Wirk­lich

tz - - MÜNCHEN+REGION - ANDRE­AS BEEZ

Wie es um die ei­ge­ne Fi­gur be­stellt ist, weiß man selbst am bes­ten, da­zu ge­nügt ein Blick in den Spie­gel. Man kann die Ein­schät­zung auch Schwarz auf Weiß ha­ben – in­dem man den so­ge­nann­ten Bo­dy-Mass-In­dex er­mit­telt ( Kör­per­ge­wicht ge­teilt durch Kör­per­grö­ße in Me­tern zum Qua­drat; al­so z.B. bei 70 kg und 170 cm Kör­per­grö­ße: 70kg/1,72m = 24,2 kg/m2). Der BMI gibt Auf­schluss dar­über, ob man Über­ge­wicht hat und wie es zu be­wer­ten ist. Ide­al ist ein BMI zwi­schen 22,5 und 25 kg/m2. Ab ei­nem Wert von 25 spricht man von Über­ge­wicht, ab 30 von Adi­po­si­tas.

Aber wie er­mitt­le ich die täg­li­che Ka­lo­ri­en­men­ge, die mich von ei­nem zu ho­hen BMI run­ter­bringt? Das lässt sich mit ei­ner ein­fa­chen Volks-For­mel grob be­rech­nen, die Pro­fes­sor Dr. Hel­mut Gohl­ke von der Deut­schen Herz­stif­tung wie folgt er­läu­tert ■ ls Ba­sis dient das Nor­mal­ge­wicht. Die For­mel da­für lau­tet: Kör­per­grö­ße in Zen­ti­me­tern mi­nus 100. Ein Bei­spiel: Das Nor­mal­ge­wicht bei 1,80 Me­ter be­trägt 80 Ki­lo.

Den täg­li­chen Ka­lo­ri- en­be­darf be­rech­net man mit die­ser For­mel: Nor­mal­ge­wicht in Ki­lo­gramm mal 30 Ki­lo­ka­lo­ri­en (Kcal). Dem­nach braucht man bei 80 Ki­lo Kör­per- ge­wicht et­wa 2400 Ki­lo­ka­lo­ri­en am Tag. Die Faust­re­gel gilt für ei­ne „mitt­le­re kör­per­li­che Ak­ti­vi­tät“– al­so bei­spiels­wei­se für Men­schen mit ei­nem Bü­ro­job, die z. B. auch täg­lich et­was Spa­zie­ren oder Fahr­rad­fah­ren ge­hen. ■ „Um maß­voll ab­zu­neh­men, emp­fiehlt die Adi­po­si­tas-Ge­sell­schaft ein täg­li­ches Ener­gie­de­fi­zit von 500 Ka­lo­ri­en“, weiß Prof. Gohl­ke. „Das be­deu­tet bei ei­nem Kör­per­ge­wicht von 80 Ki­lo, dass man et­wa 1900 Ki­lo­ka­lo­ri­en zu sich neh­men soll. Da­mit kann man be­reits ei­nen Ge­wichts­ver­lust von 1,5 Ki­lo im Mo­nat er­rei­chen.“Macht 4,5 Ki­lo im Vier­tel­jahr.

Ein schnel­le­res Schrump­fen der Fett­de­pots im Kör­per ist ein ehr­gei­zi­ges Ziel – im­mer­hin ste­cken in je­dem Ki­lo Fett­ge­we­be et­wa 9000 Ka­lo­ri­en, „wo­bei im Fett­ge­we­be auch im­mer et­was Was­ser da­bei ist“, so Prof. Gohl­ke. Bei ei­nem Ka­lo­ri­en­de­fi­zit von 7000 Kcal

Al­le zwei Jah­re lässt sich Wolf­gang Raith gründ­lich durch­che­cken, ge­ra­de hat er in den Kli­ni­ken Dr. Mül­ler wie­der die wich­tigs­ten Vor­sor­ge­un­ter­su­chun­gen hin­ter sich ge­bracht. Und mit dem Er­geb­nis kann der 70-jäh­ri­ge Münch­ner zu­frie­den sein: „Die Ärz­te ha­ben nichts Be­denk­li­ches ge­fun­den“, er­zählt er der tz. Da­mit das auch so bleibt, konn­ten sie ihm ei­nen Rat­schlag nicht er­spa­ren: „Ich soll ein bis­serl ab­neh­men, um bei­spiels­wei­se Blut­hoch­druck, er­höh­te Blut­zu­cker- und Blut­fett­wer­te zu ver­mei­den.“

Die­se stil­len Kil­ler ge­hö­ren zu den größ­ten Ri­si­ko­fak­to­ren für schwe­re Ge­fäß­er­kran­kun­gen. In Deutsch­land er­lei­den je­des Jahr 600 000 Men­schen ei­nen Herz­in­farkt oder Schlag­an­fall.

Raith kennt die­se Ge­fah­ren – er nimmt sie nicht auf die leich­te Schul­ter. Denn wenn es sei­ne La­bor­wer­te zu­las­sen, möch­te er wei­ter­hin oh­ne Dau­er­me­di­ka­men­te wie Blut­druck­sen­ker oder Sta­ti­ne aus­kom­men. Des­halb will er künf­tig stär­ker auf sein Ge­wicht ach­ten. Der pen­sio­nier­te Wirt­schafts­in­ge­nieur ist 1,72 Me­ter groß, wiegt 80 Ki­lo. Dar­aus er­rech­net sich ein Bo­dyMass-In­dex von 27, der als leich­tes Über­ge­wicht ein­ge­stuft wird. Für Raith Ansporn ge­nug: „Zehn Ki­lo hät­te ich ger­ne los, kann man so mit ei­ner Ge­wichts­re­duk­ti­on von ei­nem Kg rech­nen, der Bauch­um­fang nimmt dann et­wa um 1 cm ab.

Der Bauch­um­fang soll­te 88 Zen­ti­me­ter bei Frau­en und 102 Zen­ti­me­ter bei Män­nern nicht über­schrei­ten – ge­mes­sen et­wa in Bauch­na­bel­hö­he. Jen­seits die­ser Gren­zen steigt das Ri­si­ko er­heb­lich, an Dia­be­tes zu er­kran­ken oder ei­nen Herz­in­farkt zu er­lei­den – so­gar wenn der BMI im Nor­mal­be­reich liegt. Denn das Bauch­fett ist be­son­ders pro­ble­ma­tisch. „Es bil­det be­stimm­te Bo­ten­stof­fe und Hor­mo­ne, die Ent­zün­dungs­pro­zes­se in den Blut­ge­fä­ßen be­feu­ern und da­mit Ar­te­rio­skle­ro­se aus­lö­sen bzw. ver­stär­ken kön­nen“, er­klärt Prof. Gohl­ke. Ar­te­rio­skle­ro­se, um­gangs­sprach­lich Ar­te­ri­en­ver­kal­kung ge­nannt, kann zum Herz­in­farkt und zum Schlag­an­fall füh­ren.

Um­ge­kehrt las­sen sich sol­che Ge­fah­ren durch ei­ne ge­sun­de Ge­wichts­abn­nah­me ver­rin­gern – und da­zu emp­fiehlt die Deut­sche Herz­stif­tung die so­ge­nann­te Mit­tel­meer­kü­che. „Da­mit sind nicht Piz­za, Pas­ta oder das ge­grill­te Steak mit drei grü­nen Boh­nen ge­meint, das heu­te gern un­ter ita­lie­ni­schem Es­sen ver­stan­den wird, son­dern die tra­di­tio­nel­le Mit­tel­meer­kü­che mit ih­rem ho­hen An­teil an Ge­mü­se, Sa­lat, Hül- aber ganz lang­sam, über ei­nen Zei­t­raum von drei Jah­ren.“

Klingt mach­bar. Sei­ne Ärz­tin Dr. Tan­ja Jun­ge gab ihm ei­nen Er­näh­rungs­plan mit nach Hau­se – ba­sie­rend auf der Mit­tel­meer­kü­che (s. Text oben) und auf der Ent­schär­fung von Ka­lo­ri­en­bom­ben.

„Der Plan sieht vor, dass ich künf­tig mein heiß­ge­lieb­tes But­ter­crois­sant zum Früh­stück weg­las­se und den fet­ten fran­zö­si­schen Weich­kä­se re­du­zie­re“, be­rich­tet Raith schmun­zelnd. Statt­des­sen soll öf­ter mal ein Frisch­kä­se oder ein Fo­rel­len­fi­let auf die Sem­mel kom­men – und die soll eben­so wie das Brot nicht mehr aus Weiß­mehl be­ste­hen, son­dern aus Voll­korn. „Crois­sants ha­ben über­durch­schnitt­lich viel Fett“, er­läu­tert Dr. Jun­ge. „Und Voll­korn­pro­duk­te sind ein­fach nach­hal­ti­ger, weil sie vie­le Bal­last­stof­fe ent­hal­ten, so län­ger sät­ti­gen und den Blut­zu­cker­spie­gel sta­bil hal­ten.“

Nach­mit­tags wird’s bei den Raiths künf­tig öf­ter mal Tro­cken­früch­te oder ein Schäl­chen Nüs­se statt mäch­ti­ge Tor­te zum Kaf­fee ge­ben, und mit­tags sol­len asia­ti­sche Re­zep­te Ein­zug in ih­re Münch­ner Woh­nung hal­ten. „Fleisch schmeckt auch mal als sen­früch­ten, Obst und Voll­korn­pro­duk­ten“, be­tont Prof. Gohl­ke. „Ein wei­te­rer wich­ti­ger Punkt ist, dass statt But­ter, Sah­ne oder an­de­ren tie­ri­schen Fet­ten be­vor­zugt Oli­venoder Raps­öl ver­wen­det wird. Fleisch steht eher sel­te­ner auf dem Spei­se­plan, da­für häu­fi­ger Fisch. Auch Milch­pro­duk­te, et­wa Kä­se, in Ma­ßen ge­hö­ren zur Mit­tel­meer­kü­che, eben­so Nüs­se. Salz zum Wür­zen wird spar­sam ver­wen­det, denn den Ge­schmack lie­fern vor al­lem Ge­wür­ze und Kräu­ter.“

Die me­di­ter­ra­ne Kost sei auch ge­sün­der als an­de­re fett­re­du­zier­te Er­näh­rungs­mo­del­le, er­läu­tert der Ex­per­te der Deut­schen Herz­stif­tung. Dies ha­be sich auch bei ei­ner gro­ßen spa­ni­schen Stu­die her­aus­kris­tal­liert. Dem­nach hat­ten die Teil­neh­mer mit me­di­ter­ra­ner Kost – er­gänzt durch Oli­ven­öl ex­tra vir­gen oder Nüs­sen – ein um 30 Pro­zent ge­rin­ge­res Ri­si­ko für schwe­re Herz­kreis­lauf­er­kran­kun­gen.

Ver­stär­ken kann man die po­si­ti­ven Ef­fek­te ei­ner ver­än­der­ten Er­näh­rung durch re­gel­mä­ßi­ge Be­we­gung. „Es reicht schon, wenn man täg­lich ei­nen län­ge­ren Spa­zier­gang macht – am bes­ten in flot­tem Tem­po“, sagt Prof. Gohl­ke. „Laut ei­ner chi­ne­si­schen Stu­die ver­län­gern be­reits 15 Mi­nu­ten Be­we­gung pro Tag das Le­ben um drei Jah­re.“ Bei­la­ge in ei­ner Ge­mü­se­pfan­ne“, weiß Dr. Jun­ge. Über­haupt muss es nicht im­mer Fleisch sein. „Fisch ist ei­ne le­cke­re und sehr ge­sun­de Al­ter­na­ti­ve. Ins­be­son­de­re fett­rei­che Fi­sche wie Ma­kre­le, Lachs, Thun­fisch und He­ring ent­hal­ten be­son­ders wert­vol­le un­ge­sät­tig­te Fett­säu­ren, die Ome­ga-3-Fett­säu­ren. Da­her soll­ten die­se Fisch­sor­ten oft auf dem Spei­se­plan ste­hen.“

In St­ein ge­mei­ßelt sei­en sol­che All­tags­re­geln frei­lich nicht, be­tont Dr. Jun­ge. „Es macht über­haupt kei­nen Sinn, sich im­mer al­les zu ver­bie­ten, was ei­nem schmeckt. Statt­des­sen kommt’s ein­fach auf die Viel­falt bei der Er­näh­rung an – und das vor al­lem lang­fris­tig.“

Fo­to: M. Götz­fried

Vor­sor­ge: Dr. Tan­ja Jun­ge un­ter­sucht Wolf­gang Raith

Herz­stif­tungs-Ex­per­te Pro­fes­sor Dr. Hel­mut Gohl­ke

Es muss nicht im­mer Fleisch sein: Nu­deln im Wok mit Pak-ChoiGe­mü­se

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.