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Die ge­fälsch­te Be­schei­ni­gung

tz - - MÜNCHEN+REGION - HEI­DI B., VERMIETERIN AUS MÜN­CHEN SU­SAN­NE SAS­SE

sagt An­na Ma­ria S.: „Ger­ne auch auf mei­ne Kos­ten – von ei­nem schö­nen Haus­flur tren­nen uns doch nur ein paar Pin­sel­stri­che. Aber dür­fen wir Mie­ter denn selbst bei den an­ste­hen­den Re­no­vie­rungs­ar­bei­ten an­pa­cken?,“fragt sie.

„Nein, oh­ne Ge­neh­mi­gung des Ver­mie­ters dür­fen Mie­ter nicht die Ge­mein­schafts­flä­chen strei­chen, da sie die­se ja nicht an­ge­mie­tet ha­ben“, warnt Miet­rechts­ex­per­tin An­ja Franz vom Mie­ter­ver­ein Mün­chen. Wil­ligt der Ver­mie­ter ein, dann ha- Ich bin Vermieterin und auf den pünkt­li­chen Ein­gang der Mie­te an­ge­wie­sen, da ich die Woh­nung als Al­ters­ver­sor­gung ge­kauft ha­be und mo­nat­lich den Kre­dit be­die­nen muss. Seit dem 15. Sep­tem­ber wohnt nun ei­ne Mie­te­rin in der Woh­nung, die sich den Miet­ver­trag mit­hil­fe ei­ner ge­fälsch­ten Be­schei­ni­gung ih­res an­geb­li­chen vor­he­ri­gen Ver­mie­ters er­gau­nert hat. Das ha­ben wir her­aus­ge­fun­den, als wir kürz­lich bei dem an­geb­li­chen Vor­ver­mie­ter an- ben die Mie­ter auch kei­nen An­spruch auf die Er­stat­tung der Kos­ten – au­ßer, sie ha­ben das zu­vor mit dem Ver­mie­ter schrift­lich ver­ein­bart. Die Mie­ter­schüt­ze­rin rät Mie­tern, sich bei Pro­ble­men mit der Sau­ber­keit in ei­nem Haus am bes­ten ge­mein­sam und schrift­lich beim Ver­mie­ter zu be­schwe­ren. „Dann ha­ben sie Zeu­gen“, sagt Franz. „Auf dem Schrei­ben kann man dann auch ru­hig ver­mer­ken, dass man nicht mehr be­reit ist, die vol­len Kos­ten für die Haus­rei­ni­gung zu über­neh­men – in der Re­gel re­agie­ren die Ver­mie­ter dann schon. Tun sie das aber nicht, bleibt den Mie­tern schluss­end­lich nur die Kla­ge auf Re­no­vie­rung.“Die Mie­te we­gen Re­no­vie­rungs­be­darfs zu min­dern, emp­feh­le sich we­ni­ger, da hier die Mie­te nur um sehr ge­rin­ge Be­trä­ge ge­kürzt wer­den kann. rie­fen – er kann­te die Da­me gar nicht. Sie hat auch ei­nen Teil der ver­ein­bar­ten Kau­ti­on nicht über­wie­sen und zahlt nun die Mie­te nicht voll­stän­dig be­zie­hungs­wei­se pünkt­lich. Muss ich war­ten, bis sich die Aus­stän­de auf drei Mo­nats­mie­ten an­ge­häuft ha­ben? Ich will an sich so­fort frist­los kün­di­gen, denn auf­grund der Vor­komm­nis­se ist das Ver­trau­ens­ver­hält­nis völ­lig zer­stört. Bit­te rich­ten Sie Ih­re Fra­gen (plus Te­le­fon­num­mer für Rück­fra­gen) an die Mie­ter­ver­ein-Vor­sit­zen­de Bea­trix Zu­rek (r.) und ih­re Kol­le­gin An­ja Franz: Stich­wort „tz-Le­ser fra­gen die Mie­ter­prä­si­den­tin“, per Post an die Lo­kal­re­dak­ti­on,80282 Mün­chen, per Fax an 089/5 30 65 67 oder per Mail an: lo­ka­les@tz.de. Bit­te ha­ben Sie Ver­ständ­nis, dass wir kei­ne aus­führ­li­che Ein­zel­fall­be­ra­tung vor­neh­men kön­nen.

Die tz wand­te sich an die GBW – und er­reich­te, dass et­was ge­schieht. Die Lö­cher im Bo­den am Ein­gangs­be­reich wur­den pro­vi­so­risch ge­flickt, in den kom­men­den Wo­chen soll er rich­tig re­no­viert wer­den. „Wir ar­bei­ten selbst­ver­ständ­lich dar­an, tat­säch­lich vor­han­de­ne Män­gel zu be­he­ben“, schreibt ei­ne Spre­che­rin. Die Fuß­mat­te im Ein­gangs­be­reich wer­de durch ei­ne neue aus­ge­tauscht, die mit der Rei­ni­gung des Trep­pen­hau­ses be­auf­trag­te Fir­ma in­ten­si­ver über­wacht, für die Rei­ni­gung des Bür­ger­steigs sei ab so­fort ein neu­er Di­enst­leis­ter zu­stän­dig. „Die Rei­ni­gung er­folgt nun wie­der re­gel­mä­ßig“, ver­spricht die GBW. Dass al­ler­dings die Mie­ter nun selbst mit Hand an­le­gen, will die GBW nicht – sie müs­sen sich noch in Ge­duld üben.

Legt der Mie­ter dem Ver­mie­ter ei­ne ge­fälsch­te Be­schei­ni­gung ei­nes an­geb­lich frü­he­ren Ver­mie­ters vor, ist der Ver­mie­ter nach höchst­rich­ter­li­cher Recht­spre­chung zur frist­lo­sen Kün­di­gung des Miet­ver­hält­nis­ses be­rech­tigt. Das er­klärt Ru­dolf Stür­zer, Vor­sit­zen­der von Haus und Grund. „Dies hat so im Jahr 2014 der Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­den.“Straf­recht­lich ist das Fäl­schen ei- ner Ver­mie­ter­be­schei­ni­gung ei­ne Ur­kun­den­fäl­schung, zi­vil­recht­lich bin­det ein auf solch ei­ner Grund­la­ge ge­schlos­se­ner Ver­trag den Ver­mie­ter nicht, er kann ihn an­fech­ten und dann gilt er als nicht ge­schlos­sen.

Nach der neus­ten Recht­spre­chung be­rech­tigt ein Zah­lungs­ver­zug von ei­ner Mo­nats­mie­te den Ver­mie­ter grund­sätz­lich schon zur Kün­di­gung.

Fo­tos: Micha­el Wes­ter­mann

In die­sem Haus an der Schin­kel­stra­ße (Schwa­bing) lebt An­na Ma­ria S. Ein Bild aus dem Trep­pen­haus – neu­er An­strich drin­gend nö­tig Mie­te­rin An­na Ma­ria S. zeigt die schad­haf­te Stel­le im Flur – hier ist sie ge­stürzt

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