Es war­tet viel Ar­beit auf die Kanz­le­rin

tz - - POLITIK -

Nach zu­letzt sin­ken­den Be­liebt­heits­wer­ten ist Bun­des­kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel – pas­send zur An­kün­di­gung 2017 er­neut zu kan­di­die­ren – bei den Um­fra­gen wie­der auf dem Weg nach oben. 55 Pro­zent der Deut­schen wün­schen sich ei­ne vier­te Amts­zeit! Be­son­ders groß ist Mer­kels Rück­halt bei den Uni­ons-An­hän­gern (92%) und den Frau­en (66%). Doch Um­fra­gen sind nur ei­ne Mo­ment­auf­nah­me. An­ge­sichts der He- raus­for­de­run­gen, die jetzt auf Mer­kel war­ten, ist die Si­tua­ti­on der Kanz­le­rin al­les an­de­re als sta­bil. Das sind die Brenn­punk­te: ■ In­ter­na­tio­na­le La­ge: Der künf­ti­ge US-Prä­si­dent Do­nald Trump steht für neu­en Po­pu­lis­mus. Die Zu­kunft von Mat­teo Ren­zi als Ita­li­ens Re­gie­rungs­chef ist frag­lich. Groß­bri­tan­ni­en or­ga­ni­siert den Br­ex­it. In Frank­reich wird 2017 ein Rechts­ruck be­fürch­tet. Eu­ro­pa steht vor ei­ner Zer­reiß­pro­be, und auch die Fi­nanz­kri­se ist noch längst nicht über­wun­den. Russ­land und die Tür­kei sind we­nig ver­läss­lich – da wird Mer­kel von der New York Ti­mes als ein letz­ter Ga­rant west­li­cher Wer­te be­zeich­net. ■ Wahl­kampf: Zwar sind die Um­fra­ge­wer­te der Uni­on im Ver­gleich zum 41,5-Pro­zent-Er­geb­nis bei der Bun­des­tags­wahl 2013 schlecht – aber CDU/CSU lie­gen doch mit rund 33 Pro­zent zehn Punk­te vor der SPD. Und bei den per­sön­li­chen Be­liebt­heits­wer­ten schnei­det Mer­kel weit bes­ser ab als ihr mög­li­cher SPD-Ge­gen­spie­ler Sig­mar Ga­b­ri­el. Wich­tig auch: Die Uni­on kann nur er­folg­reich sein, wenn sie ge­schlos­sen ist. Noch gibt es aber hef­ti­ge Aus­ein­an­der­set­zun­gen zwi­schen CDU und CSU. Ein Streit­punkt: die Ober­gren­ze für Flücht­lin­ge, die CSU-Chef Horst See­ho­fer for­dert. Au­ßer­dem will die CSU mehr Bür­ger­be­tei­li­gung und strebt die Mög­lich­keit ei­nes Volks­ent­schei­des auf Bun­des­ebe­ne an. ■ Flücht­lin­ge: Mer­kel muss für ih­re per­sön­li­che Ver­ant­wor­tung in der Flücht­lings­kri­se ein­ste­hen und nun die In­te­gra­ti­on der Ge­kom­me­nen vor­an­trei­ben – jetzt, da für vie­le die To­re nach Deutsch­land wie­der ver­schlos­sen sind. ■ Die AfD: Die CDU will ent­täusch­te Wäh­ler zu­rück­ge­win­nen, die zur AfD ab­ge­wan­dert sind. Aus dem Par­tei­vor­stand ver­lau­te­te am Sonn­tag, dass da­für kon­kre­te Lö­sun­gen nö­tig sei­en, „auch wenn ih­re er­folg­rei­che Um­set­zung manch­mal schwie­rig ist und Zeit braucht“. Die CDU-Po­li­tik soll stär­ker auf Fa­mi­li­en und Men­schen mit klei­nen und mitt­le­ren Ein­kom­men aus­ge­rich­tet wer­den. Ei­ne Flücht­lings­kri­se wie 2015 soll sich nicht wie­der­ho­len. In­te­gra­ti­ons­ver­wei­ge­rer sol­len mit Sank­tio­nen bis hin zu Leis­tungs­kür­zun­gen und Aus­wei­sung rech­nen müs­sen. Zu­sam­men­ge­fasst wird das al­les in ei­nem Leit­an­trag für den Par­tei­tag, der auf Mer­kel zu­ge­schnit­ten ist. Der Ti­tel lau­tet: „ Ori­en­tie­rung in schwie­ri­gen Zei­ten – für ein er­folg­rei­ches Deutsch­land und Eu­ro­pa“.

Die Op­po­si­ti­on nahm Mer­kels Kan­di­da­tur üb­ri­gens un­ter­schied­lich auf. Die Grü­nen kün­dig­ten ei­nen har­ten Wahl­kampf ge­gen sie an, FDP-Chef Chris­ti­an Lind­ner sag­te: „Die Uni­on zieht ih­ren letz­ten Trumpf und weiß nicht, ob er noch sticht.“

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