Le­ben, so wie Vol­ker es mag

tz - - KULTUR + TV - M. BIE­BER

Das Le­ben ist ei­ne lan­ge Rei­se vol­ler Hö­hen und Tie­fen – da macht Vol­ker Lech­ten­brink (72) kei­ne Aus­nah­me. Der Schau­spie­ler, Sän­ger, Re­gis­seur, In­ten­dant, Spre­cher und mehr reis­te ges­tern von Cux­ha­ven nach Mün­chen, wo er heu­te und mor­gen in der Ko­mö­die im Baye­ri­schen Hof gas­tiert. Mot­to: Le­ben, so wie ich es mag (s. Kas­ten). Was er uns auf sei­ner Rei­se ver­riet:

Herr Lech­ten­brink, mö­gen Sie noch so le­ben, wie Sie es in Ih­rem vi­el­leicht be­rühm­tes­ten Song be­schrie­ben ha­ben?

Vol­ker Lech­ten­brink: Das gilt al­les nach wie vor, ja. Nun gut, ei­ne Aus­nah­me ist da­bei: Beim The­ma Ren­te ha­be ich am 65. Ge­burts­tag ei­ne Kor­rek­tur über­nom­men. Ich frag­te mich, ob ich auf die staat­li­che Ren­te ver­zich­ten soll – die be­trägt bei frei­schaf­fen­den Künst­lern ja nur ein paar Eu­ro – oder sie doch an­neh­me. Ich ha­be mich für Letz­te­res ent­schie­den. Ich ar­bei­te schließ­lich schon lan­ge ge­nug.

Los ging Ih­re Kar­rie­re ja als Te­enager, als Sie in Bern­hard Wi­ckis „Die Brü­cke“ei­ne Rol­le über­nom­men hat­ten …

Lech­ten­brink: Ei­gent­lich schon frü­her, mit sie­ben mach­te ich be­reits Kin­der­funk. Doch Die Brü­cke war na­tür­lich ein Glücks­fall und ei­ne ech­te Steil­vor­la­ge.

Woll­ten Sie schon im­mer Künst­ler wer­den?

Lech­ten­brink: Ja. Ich lieb­te es, schon als klei­ner Jun­ge Kas­per­thea­ter vor der Fa­mi­lie zu spie­len. Ich ha­be ei­ne an­ge­bo­re­ne Spiel­freu­de, das macht mir bis heu­te ei­nen Hei­den­spaß.

Und die scheint gren­zen­los zu sein, wenn man Ih­re Viel­sei­tig­keit be­trach­tet …

Lech­ten­brink: Es hat sich im­mer wie­der et­was Neu­es er­ge­ben. Zum Ge­sang kam ich als Schau­spie­ler zu­fäl­lig: Mei­ne Songs soll­ten ei­gent­lich von pro­fes­sio­nel­len Sän­gern ge­sun­gen wer­den, doch die Tex­te wa­ren de­nen zu star­ker To­bak: Es ging et­wa um Ho­mo­se­xua­li­tät oder Al­ko­hol. Die­ses zwei­te Stand­bein ent­wi­ckel­te sich wi­der Er­war­ten zu ei­nem Selbst­läu­fer.

Der Al­ko­hol kommt ja in Ih­rem ak­tu­el­len Stück vor als Herr A. – wie ge­hen Sie heu­te mit ihm um?

Lech­ten­brink: Ich war kein kli­ni­scher Fall, ich trank nach Lust und Lau­ne. Nach Auf­trit­ten et­wa, in eu­pho­ri­scher Stim­mung, zur Be­loh­nung. Ich ha­be schon im­mer viel Sport ge­trie­ben, das passt auch nicht wirk­lich zu­sam­men. Heu­te trin­ke ich lan­ge nicht mehr so ag­gres­siv, das passt auch nicht zum Al­ter. Das ver­liert an Ele­ganz. Ich hal­te es da wie in ei­nem mei­ner Bü­cher: Gib die Din­ge der Ju­gend mit Gra­zie auf! Und weil ich ganz ger­ne zu den Sa­chen ste­he, die ich sa­ge, hal­te ich mich dar­an. Doch ge­gen ein Glas Rot­wein ist nichts ein­zu­wen­den.

Nach 17 Jah­ren Sin­gen war plötz­lich Schluss – 25 Jah­re lang. War­um ha­ben Sie so lan­ge ge­schwie­gen?

Lech­ten­brink: Weil ich das Ge­fühl hat­te, mei­ne Ge­schich­ten aus­er­zählt zu ha­ben. Ich woll­te nicht mehr je­des Jahr ei­ne neue LP ma­chen, son­dern raus aus der Rhyth­musMa­schi­ne. Bis ich in Ham­burg mit Truck Stop ei­nen Auf­tritt hat­te, der so wun­der­bar an­kam, dass ich wie­der Blut ge­leckt hat­te.

Beim neu­en Stück kön­nen Sie ja bei­des ver­ei­nen – Sän­ger und Schau­spie­ler.

Lech­ten­brink: Ich sin­ge 15 Songs, die in ein Stück über mein Le­ben ein­ge­bet­tet sind. Das ist mei­ne schwers­te Rol­le – mich selbst spie­len. Wir wol­len schließ­lich kei­ne Hel­den­ver­eh­rung. Ich stel­le mich dem Pu­bli­kum kri­tisch zur Ver­fü­gung und er­zäh­le aus den Hochs und Tiefs mei­nes Le­bens.

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