„Das muss sich än­dern!“

tz - - SPORT - M. BONKE

Die­se Sät­ze klan­gen aus dem Mund vom sonst so ru­hi­gen Car­lo An­ce­lot­ti schon fast wie ein Wu­t­aus­bruch. Auf sei­ne Spie­ler an­ge­spro­chen, die nach der Län­der­spiel­pau­se ver­letzt zum FC Bay­ern zu­rück­kehr­ten, gab es vom Mis­ter ei­ne kla­re An­sa­ge: „Na­tür­lich ha­ben wir Pro­ble­me we­gen der Län­der­spiel­pau­se.“Nach die­sem Satz wech­sel­te An­ce­lot­ti von deut­scher in eng­li­sche Spra­che, um sei­nem An­lie­gen klar Aus­druck zu ver­lei­hen. „In die­sem Mo­ment ha­ben wir, und vie­le an­de­re Bun­des­li­ga-Mann­schaf­ten auch, Pro­ble­me mit Spie­lern, die auf Län­der­spiel­rei­se ge­hen. Je­der muss ver­ste­hen, dass das Wich­tigs­te für die Spie­ler ih­re Ge­sund­heit ist. In die­sem Mo­ment ist der Zeit­plan mit den Qua­li­fi­ka­ti­ons- run­den in Eu­ro­pa zu voll ge­packt! Die Spie­ler ab­sol­vie­ren zu vie­le Par­ti­en. Ich sa­ge das nicht nur als Trai­ner. Das muss in Zu­kunft ge­än­dert wer­den!“

So deut­li­che und auch war­nen­de Wor­te hat man von An­ce­lot­ti in sei­ner Zeit als Bay­ern-Trai­ner noch nie ge­hört! Da­mit stellt er sich zu 100 Pro­zent hin­ter sei­nen Boss Karl-Heinz Rum­me­nig­ge. Rum­me­nig­ge hat­te den Län­der­spiel-Ter­min­ka­len­der schon vor der Un­ter­bre­chung als über­la­den kri­ti­siert und ihn im glei­chen Atem­zug als Ka­ta­stro­phe be­zeich­net.

Ver­ständ­lich, dass nun auch An­ce­lot­ti sei­nem Är­ger Luft macht. Im­mer­hin muss der 57-Jäh­ri­ge in Dort­mund auf die bei­den Flü­gel­spie­ler Kings­ley Co­man (Au­ßen­band­riss im Knie) und Ar­jen Rob­ben (Ober­schen­kel­pro­ble­me) ver­zich­ten. Bei­de ka­men ver­letzt von ih­ren Na­tio­nal­mann­schaf­ten zum FC Bay­ern zu­rück, ge­nau wie Ar­turo Vi­dal. Vor al­lem der Aus­fall von Rob­ben ist bit­ter! Der Hol­län­der zeig­te in den letz­ten Spie­len ei­ne gu­te Form und er­ziel­te auch beim Län­der­spiel-Come­back für die Nie­der­lan­de ge­gen Lu­xem­burg ei­nen Tref­fer. Ger­ne hät­te Car­let­to im Li­ga-Gip­fel die ge­fürch­te­te Flü­gel­zan­ge „Rob­be­ry“auf­ge­bo­ten, die Dort­mund schon öf­ters im Al­lein­gang ab­ge­schos­sen hat. Auch Franck Ri­bé­ry sprach am Frei­tag im tz- In­ter­view über die Dau­er­be­las­tung sei­ner Team­kol­le­gen: „Es ist lei­der seit ei­ni­ger Zeit so, dass wir im­mer et­li­che Ver­letz­te ha­ben. Oft kom­men Spie­ler ver­letzt von den Na­tio­nal­mann­schaf­ten. Man spielt ein­fach als Pro­fi sehr viel, ist viel un­ter­wegs, hat kaum Pau­sen. Aber un­se­re Kör­per sind kei­ne Ma­schi­nen!“

Di­plo­ma­tisch wur­de An­ce­lot­ti hin­ge­gen wie­der, als er auf den Ein­satz von Ar­turo Vi­dal in der chi­le­ni­schen Na­tio­nal­mann­schaft an­ge­spro­chen wur­de. „Er wur­de nach dem Spiel ge­gen Ko­lum­bi­en un­ter­sucht. Dar­um war es okay, dass er ge­spielt hat. Es war ein wich­ti­ges Spiel. So viel ich weiß, hat er sich nichts Be­stimm­tes zu­ge­zo­gen“, er­klär­te An­ce­lot­ti sei­ne Hal­tung ge­gen­über dem chi­le­ni­schen Ver­band. Die­ser hat­te Vi­dal hat­te trotz Ad­duk­to­ren-Pro­ble­men nach dem Ko­lum­bi­en-Spiel auch in der nächs­ten Par­tie ge­gen Uru­gu­ay von An­fang an spie­len las­sen. Al­ler­dings: Nicht in Ord­nung wä­re es ge­we­sen, hät­te der chi­le­ni­sche Ver­band Vi­dal zu ei­nem Ein­satz ge­zwun­gen, so Car­lo! So oder so – das En­de ist das glei­che: Ar­turo Vi­dal stieg Frei­tag­abend nicht in den Mann­schafts­bus Rich­tung Flug­ha­fen.

An­ce­lot­ti über Ver­let­zun­gen bei Län­der­spie­len

F.: dpa (2), afp , fkn

Bay­ern-Trai­ner Car­lo An­ce­lot­ti hoff­te noch, aber bei Ar­turo Vi­dal half selbst die Be­hand­lung in ei­nem Spe­zi­al-Druck­an­zug nicht Über­las­tet: Auch Ar­jen Rob­ben fällt in Dort­mund aus, Dou­glas Cos­ta lei­det un­ter den Rei­se­stra­pa­zen

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