„Er hat mich ver­ge­wal­tigt!“

tz - - MÜNCHEN+REGION - AND­REAS THIEME

adi­ne S. (21) liebt ih­ren Kör­per. Wie sehr: Das kann man auf di­ver­sen Fo­tos se­hen, auf de­nen sich das Mo­del frei­zü­gig prä­sen­tiert. Kein Wun­der al­so, dass Män­ner auf die hüb­sche Brü­net­te flie­gen. So auch am Abend des 27. De­zem­ber 2014, als sie mit Freun­din­nen im Crown’s Club in der Ro­sen­hei­mer Stra­ße fei­ern ging. Dort lern­te sie Mu­rat K. (26, Na­me ge­än­dert) ken­nen, ei­nen wohl­ha­ben­den Spe­di­teur. Er spen­dier­te Drinks, bei­de tanz­ten und ka­men sich schnell nä­her. Spä­ter lud er das Mo­del in ein Ho­tel ein. Was nach ei­ner Lie­bes­nacht aus­sah, en­de­te laut An­kla­ge der Staats­an­walt­schaft aber bru­tal: Mu­rat K. soll Na­di­ne S. im Zim­mer ge­gen ih­ren Wil­len zum Sex ge­zwun­gen ha­ben. We­gen Ver­ge­wal­ti­gung steht er seit ges­tern vor dem Land­ge­richt.

Das Mo­del er­hebt schwe­re Vor­wür­fe ge­gen Mu­rat K. „Es steht au­ßer Fra­ge, dass zwi­schen bei­den ei­ne Sym­pa­thie da war. Im Ho­tel woll­te sie aber nur ih­re Freun­de wie­der­tref­fen. Er hat ihr vor­ge­macht, sie sei­en schon vor­ge­fah­ren und wür­den dort war­ten“, sagt Rechts­an­walt Ste­phan Lu­cas, der das Mo­del ver­tritt. Tat­säch­lich war sie al­lein mit Mu­rat K., der erst mit dem Por­tier in Streit ge­riet und dann ein Zim­mer buch­te. Dort soll es zu dem schlim­men Vor­fall ge­kom­men sein. „Der Ge­schlechts­ver­kehr wur­de un­ter Ge­walt­an­wen­dung aus­ge­übt“, sagt Ste­phan Lu­cas. „Ich bin ge­würgt wor­den“, be­haup­tet Na­di­ne S. Sie trug Hä­ma­to­me am Hals, am Ober­arm und an den Hand­ge­len­ken da­von. Noch im Schock­zu­stand ver­trau­te sie sich dem Ho­tel-Por­tier an, der so­fort die Po­li­zei rief. „Als ich in das Zim­mer kam, dach­te ich, mich trifft der Schlag: Bett­de­cke und Kis­sen wa­ren über­all im Zim­mer ver­teilt und die Ma­trat­zen ver­scho­ben“, sag­te er der Po­li­zei. Ge­gen­über Be­am­ten hat­te Na­di­ne S. die Ver­ge­wal­ti­gungs­vor­wür­fe erst­mals ge­äu­ßert – und vor Ge­richt de­tail­liert wie­der­holt.

Mu­rat K. be­strei­tet die Tat. Er be­rich­tet von hei­ßen Küs­sen – und dass bei­de ge­mein­sam be­schlos­sen hät­ten, die Nacht im Ho­tel zu ver­brin­gen. „Ein klas­si­scher One-Night-Stand.“20 Mi­nu­ten lang hät­ten bei­de ein­ver­nehm­lich Sex ge­habt. „Dann ist mir die Pus­te aus­ge­gan­gen. Das war kein Blüm­chen-Sex.“

Im Pro­zess steht Aus­sa­ge ge­gen Aus­sa­ge. Mu­rat K. wirkt erst ner­vös, spä­ter er­zählt er sou­ve­rän. Stolz be­rich­tet er, dass er auch schon mit an­de­ren Frau­en die Nacht im Ho­tel ver­bracht hät­te – in sei­nem Freun­des­kreis kei­ne Sel­ten­heit.

Na­di­ne S. da­ge­gen ist bis heu­te schwer be­las­tet. „Ei­ne The­ra­pie hat ihr nicht ge­hol­fen“, sagt Lu­cas. Um wie­der glück­lich zu wer­den, ließ sie sich im April 2015 für den Play­boy ero­tisch fo­to­gra­fie­ren. „Das hat mir ge­hol­fen, al­les zu ver­ar­bei­ten“, sagt Na­di­ne. „Es war ei­ne Chan­ce, mir zu be­wei­sen, dass ich ei­ne schö­ne Frau bin, die selbst über ih­ren Kör­per be­stim­men kann.“Mitt­ler­wei­le hat das Mo­del ge­hei­ra­tet und ei­nen drei Mo­na­te al­ten Sohn. „Das gibt mir viel Kraft und Halt.“

Mu­rat K. dro­hen im Fal­le ei­ner Ver­ur­tei­lung mehr als vier Jah­re Haft.

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