Ein Mä­del für al­le Fäl­le

Schau­spie­ler Bjar­ne Mä­del über sei­ne Wand­lungs­fä­hig­keit und den neu­en Film

tz - - KULTUR + TV - AS­TRID KIST­NER

Ver­rückt, was der Mann mit sei­nen Haa­ren al­les machen kann! Ak­ku­rat ge­schnit­te­ner Voll­po­ny und Fus­sel­bart – fer­tig ist der Bü­ro­trot­tel Er­nie aus der Kult­se­rie Strom­berg. Mit Gel­fri­sur, Ko­te­let­ten und sorg­fäl­tig ge­trimm­tem Schnau­zer er­kennt man Bjar­ne Mä­del da­ge­gen so­fort als Tat­or­t­rei­ni­ger. Und in der ARD-Se­rie Mord mit Aus­sicht (mit Ca­ro­li­ne Pe­ters) sah er wie­der an­ders aus. Für sei­ne ak­tu­el­le Rol­le muss­te der Ham­bur­ger nicht ex­tra zum Fri­seur. In der Tra­gi­ko­mö­die Wer auf­gibt ist tot spielt Mä­del den Au­ßen­dienst­mit­ar­bei­ter Paul Loh­mann, der nach ei­nem schwe­ren Ver­kehrs­un­fall aus der Zwi­schen­welt zu­rück­kehrt, um sein Le­ben wie­der ge­ra­de­zu­bie­gen.

Er ist spät dran. Der nächs­te Ge­schäfts­ter­min – da ist sich Paul Loh­mann si­cher – ent­schei­det dar­über, ob er wie­der dick ins Ge­schäft kommt. Al­so drückt er or­dent­lich aufs Gas. Ein Tun­nel, ein Knall, dann der Ret­tungs­wa­gen. Das kann’s doch nicht ge­we­sen sein, denkt Paul, der von sei­nem En­gel (herr­lich: Frie­de­ri­ke Kemp­ter) von der Un­fall­stel­le ins Jen­seits es­kor­tiert wer­den soll. Loh­mann will nicht ster­ben. Nicht jetzt, wo sei­ne Ehe auf der Kip­pe steht und die ei­ge­ne Te­enager­toch­ter ihn hasst. Al­so be­ginnt er zu han­deln, zu kämp­fen und zu feil­schen, um dem Tod ein Schnipp­chen zu schla­gen. Er will zu­rück und al­les bes­ser machen …

Au­tor Chris­ti­an Jeltsch hat das Dreh­buch zu die­ser Tra­gi­ko­mö­die ge­schrie­ben, die in ih­ren bes­ten Sze­nen zu Trä­nen rührt. Im­mer wie­der schum­melt sich Loh­mann zu­rück ins Le­ben und ver­sucht ver­zwei­felt, die Wei­chen neu zu stel­len. „Die­se klei­nen Ve­rän­de­run­gen in sei­nem Cha­rak­ter, die­ses stück­chen­wei­se Da­zu­ler­nen – das hat mich auf An­hieb fas­zi­niert“, sagt Bjar­ne Mä­del im tz- Ge­spräch. Im Ge­gen­satz zu Loh­mann hat der 48-Jäh­ri­ge kei­ne Rech­nun­gen of­fen. „Mein Le­ben ist ganz schön, so wie es ge­ra­de ist. Ich bin mit nie­man­dem zer­strit­ten und ei­gent­lich mit mir im Rei­nen, was nicht heißt, dass ich mor­gen ger­ne ab­tre­ten wür­de.“

Da­für hat Bjar­ne Mä­del, der ge­ra­de erst mit dem Kino­dra­ma 24 Wo­chen auf USA-Tour war, noch zu viel vor. Der Mann, der die Ko­mik aus je­dem Knopf­loch at­met, brennt auf neue, span­nen­de und auch erns­te Rol­len. „Wo­bei ich ei­gent­lich gar nicht in den Ka­te­go­ri­en ernst oder lus­tig den­ke. Bei mir geht es um die Qua­li­tät der Stof­fe.

Und die muss gut sein. Denn Mä­del ist Pe­dant – zu­min­dest bei der Ar­beit. Das mag für Kol­le­gen bis­wei­len ei­ne Qu­al sein. „Mir gibt die gu­te Vor­be­rei­tung ei­ner Sze­ne die Frei­heit, mit dem Kopf ganz bei der Sa­che zu sein“, sagt der Schau­spie­ler. Ein Blick, ei­ne Ges­te, ge­ra­de in ko­mi­schen Sze­nen muss das Ti­ming stim­men – „sonst ist es ein­fach nicht lus­tig“.

Mit gro­ßer Ernst­haf­tig­keit spricht Bjar­ne Mä­del über sei­nen Be­ruf, das „Pri­vi­leg, Schau­spie­ler zu sein“. Er wirkt nicht wie der läs­si­ge Le­bens­künst­ler, den man hin­ter sei­ner be­weg­ten Bio­gra­fie ver­mu­ten wür­de. In Ham­burg ge­bo­ren, ging er als Te­enager mit dem Va­ter ein Jahr nach Afri­ka. Sein Abitur mach­te er in Hes­sen, be­vor er in Ka­li­for­ni­en Welt­li­te­ra­tur und krea­ti­ves Schrei­ben stu­dier­te. Be­vor’s mit der Schau­spie­le­rei los­ging, ver­dien­te er sein Geld beim Bau und im Ham­bur­ger Ha­fen. „Das liest sich recht ro­man­tisch“, sagt Mä­del, „in Wirk­lich­keit hat­te ich aber doch ein recht bür­ger­li­ches El­tern­haus, bei dem ich im­mer wuss­te, dass es mich auf­fängt, wenn es nö­tig ist.“

Das Si­cher­heits­netz hat er bis­her nicht ge­braucht. Es läuft gut. Am kom­men­den Mitt­woch ist er in der viel­ver­spre­chen­den Im­pro­vi­sa­ti­ons­ko­mö­die Well­ness für Paa­re (ARD, 20.15 Uhr) zu se­hen. Und auch mit dem Tat­or­t­rei­ni­ger geht es wei­ter. „Wie ge­sagt“, wie­der­holt Bjar­ne Mä­del. „Mein Le­ben ist schön, so wie es ge­ra­de ist.“

F.: ARD

Bjar­ne Mä­del mit Frie­de­ri­ke Kemp­ter in „Wer auf­gibt ist tot“. Links: Mä­del in „Mord mit Aus­sicht“(oben) und als „Tat­or­t­rei­ni­ger“(un­ten)

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