Die Ei­gen­to­re des Si­gno­re Gas­pe­ro­ni

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Sei­te 29 Der Nach­teil an Sprach­bar­rie­ren ist, dass sie in den meis­ten Fäl­len nicht über­wun­den wer­den. Ein Bei­spiel: Tritt ein Fuß­bal­ler vor die Jour­na­lis­ten und lässt sich mi­nu­ten­lang über ein Fuß­ball­spiel aus, fin­den sich meis­tens nur die es­sen­zi­ells­ten Zi­ta­te in der lo­ka­len Pres­se wie­der. Die­se wer­den dar­auf­hin – je nach In­ter­es­sens­la­ge – in ei­ne Hand­voll Spra­chen über­setzt und auch dem aus­län­di­schen Le­ser in ab­ge­speck­ter, zu­meist nicht den ge­sam­ten In­halt wie­der­ge­ben­der Form prä­sen­tier t. Ähn­li­ches dürf­te Alan Gas­pe­ro­ni pas­sier t sein, als er ver­gan­ge­nen Sams­tag am Früh­stücks­tisch saß und sich an sei­ner Mor­ta­del­laPia­di­na ver­schluck­te, weil er fol­gen­des Zi­tat von Tho­mas Mül­ler zum 8:0 der deut­schen Na­tio­nal­elf ge­gen San Ma­ri­no las: „Mit pro­fes­sio­nel­lem Fuß­ball hat­te das nichts zu tun.“Gas­pe­ro­ni, ehe­ma­li­ger Spre­cher von San Ma­ri­nos Olym­pi­schem Ko­mi­tee, fühl­te sich of­fen­sicht­lich in sei­ner Eh­re ver­letzt, was ihm zum Ver­fas­sen ei­nes so­wohl frag­wür­di­gen als auch trau­ri­gen Face­book-Briefs an Mül­ler ver­an­lass­te. Feh­ler Num­mer eins: Das Wis­sen. Wä­re Gas­pe­ro­ni näm­lich in der Mi­xed Zo­ne ge­stan­den, wüss­te er, dass Mül­ler nicht San Ma­ri­no an­ge­grif­fen hat­te. Im Ge­gen­teil so­gar. „Ich ver­ste­he die San-Ma­ri­ne­sen“, mein­te er. „Sie ha­ben al­les ge­tan, was in ih­ren Mit­teln stand.“Sein Stand­punkt: Platz­ver­hält­nis­se und des Geg­ners Spiel­wei­se hät­ten ein un­nö­ti­ges Ver­let­zungs­ri­si­ko mit sich ge­bracht, das es in die­sem Fall ab­zu­wä­gen gel­te. Punkt. Ei­ne Mei­nung. Man kann sie ak­zep­tie­ren oder kri­ti­sie­ren – so­fern das auch mit dem nö­ti­gen Re­spekt ge­schieht (Feh­ler Num­mer zwei), ei­ne Ei­gen­schaft, die Gas­pe­ro­ni in die­sem Au­gen­blick wohl mit der Mor­ta­del­la her­un­ter­ge­schluckt hat­te. Ro­man­ti­sche, fi­nan­zi­el­le, kul­tu­rel­le Ar­gu­men­te ge­gen Mül­lers An­sich­ten auf­zu­füh­ren – okay. Ge­gen Mül­ler zu sti­cheln, dass er auch ge­gen San Ma­ri­no kei­ne Bu­de er­zielt hat – las­sen wir durch­ge­hen. Aber „euch Deut­sche“an die „Ge­schich­te“zu er­in­nern und dar­an, dass „Über­heb­lich­keit nicht im­mer die Ga­ran­tie für den Er­folg ist“, ist dann vi­el­leicht doch eher als schrift­li­ches Ei­gen­tor zu wer­ten. Wo­mit wir bei Feh­ler Num­mer drei wä­ren: Gas­pe­ro­nis Mo­de­be­wusst­sein. Bir­ken­stock trägt man hier­zu­lan­de neu­er­dings oh­ne wei­ße So­cken. Ist voll in!

Von Jo­sé Car­los Men­zel Lopez

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