Main­stream? Küm­mert ihn nicht!

Der Voice of Ger­ma­ny-Star gas­tiert trotz Krank­heit im Am­pe­re

tz - - KULTUR + TV - JÖRG HEIN­RICH

Wer beim Kon­zert von Andre­as Küm­mert im Am­pe­re die Au­gen schließt und ein­fach nur zu­hört – der fragt sich: War­um ist der Kerl nicht längst welt­be­rühmt? Vol­ler Kraft, vol­ler Schmerz, von flüs­ter­lei­se bis zum Ur­schrei: Der 30-Jäh­ri­ge trägt ei­ne Stra­di­va­ri in sei­ner Keh­le spa­zie­ren. Wenn sich je­mals ein Sän­ger den Ti­tel The Voice of Ger­ma­ny ver­dient hat, dann die­ser Un­ter­fran­ke, der sich so kon­se­quent ge­gen das Be­rühmt­wer­den wehrt.

Der Eu­ro­vi­si­ons-Flücht­ling trägt jetzt Glat­ze zum Zau­sel­bart und sieht aus wie ei­ne Mi­schung aus Mönch und ZZ Top. Auch das wie­der ein Si­gnal: Der Main­stream kann mich gern ha­ben, ich will nicht gut aus­se­hen, ich will gut sin­gen. Das wä­re ge­ra­de fast wie­der schief­ge­gan­gen: Sein Arzt dia­gnos­ti­zier­te ei­ne „Stimm­lip­pen­ent­zün­dung“, riet zum Tour-Ab­bruch. Doch Andre­as Küm­mert kämpft, will nicht er­neu­te Schlag­zei­len we­gen ab­ge­sag­ter Kon­zer­te ris­kie­ren, und ent­schul­digt sich bei den Zu­hö­rern: „Kann sein, dass nicht je­der Ton sitzt.“

Aber ge­nau­so gut könn­te sich Lio­nel Mes­si für schlech­te Ball­be­hand­lung ent­schul­di­gen. Küm­mert singt bril­lant. Doch lei­der sind sei­ne Songs – zwi­schen Rock, Pop, Blues und Coun­try – zwar so­li­de, kön­nen aber mit der Qua­li­tät sei­ner Stim­me bei Wei­tem nicht mit­hal­ten. So bleibt Andre­as Küm­mert ein Mann für die Ni­sche, fürs in­ti­me Club­kon­zert – wo er sich oh­ne­hin am wohls­ten fühlt.

Fo­to: dpa

Andre­as Küm­mert gas­tier­te im Am­pe­re

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