Bay­ern

Leh­ren aus der Plei­te beim BVB

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Die Un­zu­frie­den­heit? Groß. Die Ver­är­ge­rung? Spür­bar. Die Stim­mung? Ge­reizt. Die Bay­ern hat­ten sich den Abend in Dortmund an­ders vor­ge­stellt. Was nach 90 Mi­nu­ten an der An­zei­ge­ta­fel ab­zu­le­sen war, sah man eben­falls in den Ge­sich­tern der Prot­ago­nis­ten. So un­ter­schied­lich die Ana­ly­sen der Stars auch aus­fie­len, in ei­nem wa­ren sie sich ei­nig: Al­le wa­ren schwer ge­nervt von der 0:1-Nie­der­la­ge und dem Ver­lust der Ta­bel­len­füh­rung. Nach­dem der FC Bay­ern im Du­ell mit den Schwarz-Gel­ben be­reits nach elf Mi­nu­ten den ers­ten Wir­kungs­tref­fer in Form des Ge­gen­tref­fers durch Pier­reE­me­rick Auba­meyang kas­siert hat­te, rap­pel­te er sich auf. Leg­te sich den Geg­ner zu­recht und such­te bis zum Schluss nach der Lü­cke in der De­ckung. Nur fand er sie nicht. Bis auf ei­nen Dis­tanz­schuss von Alon­so, der in Mi­nu­te 61 an die Lat­te knall­te, konn­ten die Münch­ner den Haus­her­ren nicht weh­tun. Tho­mas Tu­chel for­mu­lier­te es so: „Wenn man mit den Bay­ern in den Ring steigt, kann man nicht er­war­ten, dass man oh­ne blau­es Au­ge her­aus­kommt – man muss nur ste­hen blei­ben.“Die Bo­rus­sen blie­ben ste­hen, und ihr Coach hat­te mit sei­ner Ana­ly­se nicht un­recht, denn den Bay­ern fehl­te – wie zu­letzt schon – auch in Dortmund der Punch!

„Un­glück­lich ge­lau­fen“, mur­mel­te Karl-Heinz Rum­me­nig­ge auf dem Weg aus der Ka­bi­ne. Sky-Ex­per­te Lothar Mat­thä­us fand nach der Be­geg­nung da­ge­gen kla­re Wor­te für die der­zei­ti­ge Ver­fas­sung der Münch­ner. „Sie su­chen ih­re Form. Den Bay­ern fehlt die Fit­ness, die Freu­de und die Selbst­ver­ständ­lich­keit“, so der 55-Jäh­ri­ge. Phil­ipp Lahm sprach zwar von ei­nem „or­dent­li­chen Spiel“, doch der Ka­pi­tän ging auch in die Feh­ler­ana­ly­se. „Die Ge­nau­ig- keit im letz­ten Pass hat ge­fehlt. Ich glau­be, so hät­ten wir uns dann vie­le Groß­chan­cen er­ar­bei­ten kön­nen“, er­klär­te der Ka­pi­tän. Mats Hum­mels schlug in die glei­che Ker­be: „Das war ei­ne Par­tie, die wir mit ef­fek­ti­ve­rer Chan­cen­ver­wer­tung an­ders hät­ten ge­stal­ten kön­nen – mal durch den Tor­schuss an sich, mal durch den letz­ten Pass. Das ist uns nicht ge­lun­gen.“

Vor dem geg­ne­ri­schen Tor sind die Bay­ern zu­letzt viel zu harm­los ge­we­sen. Tho­mas Müller sucht sei­ne Form, Ro­bert Le­wan­dow­ski hängt in der Luft und aus dem Mit­tel­feld fehl­ten Krea­ti­vi­tät und Tem­po. Meist wa­ren die Ro­ten zu­letzt von Ein­zel­ak­tio­nen ab­hän­gig wie dem Gala-Auf­tritt von Ar­jen Rob­ben beim 3:1 in Augs­burg. Fakt ist, dass der FCB nur zwei sei­ner letz­ten sechs Li­ga­spie­le ge­won­nen hat. Das ist man vom Re­kord­meis­ter nicht ge­wohnt. Zu­min­dest der Tor­hü­ter wur­de am En­de dann doch noch mal deut­lich. Grund­sätz­lich woll­te Ma­nu­el Neu­er die Men­ta­li­tät der Mann­schaft zwar nicht in fra­ge stel­len, aber for­der­te sei­ne Kol­le­gen den­noch auf, die Ein­stel­lung in man­chen Si­tua­tio­nen zu hin­ter­fra­gen: „Wir hat­ten so vie­le Stan­dard­si­tua­tio­nen. Na­tür­lich muss nicht aus je­der ein Tor fal­len, aber zu­min­dest durch den Wil­len mal ei­ne kla­re Tor­chan­ce er­zeugt wer­den. Dass man als Spie­ler hin­geht und sich sagt: „Ich will jetzt das Tor ma­chen. Medhi Be­na­tia oder Da­ni­el van Buy­ten, die sind mit dem Glau­ben in die Stan­dards ge­gan­gen.“Und ha­ben da­bei so man­chen Punch ge­setzt.

Schwe­rer Wir­kungs­tref­fer: Auba­meyang mit dem 1:0

Fotos: Schatz, Eibner

Ver­zwei­felt: Le­wan­dow­ski und Müller

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