Good­bye, mein Freund

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Es ist das al­ler­letz­te Good­bye Ba­rack Oba­mas als US-Prä­si­dent von Kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel (CDU). Heu­te Nach­mit­tag fliegt der 55-Jäh­ri­ge ab – der nächs­te Staats­chef in der Air Force One wird Oba­mas Nach­fol­ger Do­nald Trump sein. Des­sen Aus­sa­gen im Wahl­kampf ha­ben auch Deut­sche und Eu­ro­pä­er ver­stört – qua­si als Schreck­ge­spenst war er in den Ber­li­ner Be­geg­nun­gen prä­sent. Oba­ma und Mer­kel, die erst nach ei­ner wech­sel­haf­ten Be­zie­hungs­ge­schich­te (s. un­ten) zu­ein­an­der ge­fun­den ha­ben, führ­ten meh­re­re aus­führ­li­che Ge­sprä­che. Die Zeit drängt. Es blei­ben nur we­ni­ge Wo­chen bis zum En­de von Oba­mas Amts­zeit, und da sol­len so vie­le Wei­chen wie mög­lich ge­stellt wer­den. Dem Ame­ri­ka­ner geht es um sein Ver­mächt­nis, bei­den liegt die Zu­kunft ih­rer Län­der, de­ren Be­zie­hung zu­ein­an­der und der Schutz der frei­heit­li­chen Le­bens­art welt­weit am Her­zen. In ei­nem Bei­trag für die skiz­zie­ren sie die Zu­kunft der deutsch-ame­ri­ka­ni­schen Freund­schaft, die sie sich wün­schen.

Es ist ein schwie­ri­ger Be­such - für Gast und Gast­ge­be­rin. Ihr Ge­spräch wird zu ei­ner Mi­schung aus Ab­schieds­schmerz und har­ter Ar­beit. Mer­kel sagt nach acht Jah­ren ei­nes vom De­mo­kra­ten Oba­ma ge­präg­ten deutsch-ame­ri­ka­ni­schen Ver­hält­nis­ses: „Na­tür­lich, jetzt fällt mir der Ab­schied schwer.“Aber in den USA sei die zeit­li­che Be­gren­zung des Prä­si­den­ten­am­tes eben hart vor­ge­ge­ben. Ih­re Auf­ga­be sei es jetzt, nach vorn zu bli­cken. Sie wer­de al­les dar­an set­zen, auch mit dem neu­en Prä­si­den­ten gut zu­sam­men­zu­ar­bei­ten. Das klingt nach er­neu­ter Kan­di­da­tur, sa­gen tut sie es frei­lich nicht. Da ist Mer­kel ganz Pro­fi, ver­säumt aber nicht zu be­to­nen, dass die „ge­mein­sa­me Platt­form ei­ne of­fe­ne und li­be­ra­le Wel­t­ord­nung“sei.

Mer­kel be­tont, wie wich­tig grund­sätz­lich auch die Zu­sam­men­ar­beit der Nach­rich­ten­diens­te Deutsch­lands und der USA sei. Deutsch­land sei

zwar seit der Wie­der­ver­ei­ni­gung sehr viel stär­ker ge­wor­den, aber eben nur ein Volk von 80 Mil­lio­nen Men­schen und in­so­fern „schick­sals­ge­bun­den an Bünd­nis­se“, um die „Ord­nung, die wir lie­ben, welt­weit auf­recht zu hal­ten“.

Oba­ma zeigt sich bei al­ler Sor­ge de­mons­tra­tiv vor­sich­tig op­ti­mis­tisch, dass sein de­si­gnier­ter Nach­fol­ger Trump ver­ste­hen wer­de, dass er sich als Prä­si­dent an­ders ver­hal­ten müs­se als im Wahl­kampf. „Wer in die­sem Amt nicht se­ri­ös ist, der hat es ver­mut­lich nicht lan­ge“, sagt er. Der Wahl­kampf ha­be zum „größ­ten po­li­ti­schen Um­bruch“ge­führt. Der USPrä­si­dent brau­che jetzt vie­le Hel­fer. Die gan­ze Welt ha­be Er­war­tun­gen an die USA.

Das Ver­hält­nis zu Deutsch­land war in den ver­gan­ge­nen acht Jah­ren nicht kon­flikt­frei. Aber ver­trau­ens­voll. Oba­ma ha­ben die Deut­schen wahr­schein­lich so ge­fei­ert, wie kei­nen an­de­ren. Es darf be­zwei­felt wer­den, dass die Kanz­le­rin zu Trump ei­ne ähn­li­che Nä­he auf­bau­en wird. Doch auch für Oba­ma ist Deutsch­land ein Sehn­suchts­land. Er woll­te un­be­dingt noch ein­mal hier­her, die Stär­ke der Beziehungen de­mons­trie­ren. Vie­le frag­ten sich: Was soll das? Da galt noch Hil­la­ry Cl­in­ton als Fa­vo­ri­tin auf sei­ne Nach­fol­ge.

Nun, vor völ­lig neu­em und un­er­war­te­tem Hin­ter­grund, kommt Oba­ma als Mah­ner und Er­klä­rer. Und als ei­ner, der sein Er­be – so ge­mischt es aus­fal­len mag – vor dem Zu­griff un­be­re­chen­ba­rer Po­lit­no­vi­zen ret­ten will. Er, der ver­gan­ge­ne Wo­che ein­ein­halb St­un­den mit Trump un­ter vier Au­gen zu­sam­men­saß, ist plötz­lich zum Mit­tels­mann ge­wor­den - ein har­ter Job.

Wie gut es Oba­ma auch ge­lin­gen mag, in Sa­chen Trump zu be­sänf­ti­gen: Die Be­ra­ter von Mer­kel und Au­ßen­mi­nis­ter Frank-Wal­ter St­ein­mei­er stel­len sich dar­auf ein, dass sie nicht so schnell ei­nen Kon­takt zur Trum­pT­rup­pe fin­den wer­den – auch weil es bis­her so gut wie kei­ne Dräh­te gibt. Es dürf­te lan­ge dau­ern, bis die Scher­ben, die Trumps Wahl­kampf hin­ter­las­sen hat, über­haupt erst ein­mal zu­sam­men­ge­fegt sind.

Oba­ma sag­te zum Schluss: Als er 2008 ins Amt ge­kom­men sei, ha­be er noch kei­ne grau­en Haa­re ge­habt. Und Mer­kel sei als Re­gie­rungs­che­fin schon da­ge­we­sen. In­so­fern sei­en sie „Ve­te­ra­nen“. Wenn Mer­kel be­reit zu ei­ner er­neu­ten Kan­di­da­tur sei, wer­de sie ei­ne gro­ße Ver­ant­wor­tung für die Welt ha­ben. „Sie ist ei­ne har­te Frau und sehr zäh.“

Erst Küss­chen, dann ge­mein­sa­mes Abend­es­sen: Oba­ma und Mer­kel ges­tern in Ber­lin

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