So wird mei­ne Ai­da

tz - - KULTUR + TV - M. BIE­BER

Die Ai­da hat ja auch ein­fach al­les. Un­end­li­che Lie­be und ab­grund­tie­fer Hass, Krieg und In­tri­gen, Fa­na­tis­mus und Men­sch­lich­keit – und na­tür­lich die Mu­sik des ne­ben Wa­gner größ­ten Opern­kom­po­nis­ten des 19. Jahr­hun­derts: Ver­di.

Ver­di heißt grün, und grün sind auch die Ver­eins­far­ben von Ra­pid Wi­en. In de­ren Sta­di­on fand am Frei­tag die gro­ße Pres­se­kon­fe­renz zu ei­ner XXXLAi­da un­ter frei­em Him­mel statt, die Pla­ci­do Do­m­in­go und sein Team ab kom­men­dem Jahr durch die Sta­di­en die­ser Welt schickt ( tz be­rich­te­te).

Hier wei­te­re Ein­zel­hei­ten zu dem Pro­jekt, das Do­m­in­go, mitt­ler­wei­le 75 Jah­re jung, mit Span­nung und Vor­freu­de er­war­tet.

Spek­ta­ku­lär wird die Büh­ne, de­ren bis zu 28 Me­ter ho­hen Fi­gu­ren und sämt­li­che sons­ti­gen Bau­ten kom­plett aus Sty­ro­por sind. Der Mas­ter­mind für den Bau ist Chris­ti­an Pohl. „Die Sty­ro­porE­le­men­te wer­den in Wetz­lar ge­fer­tigt und für die Tour zu­recht­ge­schnit­ten – zwölf mal 2,6 mal 2,5 Me­ter, ver- packt in 50 Con­tai­ner“, er­klärt der Pro­fi der tz auf dem Ter­min.

Ein Pro­blem ist et­wa die Wind­last, sagt Pohl. „Da­her ha­ben wir in den Bas­e­ments 51 Ton­nen Bal­last in Form von ge­gos­se­nen Ze­ment­blö­cken und Was­ser­fäs­sern.“Der­zeit wird die Sta­tik be­rech­net, al­les in al­lem sind für die Bau­ten 120 Mann im Ein­satz plus bis zu 130 Kräf­ten vor dem je­wei­li­gen Auf­füh­rungs-Ort.

Ei­nen „Ci­ne­ma­scope-Hol­ly­woo­dB­reit­wand­film“wol­le man mit die­ser Ai­daIns­ze­nie­rung ins Le­ben ru­fen, be­schreibt’s der Büh­ne­bild­ner Man­fred Wa­ba. Oh­ne die Oper auf­zu­fres­sen frei­lich, aber die Angst hat der Pro­fes­sor nicht. „Wir kön­nen al­ler­dings auf Knopf­druck die Sze­ne­rie än­dern, in­dem wir die rie­si­gen LED-Wän­de ver­schie­den­far­big be­spie­len – sei es mit abs­trak­ten Mus­tern oder kon­kre­ten Bil­dern.“

Die Büh­nen­ele­men­te kön­nen auf Stahl­schie­nen hin- und her­ge­fah­ren wer­den. Chris­ti­an Pohl gibt ei­ne Haus­num­mer: „Für den Stahl kön­nen Sie ei­ne Mil­li­on Eu­ro pla­nen, für das Set noch mal ei­ne Mil­li­on.“Ins­ge­samt auf vier Ebe­nen wird ge­sun­gen, ge­spielt und mu­si­ziert. Die drit­te und vier­te Ebe­ne muss, so Pohl, in zwei Tag- und Nacht­schich­ten auf­ge­baut sein. Über­haupt ein sport­li­ches Pro­gramm: Mit der Pro­duk­ti­on will man im­mer sams­tags ei­ne Auf­füh­rung pro Stadt über die Büh­ne brin­gen – mit 60 Me­ter brei­ter Büh­ne, mehr als 800 Men­schen und, das un­ter­schei­det die­se Ai­da auch von vie­len XXL-Pro­duk­tio­nen in­klu­si­ve ech­ten Tie­ren – ho­her Mu­si­kQua­li­tät.

Da­für sor­gen die Mu­si­ker und der Chor der Bu­da­pes­ter Staats­oper, hoch­ka­rä­ti­ge So­lis­ten (s. Kas­ten links) und na­tür­lich Pla­ci­do Do­m­in­go höchst­per­sön­lich. Der wird die meis­ten bis­her ge­plan­ten Auf­füh­run­gen di­ri­gie­ren, na­tür­lich auch die in Mün­chen.

„Die Ta­ge, die Mo­na­te, die Jah­re, die Jahr­zehn­te sind so schnell ver­gan­gen – oh­ne das ganz zu rea­li­sie­ren. Aber man rech­net nie mit ei­ner so lan­gen Kar­rie­re“, lä­chelt er rück­bli­ckend auf sein 50-jäh­ri­ges Büh­nen­ju­bi­lä­um. „Ich ha­be aber noch im­mer kei­ne Ei­le, in Ren­te zu ge­hen.“

Dass es um den spa­ni­schen Welt­star nie Skan­da­le gab, ist auch eher die Aus­nah­me im Bu­si­ness. War­um? „Am wich­tigs­ten ist der Op­ti­mis­mus. Man soll die Öf­fent­lich­keit und die Pres­se ge­nie­ßen, auch wenn In­ter­views manch­mal er­mü­dend sind.“Für die Zu­kunft wünscht er sich nur ei­nes: „Dass die Din­ge noch ein we­nig län­ger so wei­ter­ge­hen, wie sie im Mo­ment lau­fen.“

Wie’s in Mün­chen lau­fen wird, gibt’s im Olym­pia­sta­di­on am 5. Au­gust 2017 zu se­hen, Tel. 54 81 81 81.

Do­m­in­gos Tipps fürs skan­dal­frei­es Le­ben

Pla­ci­do Do­m­in­go vor ei­nem Mo­dell der XXXLBüh­ne

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.