te (62.). Für die Haus­her­ren schein­bar der Weck­ruf, denn plötz­lich rück­te Le­no in den Blick­punkt. Erst ent­schärf­te er nach ei­nem Frei­stoß den Kopf­ball von Im­mo­bi­le (69.), zwei Mi­nu­ten spä­ter hielt er den Schuss des völ­lig frei­en Fe­de­ri­co Ber­na­de­schi aus kur­zer Dis­tanz (71.). Kur­ze Zeit spä­ter setz­te Im­mo­bi­le das Le­der am Tor vor­bei (74.). Die größ­te Chan­ce hat­te dann aber sein lan­ge un­auf­fäl­li­ger Sturm­part­ner Andrea Be­lot­ti, der den Ball acht Mi­nu­ten vor dem En­de an den Pfos­ten na­gel­te (82.).

Un­term Strich ist es für den trotz­dem Welt­meis­ter ein ge­lun­ge­ner Jah­res­ab­schluss. Nach dem 8:0-Sieg in San Ma­ri­no blie­ben Jo­gis Jungs auch im vier­ten Spiel in Fol­ge ge­gen den eins­ti­gen Angst­geg­ner oh­ne Nie­der­la­ge. Wei­ter geht’s jetzt erst wie­der am 22. März – in Dort­mund trifft die DFB-Elf auf En­g­land.

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