Fa­mi­li­en­su­che für ei­nen drei­bei­ni­gen Op­ti­mis­ten

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Bi­an­ca Deng­jel lernt je­den Tag et­li­che Tie­re ken­nen. Sie ar­bei­tet als Tier­ärz­tin am Am­mer­see. Und hin und wie­der pas­siert es ihr bei al­ler Pro­fes­sio­na­li­tät, dass ihr ein Pa­ti­ent be­son­ders ans Herz wächst. Alf ist so ein Fall. Ob­wohl er ei­gent­lich schon lan­ge nicht mehr Deng­jels Pa­ti­ent ist, be­kommt sie den Hund nicht aus dem Kopf.

Er ist ein be­son­de­rer Hund. Als Bi­an­ca Deng­jel Alf ken­nen­lern­te, war er in kei­nem gu­ten Zu­stand. Er war ein Stra­ßen­hund. In Ru­mä­ni­en wur­de er von ei­nem Au­to an­ge­fah­ren – und hat­te Glück, dass Tier­schüt­zer ihn fan­den. Er wur­de ope­riert und nach Deutsch­land ge­bracht. Seit da­mals kämpft sich Alf auf drei Bei­nen durchs Le­ben. „Er hat da­mit über­haupt kei­ne Pro­ble­me“, er­zählt Deng­jel. Ge­sund­heit­lich ist Alf seit ei­ni­gen Mo­na­ten in ei­nem gu­ten Zu­stand. Und auch psy­chisch scheint er die Zeit als ru­mä­ni­scher Stra­ßen- hund gut ver­kraf­tet zu ha­ben. „Es ist er­staun­lich wie viel Le­bens­freu­de er hat“, sagt sie. Er ist sehr un­ter­neh­mungs­lus­tig, an­häng­lich und für­sorg­lich. Ei­gent­lich ein idea­ler Fa­mi­li­en­hund. Nur dass sich ein­fach kei­ne Fa­mi­lie fin­det, die Alf bei sich auf­nimmt.

Bi­an­ca Deng­jel gibt Klein­an­zei­gen auf, seit sie Alf ken­nen­ge­lernt hat. „Es tut sich ein­fach gar nichts“, er­zählt sie. Sie ver­mu­tet, dass vie­le Hun­de­lieb­ha­ber durch das feh­len­de Bein ab­ge­schreckt wer­den. „Die­se Angst ist to­tal un­be­grün­det“, sagt die Tier­ärz­tin. „Alf ist völ­lig un­kom­pli­ziert – ob­wohl ihm ein Bein fehlt.“

Sein Schick­sal lässt Bi­an­ca Deng­jel ein­fach kei­ne Ru­he. Mo­men­tan ist der Misch­ling bei Tier­schüt- zern un­ter­ge­bracht – aber das ist kei­ne Dau­er­lö­sung. Im­mer wie­der ein­mal kommt sei­ne ak­tu­el­le Be­sit­ze­rin mit Alf zu Be­such. Und je­des Mal gibt Deng­jel da­nach wie­der ein In­se­rat für ihn auf. „Ich wür­de ihm ei­ne Fa­mi­lie so gön­nen“, sagt sie. Wenn er ein­schläft, nu­ckelt Alf ger­ne an ei­nem Stück Stoff oder ei­nem Kis­sen. „So scheint er die feh­len­de Nest­wär­me zu kom- pen­sie­ren.“Bi­an­ca Deng­jel hofft von gan­zem Her­zen, dass ihr Schütz­ling sein Nu­ckel-Kis­sen ir­gend­wann nicht mehr brau­chen wird.

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