Ewan McG­re­gors Re­gie­de­büt: „Ame­ri­ka­ni­sches Idyll“

tz - - TZ PLUS - UL­RI­KE FRICK

Vor der Ka­me­ra zählt er längst zu den ver­läss­li­chen Grö­ßen der Bran­che. Jetzt hat sich der schot­ti­sche Schau­spie­ler Ewan McG­re­gor erst­mals hin­ter die Ka­me­ra ge­wagt: mit Ame­ri­ka­ni­sches Idyll, ei­ner Ad­ap­ti­on des gleich­na­mi­gen Ro­mans von Phi­lip Roth. Das ist zwar so­li­de und be­sticht durch die ex­zel­len­te Schau­spie­ler­leis­tun­gen, kommt aber doch über­ra­schend bie­der da­her. Fast scheint es, als ob sich McG­re­gor zu lan­ge ins ti­tel­ge­ben­de Idyll ver­guckt hat, das bei Roth aber nur ein brü­chi­ges sein kann.

Da­bei be­ginnt al­les so wun­der­schön wie im Mär­chen: Sey­mour Le­vov (McG­re­gor), von al­len sei­nes gu­ten Aus­se­hens und der blon­den Haa­re we­gen nur „der Schwe­de“ge­nannt, ist der Star sei­ner High­school. Der Schöns­te, der Sport­lichs­te, und da­zu nicht ein­mal schlecht in der Schu­le. Da er­scheint es nur lo­gisch, dass so ei­ner auch das tolls­te Mäd­chen ab­kriegt. Er hei­ra­tet die um­schwärm­te Ab­schluss­ball­kö­ni­gin Dawn, und auch die bald ge­bo­re­ne Toch­ter Mer­ry scheint ein ganz rei­zen­des We­sen zu sein. Doch als Klein­kind bringt sie schon die ers­ten Dis­so­nan­zen in das bis da­hin so stim­mi­ge Bild vom ame­ri­ka­ni­schen Traum. Das Mäd­chen stot­tert und ent­wi­ckelt sich zu ei­nem eher miss­mu­ti­gen Te­enager. Als sich die vom Schick­sal ver­wöhn­ten El­tern all­mäh­lich dar­an ge­wöhnt ha­ben, hält Mer­ry neue und tat­säch­lich schwer­wie­gen­de Pro­ble­me für sie be­reit.

Roth hat ein Buch über die Ge­ne­ra­ti­on der Träu­mer ge­schrie­ben, der stets vom Glück Be­schie­ne­nen, de­ren Idea­le und Hoff­nun­gen ir­gend­wo auf den Schlacht­fel­dern in Viet- nam schließ­lich zer­brö­seln. McG­re­gors Um­set­zung ist an­ge­mes­sen sen­si­bel und spür­bar be­müht dar­um, hin­ter die hüb­sche Ober­flä­che zu se­hen, am Lack zu krat- zen. Doch et­was mehr Mut, in­halt­lich wie auch in der Ka­me­ra­ar­beit, könn­te im nächs­ten Film nicht scha­den ...

Be­wer­tung:

Fo­tos: Sple­ndid

Al­les scheint in Ord­nung zu sein: Sey­mour (Ewan McG­re­gor) und sei­ne Frau Dawn (Jen­ni­fer Con­nel­ly)

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