Die Kul­t­ro­cker auf ProSie­ben

tz - - KULTUR + TV - LUD­WIG KRAMMER

Ein Al­bum pro Jahr­zehnt – auf die­sen Rol­ling-Sto­nes-Rhyth­mus schei­nen sich Me­tal­li­ca in­zwi­schen ein­ge­pen­delt zu ha­ben. Acht Jah­re nach dem gut ge­mein­ten (über die LouReed-Kol­la­bo­ra­ti­on de­cken wir gnä­dig den Man­tel des Schwei­gens) be­sche­ren uns die Brio­niMe­tal­ler aus San Fran­cis­co nun al­so ei­ne „leicht zy­ni­sche An­näh­rung an die Mensch­heit und ih­re Ver­an­la­gung zur Selbst­zer­stö­rung“, wie es Front­mann und Chef­tex­ter Ja­mes Het­field kürz­lich for­mu­lier­te.

Mit Selbst­zer­stö - rung ken­nen sich Me­tal­li­ca bes­tens aus. Auch mit der ih­res künst­le­ri­schen Denk­mals, das spä­tes­tens 2003 mit dem kru­den

be­denk­li­che Ris­se be­kam.

mar­kier­te 2008 als Re­ak­ti­on dar­auf das En­de der Ex­pe­ri­men­te. Pro­blem nur: Die Rück­be­sin­nung auf die Groß­ta­ten der 80er ge­riet über wei­te Stre­cken zum lang­at­mi­gen Selbst­pla­gi­at. Sel­ten hat­te Be­geis­te­rung ei­ne ge­rin­ge­re Halb­werts­zeit. Bes­ser ste­hen die Chan­cen beim neu­en Werk. Der Sound ist we­ni­ger kom­pri­miert und klingt da­durch dy­na­mi­scher als auf dem Vor­gän­ger, auch auf über­mä­ßi­ges Riff-Wie­der­käu­en ha­ben Me­tal­li­ca wei­test­ge­hend ver­zich­tet. Den­noch hat höchs­tens die Hälf­te des neu­en Song-Dut­zends die Klas­se und Tie­fe, um von ei­ner ech­ten Be­rei­che­rung für den drei­stel­li­gen Lie­der-Ka­ta­log spre­chen zu kön­nen. Da­zu ge­hört das er­öff­nen­de Ti­tel­stück, das zwar frap­pie­rend an sein Am 21.11. um 22.15 Uhr zeigt auf ProSie­ben das Ber­li­ner Club­kon­zert der Band mit Songs vom neu­en Al­bum. Von links: Bas­sist Rob Tru­jil­lo, Drum­mer Lars Ul­rich, Front­mann Ja­mes Het­field und Le­ad­gi­tar­rist Kirk Ham­mett. Pen­dant er­in­nert, aber mit sei­ner pun­kig-thra­shi­gen Wucht über­zeugt. Da­zu ge­hört auch der ähn­lich ge­la­ger­te Raus­wer­fer des­sen Sperr­feu­er Trom­mel­ve­te­ran Ul­rich ei­nen Wer­be­ver­trag im Sau­er­stoff­zel­tBu­si­ness be­sche­ren soll­te. Der größ­te Hit ist Me­tal­li­ca in­des ein­deu­tig mit ge­lun­gen. Rhyth­mus und Riffs las­sen Fuß und Na­cken so­fort mit­wip­pen, die Me­lo­di­en tref­fen sou­ve­rän ins Wohl­fühl­zen­trum. Ja, die­ses Pracht­stück hät­te auch auf dem schwar­zen Al­bum ei­ne aus­ge­zeich­ne­te Fi­gur ge­macht. Wo­mit wir al­ler­dings auch beim Haupt­pro­blem die­ses neu­en Dop­pel­de­ckers wä­ren: der all­zu gro­ßen An­leh­nung an den Mil­lio­nen­sel­ler von 1991. Wäh­rend sich die Qu­er­ver­wei­se zu und auf der ers­ten CD (oder Vi­nyl­schei­be) noch recht schlüs­sig mit Re­fe­ren­zen er­gän­zen, kön­nen Me­tal­li­ca ih­re Ide­en­lo­sig­keit im zwei­ten Teil des Al­bums kaum mehr ka­schie­ren. geht ge­ra­de noch als gut durch, die Tru­jil­lo-Co-Kom­po­si­ti­on hat zu­min­dest ein paar in­ter­es­san­te Takt­ver­schie­bun­gen vor­zu­wei­sen. Bei

und (Lem­myT­ri­but) hilft dann aber auch kein Schön­hö­ren mehr. So viel Speed hät­te sich selbst der Meis­ter se­lig nicht ein­wer­fen kön­nen, um die­se Gähn-Ver­an­stal­tung of­fe­nen Au­ges zu über­ste­hen.

Und trotz­dem: Het­fiel­ds Aus­sa­ge, er und sei­ne Mit­strei­ter fühl­ten sich durch das Schrei­ben neu­en Ma­te­ri­als „re­le­vant“, klingt heu­te plau­si­bler als noch vor acht Jah­ren. Me­tal­li­ca ha­ben mit ih­rem zehn­ten Al­bum die Ge­fahr ge­bannt, zum rei­nen Nost­al­gie-Act zu ver­kom­men. ist das State­ment, das hät­te sein sol­len.

Me­tal­li­ca stell­ten ihr neu­es Al­bum bei Cir­cus Hal­li­gal­li vor. Mehr da­zu: sie­he Kreis De­ath Ma­gne­tic- Was Just Your Li­fe Bo­ne, Whi­plash- This Spit Out The Me­tal Mi­li­tia/ Am I Sa­va­ge? Mur­der One

Hard­wired… to self- de­struct, Fla­me

Fo­tos: dpa

De­ath Mag- Cir­cus Hal­li­Gal­li

De­ath Ma­gne­tic Lu­lu

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