Ei­ne Mar­ke oh­ne Ge­schich­te

tz - - MENSCHEN - UL­RI­KE SCHMIDT

Das Mo­no­gramm MCM, ge­krönt mit Lor­be­er­zwei­gen – das stand ein­mal für Kof­fer, für ein Sta­tus­sym­bol der Rei­chen und Schö­nen, die ih­re Po­tenz zei­gen woll­ten, ein Mus­tHa­ve der Münch­ner Schi­cke­ria und Michael Cro­mers (†68, 2007) Ant­wort auf Lou­is Vuit­ton.

Der Schau­spie­ler (u. a. Das Mäd­chen mit der hei­ßen Ma­sche), Dress­man und Lo­kal­be­sit­zer hat­te es am ei­ge­nen Leib er­lei­den müs­sen, als der Bell­boy ei­nes Lu­xus­ho­tels erst die LouisVuit­ton-Kof- fer sei­nes Be­glei­ters aus­lud und Cro­mers Le­der­ta­sche links ste­hen ließ. Das brach­te Kro­mer, der sich da­mals noch mit K schrieb, auf ei­ne neue Ge­schäfts­idee: Lu­xus­kof­fer aus Mün­chen mit ei­ge­nem Mo­no­gramm, je­des Stück nu­me­riert, da­mit in­di­vi­dua­li­siert und be­son­ders. MCM stand zu­vor für den Fri­seur­la­den von Cro­mers Frau Ma­ra: Mo­dern Coif­fure Mün­chen. Spä­ter wur­de dar­aus Mo­dern Crea­ti­on Mün­chen. Und bald stand MCM für Michael Cro­mer Mün­chen – in der gan­zen Welt. In den 90er-Jah­ren hat­te der Self­made­man und Mil­lio­när 250 Fi­lia­len in den bes­ten La­gen der Welt, jet­te­te von Me­tro­po­le zu Me­tro­po­le und zähl­te Cin­dy Cra­w­ford und Michael Dou­glas zu sei­nen Freun­den. Der braun­ge­brann­te und statt­li­che Schi­cki-Mi­chi fuhr ei­nen tür­kis­far­be­nen Fer­ra­ri, leb­te in Prunk und Pracht und schmiss die schicks­ten Par­ties – al­les wie im Mär­chen.

Und al­les, bis der bö­se Wolf kam. Ein gan­zes Ru­del. Erst die Asi­en­kri­se, dann an­ony­me und weit­ge­hend fal­sche An­zei­gen beim Fi­nanz­amt, fal­sche Be­ra­ter, fal­sche Part­ner – in­ner­halb kür­zes­ter Zeit war das Le­bens­werk ka­putt, das Im­pe­ri­um zer­schla­gen, der Mar­ken­na­me in an­de­ren Hän­den. Cro­mer klag­te – bis sein gan­zes Pri­vat­ver­mö­gen weg und der Kof­fer-Kö­nig oh­ne Reich krank und mür­be war. Im Sep­tem­ber 2007 starb er an Mul­ti-Or­gan­ver­sa­gen und den Fol­gen ei­ner Aor­ta-Ope­ra­ti­on.

Das En­de ei­nes Mär­chens. Und der An­fang ei­nes neu­en, das mit der Süd­ko­rea­ne­rin Sung-Joo Kim – ehe­mals Asi­en-Li­zenz­neh­me­rin – und dem De­si­gner Michael Mich­als­ky zu neu­er Blü­te ge­fun­den hat. In­zwi­schen ist MCM noch schril­ler, noch bun­ter – nie­ten­be­setzt.

Der Na­me Cro­mer wird tot­ge­schwie­gen. Ja, er kommt un­ter dem Stich­punkt Ge­schich­te auf der MCM-In­ter­net­sei­te gar nicht erst vor.

Und na­tür­lich war am Don­ners­tag­abend, als das 40-jäh­ri­ge Ju­bi­lä­um im neu­en MCM-La­den in der Bri­en­ner Stra­ße ge­fei­ert wer­den soll­te, auch Cro­mers Wit­we Ma­ra gar nicht erst ein­ge­la­den. Die Krö­nung aber: Fra­gen von ein­ge­la­de­nen Jour­na­lis­ten wa­ren nicht er­laubt. We­der zur Ge­schich­te, noch zur Mar­ke, noch zu Be­sit­zern, noch zum De­si­gner. „Sie kön­nen sie schrift­lich stel­len!“, wur­de ver­dutz­ten Re­por­tern be­schie­den.

Da­für gab es nichts­sa­gen­de PR-Pro­sa wie: „1976 wur­de das La­bel mit­ten in die he­do­nis­ti­sche Glanz­zeit der baye­ri­schen Haupt­stadt hin­ein­ge­bo­ren.“

Noch blö­der liest sich aber die In­ter­pre­ta­ti­on der bunt­schril­len Mar­ke auf der In­ter­net­sei­te: „MCMs be­bän­der­te Lor­beer­blät­ter er­in­nern an die Lei­den­schaft von Kö­nig Lud­wig I. für den Neo­klas­si­zis­mus und stel­len gleich­zei­tig das grie­chi­sche Sym­bol des Sie­ges dar. Un­se­re Rau­ten ste­hen für un­se­re Wer­te, Stär­ken und un­se­re Le­bens­dau­er oh­ne da­bei an Schön­heit zu ver­lie­ren, in­spi­riert von dem Dia­man­ten­mus­ter der Baye­ri­schen Flag­ge Weiss Blau­er Him­mel.“

Moch­te es Michael Cro­mer schon pla­ka­tiv, aber ein „Dia­man­ten­mus­ter“in die weiß­blaue Fah­ne zu in­ter­pre­tie­ren, ist ge­nau­so ab­surd, wie Re­por­ter zu ei­ner Ge­burts­tags­fei­er ein­zu­la­den, die kei­ne Fra­gen stel­len dür­fen.

Clau­dia Schif­fer schau­te noch für 17 Mi­nu­ten vor­bei, al­les an­de­re – nicht der Re­de wert.

Der Re­de wert ist aber die Ge­schich­te von MCM – ei­ne Münch­ner Le­gen­de.

Fo­tos: Peop­le Image (2), In­ter­fo­to

Mit Su­per­mo­del und Schau­spie­le­rin Cin­dy Cra­w­ford warb Michael Cro­mer für sei­ne Kof­fer und Ta­schen und den Mar­ken­na­men MCM. Auch der ehe­ma­li­ge Renn­fah­rer Ke­ke Ross­berg (re., Pa­pa von Ni­co) war für Cro­mer un­ter­wegs– MCM soll­te das Jet­set-La­bel wer­den Nicht oh­ne mei­ne Frau und oh­ne mei­ne Toch­ter: Michael Cro­mer war stets mit Ehe­frau Ma­ra und To­cher Patri­cia un­ter­wegs

Fo­tos: Get­ty

Die ko­rea­ni­sche MCM-Be­sit­ze­rin Sung-Joo Kim führ­te Clau­dia Schif­fer durch die schrill-bun­te La­den­welt am neu­en Stand­ort Bri­en­ner Stra­ße

De­si­gner Michael Mich­als­ky führ­te die Mar­ke wie­der zu neu­er Blü­te

Fo­to: Heinz Weiß­fuß

Par­ty­mu­sik vor Ruck­sä­cken und Ta­schen: Max Mer­seny (Ever­las­ting)

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