Al Jar­reau (76) ist ein Ge­schenk

tz - - KULTUR + TV - ZORAN GOJIC

Gut, er braucht ei­ne Geh­hil­fe und ei­nen per­sön­li­chen As­sis­ten­ten, um es auf die Büh­ne zu schaf­fen. Und die ganz spek­ta­ku­lä­ren vo­ka­len Feu­er­wer­ke kann er mit 76 Jah­ren auch nicht mehr zün­den. Aber gut bei Stim­me ist Al Jar­reau im­mer noch – und zwar so gut, dass er die sehr gut ge­füll­te Phil­har­mo­nie mü­he­los in Tran­ce zu sin­gen ver­mag und sich am En­de die wohl­ver­dien­ten Stan­ding Ova­tions ab­holt.

Jar­reau geht ge­mein­sam mit der NDR Big Band zu sei­nen Wur­zeln zu­rück – dem Jazz.

Das Song­book von Du­ke El­ling­ton steht auf dem Pro­gramm. Al Jar­reau singt das der­art un­ver­schämt gut und frei, wie es sonst wohl kein an­de­rer mehr kann. Wenn er be­tont, wie froh man sein müs­se, dass es die NDR Big Band gä­be, ist das nicht nur Show­biz-Ge­quat­sche, son­dern schlicht die Wahr­heit.

Wie ak­ku­rat und da­bei le­ben­dig sie den Sound der 30er- und 40erJah­re wie­der zum Le­ben er­we­cken, ist atem­be­rau­bend. Und die Band meis­tert nach der Pau­se auch die blue­si­ge­ren Stü­cke mü­he­los.

Ge­ra­de bei die­sen ru­hi­ge­ren Stü­cken kommt Jar­re­aus Stim­me zur Gel­tung – es sind die Au­gen­bli­cke, in de­nen sich pu­re Ma­gie ein­stellt. Zwi­schen­drin herzt Jar­reau ei­nen Trom­pe­ter, ver­si­chert dem Pu­bli­kum, dass in dem Glas, an dem er nip­pe, nur Oran­gen­saft sei – und ist auch sonst un­wi­der­steh­lich gut ge­launt. Jar­reau strahlt per­ma­nent das aus, was man et­was ab­ge­dro­schen „po­si­ti­ve Ener­gie“nennt. Es ist Teil sei­ner Kunst, vi­el­leicht ge­nau­so wich­tig wie sei­ne Stim­me. Es ist ein Ge­schenk, die­sen Mann li­ve zu er­le­ben.

Fo­to: dpa

Al Jar­reau (76) braucht zwar ei­ne Geh­hil­fe, aber Charme und Stim­me sind ein­ma­lig

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