Bam­bi

Aus­zeich­nung für Schwein­stei­ger

tz - - ERSTE SEITE - KAT­JA KRAFT

uf zwei eng­lisch­spra­chi­ge Män­ner war­tet ges­tern ganz Ber­lin. Der ei­ne bringt den Ver­kehr zum Still­stand, der an­de­re die Her­zen der Da­men da­zu, schnel­ler zu schla­gen! Nichts geht mehr in der Haupt­stadt, weil der schei­den­de US-Prä­si­dent Ba­rack Oba­ma auf Deutsch­land­be­such ist. Auch zum Sta­ge Thea­ter am Pots­da­mer Platz zu kom­men, fällt am Don­ners­tag­abend schwer. SBahn- und U-Bahn-Aus­fäl­le, Stra­ßen­sper­ren – der zwei­te heiß be­gehr­te Gast kommt trotz­dem pünkt­lich an. Von we­gen, die größ­ten Stars er­schei­nen zum Schluss: Die grau me­lier­ten Haa­re frisch ge­strie­gelt, in ex­tra­va­gant ge­mus­ter­tem Sak­ko be­tritt Rob­bie Wil­li­ams um kurz vor 19 Uhr den ro­ten Tep­pich. Oh­ne Be­glei­tung. „Mei­ne coo­le Frau ist da­heim bei den Kin­dern“, er­zählt er. Und er? Will vor al­lem ei­nen „ge­nia­len Abend“ha­ben, sin­gen – und: „en­ter­tai­nen!“

Bam­bi 2016. Hu­bert Bur­da hat ge­la­den und al­le sind ge­kom­men. Nicht nur Rob­bie, der „Ther­mo­mix der En­ter­tai­ner“(O-Ton Bar­ba­ra Schö­ne­ber­ger), der die Show mit sei­ner neu­en Sing­le „The hea­vy En­ter­tain­ment Show“er­öff­net. Auch Udo Lin­den­berg – über den fal­sche To­des­mel­dun­gen im In­ter­net kur­sier­ten – frisch und mun­ter in Zi­gar­ren­rauch ge­hüllt; oder Uschi Glas, die, könn­te im per­sön­li­chen Um­feld ei­nen Bam­bi ver­lei­hen, mit dem sie ih­re Schwä­ge­rin eh­ren wür­de. „Wie sie ih­ren Mann ge­pflegt hat, das ist be­wun­derns­wert“, be­tont sie am ro­ten Tep­pich.

Vor al­lem aber je­de Men­ge Preis­trä­ger, die in ins­ge­samt 16 Ka­te­go­ri­en aus­ge­zeich­net wer­den. Für den ers­ten von ih­nen hält ein en­ger Freund die Lau­da­tio: Fe­lix Neu­reu­ther lobt in rüh­ren­den Wor­ten sei­nen Spezl aus Kin­der­ta­gen Bas­ti­an Schwein­stei­ger. „Jun­ge, ich bin to­tal stolz drauf, dein Freund zu sein“, ruft er ihm zu, be­vor er ihm den Eh­ren­preis über­gibt. Schwein­stei­ger frot­zelt erst grin­send: „Mensch Fe­lix, so kenn ich dich gar nicht, dass du das aus­wen­dig so gut hin­kriegst.“Und wird dann ernst­haft. Denn: „Ich bin mir si­cher, dass wir den WM-Ti­tel nicht ge­won­nen hät­ten, hät­ten wir nicht kur­ze Zeit vor­her das Cham­pi­ons Le­ague-Fi­na­le in Mün­chen ver­lo­ren“, er­in­nert er sich. „Denn be­vor man zu ei­nem gro­ßen Cham­pi­on wird, muss man ler­nen zu ver­lie­ren und die rich­ti­gen Schlüs­se dar­aus zie­hen. Des­halb ist mei­ne Bot­schaft an al­le Kin­der und Ju­gend­li­chen: Nie­der­la­gen sind Teil des Le­bens, auch wenn sie nie an­ge­nehm sind. Zu­erst kom­men im­mer die Trä­nen und dann die Bam­bis letzt­end­lich.“La­chen und Stan­ding Ova­tions im Saal.

Auch An­na Ma­ria Mü­he, aus­ge­zeich­net als bes­te Schau­spie­le­rin na­tio­nal für ih­re Rol­le der Bea­te Zschä­pe in „Mit­ten in Deutsch­land: NSU. Die Tä­ter – Heu­te ist nicht al­le Ta­ge“, be­rührt. „Ich bin dank­bar, dass ich über­haupt be­dacht wor­den bin in die­sem Me­di­en­rum­mel für die­se Art von Film.“Kol­le­ge De­vid Strie­sow ge­winnt in der glei­chen Ka­te­go­rie der Her­ren.

Bü­lent Cey­lan (Come­dy), DJ Fe­lix Ja­ehn (En­ter­tain­ment), Flo­ri­an Sil­be­rei­sen (Fern­se­hen), Joa­chim Löw (In­te­gra­ti­on), An­ge­li­que Ker­ber (Sport) – es ist ein lan­ger Rei­gen von Geehr­ten. Und dann kommt Sting – und über­rascht mit ei­ner auf Deutsch vor­ge­tra­ge­nen Lau­da­tio für Lin­den­berg, Ge­win­ner in der Ka­te­go­rie Mu­sik na­tio­nal. Der ant­wor­tet auf Eng­lisch und dankt sei­nem „Bro­ther from ano­ther Mo­ther“. Er ist ei­ner der dienst­äl­tes­ten Ge­win­ner. Be­reits vor­ab hat­te Papst Fran­zis­kus den Mil­le­ni­um-Preis er­hal­ten, von Patri­cia Rie­kel per­sön­lich im Va­ti­kan über­ge­ben. Ma­rio Adorf er­hält sei­ne Aus­zeich­nung in Ber­lin. Für sein Le­bens­werk.

Kann es Zu­fall sein, dass die Ver­lei­hung ter­min­lich mit dem ho­hen US-Be­such zu­sam­men­fällt? Schon St­un­den vor der Show mun­kelt man un­ter den Jour­na­lis­ten, ob Oba­ma nicht doch noch­vor­bei­schaut. Er tat es nicht. Und ver­pass­te ei­nen glit­zern­den Abend.

Fe­lix Neu­reu­ther (re.) ehrt sei­nen lang­jäh­ri­gen Spezl Bas­ti­an Schwein­stei­ger mit dem Bam­bi

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