Das Mär­chen vom Öko-SUV

tz - - POLITIK -

Die Au­tos wer­den im­mer schnel­ler, im­mer bul­li­ger – und ver­brau­chen im­mer we­ni­ger Sprit: Nur all­zu­gern ha­ben wir uns mit die­sem Mär­chen des tech­ni­schen Fort­schritts von der Au­to­in­dus­trie ein­lul­len las­sen. Seit der VW-Af­fä­re ahn­ten wir, seit heu­te wis­sen wir: Die Au­to­bau­er ha­ben min­des­tens so viel Krea­ti­vi­tät auf das Trick­sen bei den CO2-Wer­ten und beim Sprit­ver­brauch ver­wen­det wie auf wirk­lich spar­sa­me­re Mo­to­ren. Je stren­ger die Vor­ga­ben der Po­li­tik in Sa­chen Ab­gas­wer­ten wur­den, des­to mehr klaff­ten be­haup­te­te und rea­le Ab­gas-Em­mis­sio­nen aus­ein­an­der. Nun ist es ja nicht so, dass es nicht tat­säch­lich er­staun­li­che tech­ni­sche Fort­schrit­te zur Ver­rin­ge­rung von Ver­brauchs­wer­ten ge­ge­ben hat. Doch an­ge­sichts des Kli­ma­wan­dels wa­ren Po­li­ti­ker und Au­to­kon­zer­ne Hand in Hand be­müht, so zu tun, als las­se sich die Er­der­wär­mung da­durch stop­pen, dass man mit 200 Sa­chen im SUV über die Au­to­bahn bret­tert. „Gre­en­wa­shing“, al­so das öko­lo­gi­sche Män­tel­chen für das of­fen­sicht­lich Unöko­lo­gi­sche, ist ei­ne der wich­tigs­ten Spar­ten der Wer­be­bran­che ge­wor­den. Die Po­li­tik, ins­be­son­de­re un­se­re Bun­des­re­gie­rung, hat als ech­te Kon­troll­in­stanz ver­sagt: We­gen der Be­deu­tung der Au­to­in­dus­trie für Ar­beits­plät­ze und Steu­ern ha­ben die Kon­zer­ne all­zu viel Nar­ren­frei­heit. Um­so wich­ti­ger, dass un­ab­hän­gi­ge Wis­sen­schaft­ler wie das ICCT-Team bei die­sem in­dus­trie­po­li­ti­schen Ge­mau­schel stö­ren. Nur wenn das Mär­chen vom Öko-SUV als Lü­ge ent­larvt wird, ent­steht der nö­ti­ge Druck, um BMW, Daim­ler und Co. zur Ehr­lich­keit zu zwin­gen. Klaus Rim­pel

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