Ver­trag? „Es sieht nicht schlecht aus“

tz - - SPORT - IN­TER­VIEW: SVEN WES­TER­SCHUL­ZE, MA­NU­EL BON­KE

Sie­ben Wo­chen lang fiel er ver­letzt aus, doch pünkt­lich zum Kra­cher ge­gen den BVB ist Franck Ri­bé­ry wie­der fit. Im tzIn­ter­view spricht der FCB-Star über das Du­ell mit dem gro­ßen Ri­va­len und sei­ne Ver­trags­ge­sprä­che. Die Mel­dung der L’Equi­pe über ei­nen neu­en Kon­trakt bis 2018 bei 14 Mil­lio­nen Eu­ro Brut­to­ge­halt de­men­tier­te der FCB ges­tern. Herr Ri­bé­ry, Dort­mund muss sich auf ei­nen Franck Ri­bé­ry bei 100 Pro­zent ein­stel­len? Ri­bé­ry: Ich hof­fe. Wenn ich auf dem Platz bin, bin ich be­reit. Ich bin nicht mehr ver­letzt, ha­be kei- ne Schmer­zen mehr, das ist al­les weg. Ich bin heiß und freue mich jetzt auf die­ses Spiel, das für uns sehr, sehr wich­tig ist. Ein Spiel ge­gen Dort­mund ist im­mer wie ein Der­by, man hat im­mer viel Druck. Die Me­di­en, die Fans, wir al­le wol­len die­ses Du­ell. Wir müs­sen dort ein gu­tes Spiel ma­chen und hof­fent­lich auch ge­win­nen.

Die Ver­let­zungs­sor­gen beim FCB sind in der Län­der­spiel­pau­se aber grö­ßer ge­wor­den.

Ri­bé­ry: Ja, das ist scha­de. Es ist lei­der schon seit ei­ni­ger Zeit so, dass wir im­mer et­li­che Ver­letz­te ha­ben. Oft kom­men Spie­ler ver­letzt von den Na­tio­nal­mann­schaf­ten. Man spielt ein­fach als Pro­fi sehr viel, ist viel un­ter­wegs, hat kaum Pau­sen. Aber un- se­re Kör­per sind kei­ne Ma­schi­nen. Phil­ipp Lahm und ich spie­len des­halb nicht mehr für die Na­tio­nal­mann­schaft. Für uns ist die Zeit, die wir dann ha­ben, sehr wich­tig. Wir brau­chen al­le Spie­ler, am bes­ten die gan­ze Sai­son. Auch vor Weih­nach­ten ha­ben wir noch vie­le wich­ti­ge Spie­le.

Ist ein Spiel ge­gen Dort­mund noch ein be­son­de­rer An­reiz im Trai­ning?

Ri­bé­ry: Im Trai­ning än­dert sich nichts, das Tem­po, die In­ten­si­tät blei­ben gleich. Aber am Tag vor dem Spiel merkt man: Das ist ein an­de­res Spiel als sonst. Es herrscht gro­ße Kon­kur­renz zwi­schen den bei­den Klubs, man hat viel Druck ge­gen Dort­mund. Du weißt, du musst ge­win­nen, für den gan­zen FC Bay­ern, für uns, für die Fans. Ge­gen den BVB geht es oft hit­zig zu. Bau­en Sie dar­auf, dass die Schieds­rich­ter Sie am Sams­tag bes­ser schüt­zen? Oder glau­ben Sie, dass Sie un­ter be­son­de­rer Be­ob­ach­tung ste­hen? Ri­bé­ry: Bei­des. Sie schau­en auf mich, aber auch auf mei­ne Geg­ner. Sie sind in die­sen Spie­len des Öf­te­ren durch un­schö­ne Sze­nen auf­ge­fal­len. Liegt das an der Dort­mun­der Spiel­wei­se oder an den Emo­tio­nen, die das Spiel um­ge­ben? Ri­bé­ry: Das Spiel ist wich­tig, die Stim­mung ist heiß, die Fans wol­len un­se­re bes­te Leis­tung se­hen. Aber man muss eben ver­su­chen, das nicht so nah an sich her­an­zu­las­sen. Nach der letz­ten Sze­ne ge­gen Pass­lack ha­ben Karl-Heinz Rum­me­nig­ge, aber auch zahl­rei­che Mit­spie­ler mit Ih­nen ge­re­det. Was ha­ben Sie de­nen ge­sagt? Ri­bé­ry: Karl-Heinz Rum­me­nig­ge und Uli Ho­en­eß ha­ben mit mir dar­über ge­spro­chen. Ich ha­be bei­den das­sel­be ge­sagt, was ich Ih­nen ge­sagt ha­be (sie­he Text un­ten). Was sagt Karl-Heinz Rum­me­nig­ge ei­gent­lich zu ei­nem neu­en Ver­trag? Ri­bé­ry: Wir ha­ben dar­über schon ge­spro­chen. Es sieht nicht schlecht aus. Dar­über freue ich mich. Was sind Ih­re Wün­sche? Ei­ne Ver­län­ge­rung um ein Jahr? Oder lie­ber zwei? Ri­bé­ry: Wir sind in gu­ten, of­fe­nen Ge­sprä­chen. Ich füh­le mich gut und fit. Wir müs­sen schau­en, was mög­lich ist, aber ich kann jetzt noch nicht sa­gen, wie die Lö­sung ge­nau aus­sieht. Wä­re die Jah­res­haupt­ver­samm­lung nicht ein gu­ter Zeit­punkt zur Ver­kün­dung? Ri­bé­ry: Wir sind ehr­lich und of­fen zu­ein­an­der, des­halb gibt es in die­ser An­ge­le­gen­heit auch kei­nen Zeit­druck.

Ist es für Sie über­haupt vor­stell­bar noch mal für ei­nen an­de­ren Ver­ein zu spie­len?

Ri­bé­ry: Da­mit be­schäf­ti­ge ich mich im Mo­ment nicht. Mein Kopf ist jetzt wie­der frei, das ist wich­tig für mich. Ich bin wie­der ge­sund, ich bin glück­lich und zu­rück auf dem Weg zum TopNi­veau. Mei­ner Fa­mi­lie geht es auch gut, ich spü­re kei­nen Druck. Ich weiß, dass der FC Bay­ern sei­ne Spie­ler im­mer re­spek­tiert hat. Wir ha­ben viel zu­sam­men­er­reicht, des­halb wer­den wir im­mer ei­ne ge­mein­sa­me Lö­sung fin­den.

He­gen Sie al­so schon ers­te Plä­ne für die Zeit nach der ak­ti­ven Kar­rie­re?

Ri­bé­ry: Ehr­lich ge­sagt noch nicht. Aber ich wer­de bald 34 Jah­re alt, da muss ich mir wohl lang­sam mal ein paar Ge­dan­ken ma­chen (lacht). Ich las­se das ein­fach auf mich zu­kom­men. Oft kommt es an­ders, als man denkt. Wich­tig ist, dass mei­ne Fa­mi­lie und ich hier glück­lich und zu­frie­den

sind Phil­ipp Lahm ist da schon wei­ter. Ihr Ka­pi­tän über­legt, im Som­mer sei­ne Kar­rie­re zu be­en­den. Was sa­gen Sie da­zu?

Ri­bé­ry: Oh, oh (schlägt die Hän­de vor den Kopf). Das wür­de ja auch mehr Druck für mich be­deu­ten, dann wä­re ich der dienst­äl­tes­te Pro­fi in un­se­rer Mann­schaft (schmun­zelt). Nein, im Ernst: Ich wür­de mich na­tür­lich sehr freu­en, wenn er noch wei­ter­spielt, denn Phil­ipp ist ein ex­trem wich­ti­ger Spie­ler für uns. Er ist un­ser Ka­pi­tän, bringt im­mer sei­ne Leis­tung und sorgt für das Gleich­ge­wicht in der Mann­schaft. Da wer­de ich noch mal mit ihm spre­chen müs­sen (lacht). Sonst könn­te er als mög­li­cher Sport­vor­stand plötz­lich Ihr Vor­ge­setz­ter sein. Kön­nen Sie sich das vor­stel­len? Ri­bé­ry (über­legt kurz): Ja, kann ich. Sein Cha­rak­ter, sei­ne Aus­strah­lung, ich traue

ihm das schon zu. Aber viel­leicht noch nicht jetzt. Erst muss er mit mir noch ein biss­chen hier spie­len.

Kann man ihn mit Uli Ho­en­eß ver­glei­chen? Zwei tol­le Fuß­bal­ler, die ih­re Kar­rie­ren re­la­tiv früh be­en­den und dann er­folg­rei­che Ma­na­ger wer­den?

Ri­bé­ry (grinst): Ich kann­te Uli als Spie­ler lei­der nicht so gut. Ich ha­be nur ei­ni­ge Vi­de­os von sei­nen Spie­len ge­se­hen. Ei­nes kann ich sa­gen: Er war schnel­ler als Phil­ipp (lacht). Aber Phil­ipp ist wie Uli auch sehr in­tel­li­gent, er macht sich über vie­le Din­ge Ge­dan­ken. Er weiß, wann er auf­hö­ren muss und wird si­cher­lich dann auch sei­ne Grün­de da­für ha­ben.

Zu Bay­erns gol­de­ner Ge­ne­ra­ti­on zählt ne­ben Lahm und Ih­nen auch Ar­jen Rob­ben. Man hat das Ge­fühl, Rob­ben und Sie könn­ten noch jah­re­lang die Geg­ner schwind­lig drib­beln. Ri­bé­ry: Wenn Ar­jen und ich bei 100 Pro­zent sind, dann kön­nen wir mit un­se­ren Qua­li­tä­ten be­son­de­re Si­tua­tio­nen er­zeu­gen. Wir ha­ben viel Er­fah­rung, ken­nen die Men­ta­li­tät und An­sprü­che des Klubs, ha­ben vie­le Ti­tel zu­sam­men ge­won­nen.

Da­vid Ala­ba ist da­ge­gen mit 24 Jah­ren ver­gleichs­wei­se jung, sie bei­de sind gu­te Freun­de. Er muss­te zu­letzt har­sche Kri­tik ein­ste­cken, be­son­ders in Ös­ter­reich. Ha­ben Sie ihm Mut ge­macht?

Ri­bé­ry: Na­tür­lich, ich spre­che sehr viel mit Da­vid. Und ich glau­be, dass die Kri­tik in der Form nicht be­rech­tigt war. Vor ein paar Jah­ren ist Da­vid als jun­ger Spie­ler in un­se­re Mann­schaft ge­sto­ßen, heu­te ist er ei­ner der bes­ten Au­ßen­ver­tei­di­ger der Welt. Und wäh­rend die­ser Zeit war er fast nie ver­letzt und hat fast je­des Spiel ge­macht. Das wird oft ver­ges­sen. In sei­ner Na­tio­nal­mann­schaft ist er zu.ei­nem Star auf­ge­stie­gen, al­le er­war­ten gro­ße Din­ge von ihm. Das be­deu­tet auch viel Druck. Das weiß ich selbst gut ge­nug. Man kann nicht in je­dem Spiel 100 Pro­zent ab­ru­fen, auch wenn man es will. Denn der Kör­per braucht ab und zu mal ei­ne Pau­se, auch der von Da­vid. Des­halb ist die­se Kri­tik in mei­nen Au­gen nicht ge­recht­fer­tigt. Aber Da­vid muss da­mit le­ben. Das tut er auch, er ist stark. Und ich ste­he ihm bei, dann ist er noch stär­ker (lä­chelt).

Fo­tos: dpa, Sam­pics (3)

Im zehn­ten Jahr zau­bert Ri­bé­ry für den FCB

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