„Ziel­fahn­der“– ganz an­de­res TV!

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Er hat es wie­der ge­tan. Do­mi­nik Graf, der gro­ße Un­ru­he­stif­ter des deut­schen Fern­se­hens, hat ein­mal mehr al­le ver­meint­li­chen Re­geln des hei­mi­schen TV-Kri­mis ge­bro­chen. In Ziel­fahn­der – Flucht in die Kar­pa­ten ist vie­les an­ders, als man das aus dem Gen­re kennt. Und zwar in gu­ter Wei­se.

Ziel­fahn­der sind je­ne Po­li­zis­ten, die flüch­ti­ge Kri­mi­nel­le im Aus­land su­chen. In die­sem Fall ver­steckt sich ein Gangs­ter in den ru­mä­ni­schen Ber­gen. Klas­si­sche Po­li­zei­ar­beit nach deut­scher Art ist da nicht drin. Und: Die deut­schen Fahn­der, fein nu­an­ciert ge­spielt von Ul­ri­ke Tschar­re und Ro­nald Zehr­feld, sind auch kei­ne in­tui­tiv hoch­be­gab­ten Su­per-De­tek­ti­ve, son­dern wir­ken ziem­lich oft ziem­lich ah- nungs­los. Und das klas­si­sche Mus­ter „Gut ge­gen Bö­se“wird eben­falls auf­ge­bro­chen, das war Graf wich­tig. „Der Ver­bre­cher, der hier ge­jagt wird, of­fen­bart von An­fang an ver­schie­de­ne Sei­ten. Er ist brutal, aber er hat ja auch ei­ne durch­aus cha­ris­ma­ti­sche Art, sich zu ver­hal­ten. Da gibt es Tie­fe in die­sem Cha­rak­ter.“

EU-Mit­glied Ru­mä­ni­en er­scheint hier wie ein exo­ti­scher Ort – und Graf spielt sub­ver­siv mit den Kli­schees und Vor­ur­tei­len, die wir aus ge­mein­ge­fähr­li­chen Halb­wis­sen über das Bal­kan­land ge­bil­det ha­ben. „Ich glau­be, dass man sich in ei­ner Er­zäh­lung ei­ner fer­nen Kul­tur durch­aus mit den gan­zen Vor­ur­tei­len nä­hern kann, um die­se Vor­ur­tei­le dann vor Ort or­dent­lich zu­recht­zu­stut­zen und um­zu­krem­peln. Al­les hat sei­ne zwei Sei­ten. Und die an­de­re Sei­te der Welt im Os­ten ist ei­ne un­glaub­lich fas­zi­nie­ren­de, für uns ei­gen­wil­li­ge Vor­stel­lung von Le­ben, Ge­set­zen und Moral. Un­se­re Ord­nungs­lie­be hat da ein­fach kei­nen Platz“, sagt Graf.

Auch die Prot­ago­nis­ten brau­chen län­ger, um zu ver­ste­hen, dass die Din­ge in an­de­ren Tei­len der Welt eben – an­ders sind. Nicht schlech­ter oder bes­ser, nur nicht so, wie wir es ge­wohnt sind. Graf macht buch­stäb­lich gro­ßes Ki­no. Es gibt ra­san­te Ver­fol­gungs­jag­den mit Au­tos, gran­dio­se Land­schafts­auf­nah­men, aber auch vie­le in­ti­me, nach­denk­li­che Mo­men­te.

Fo­tos: fkn

Oben: Do­m­in­go im Ein­satz als Di­ri­gent. Gro­ßes Fo­to: die „Ai­da“-Sze­ne­rie mit der mäch­ti­gen Sphinx in der Mit­te

Fo­to: ARD, Tho­mAs Kost

Zu­pa­ckend: Sven Schrö­der (Ro­nald Zehr­feld) in „Ziel­fahn­der – Flucht in die Kar­pa­ten“

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