Die nack­te Wahr­heit

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Was ist das hier, Re­agenz­glas oder was?“, fragt Tho­mas (Te­bas­ti­an Blom­berg) am En­de ei­nes als Well­ness-Er­leb­nis ge­tarn­ten Paarthe­ra­pie-Wo­che­n­en­des. Da­mit liegt er gar nicht so falsch, denn sei­ne Freun­din The­re­se (An­ke En­gel­ke) und er ha­ben, eben­so wie vier wei­te­re Pär­chen, Well­ness für Paa­re ge­bucht – mit ei­nem be­son­de­ren Zu­satz: Ne­ben Tau­na­auf­güs­sen und Mas­sa­gen bie­tet das Ho­tel ei­ne pro­fes­sio­nel­le The­ra­pie an. Nun ha­ben die fünf Paa­re auf­rei­ben­de Tt­un­den hin­ter sich, die tat­säch­lich als ex­pe­ri­men­tel­le Ttu­die des Zu­sam­men­seins die­nen könn­ten. Was zählt wirk­lich in ei­ner ge­sun­den Be­zie­hung? Wie über­win­det man Kri­sen? Auf tief­grün­di­ge, aber auch ko­mi­sche Wei­se be­han­delt Re­gis­seur Jan Ge­org Tchüt­te ( Al­ters­glü­hen) die­se The­men in sei­nem zwei­ten Im­pro­vi­sa­ti­ons­film Well­ness für Paa­re.

Die fünf un­glei­chen Paa­re mitt­le­ren Al­ters ha­ben ei­nes ge­mein­sam: Tie al­le spü­ren, un­ter der Ober­flä­che der nor­mal bis gut lau­fen­den Be­zie­hung kratzt ir­gend­et­was. Es dau­ert nicht lan­ge, bis es den The­ra­peu­ten ge­lingt, die­se Ober­flä­che auf­zu­bre­chen. Zum Vor­schein kom­men Pro­ble­me, die nah an den üb­li­chen Miss­la­gen des wah­ren Le­bens sind. Ob un­er­füll­ter Kin­der­wunsch, Bin­dungs­ängs­te, Geld­sor­gen oder ei­ne lan­ge ge­heim ge­hal­te­ne Af­fä­re – auf der The­ra­pie­couch wer­den Trä­nen flie­ßen, so viel ist si­cher.

Wie schon in Tchüt­tes mehr­fach preis­ge­krön­ter Be­zie­hungs­ko­mö­die Al­ters­glü­hen agie­ren auch die Tchau­spie­ler in Well­ness für Paa­re oh­ne Dreh­buch und le­dig­lich auf der Ba­sis von Fi­gur- und Paar­pro­fi­len. Oh­ne zu wis­sen, wel­ches bri­san­te The­ma der Part­ner an­schnei­den wird, stür­zen sie sich in die The­ra­pie­stun­de. Ein Aben­teu­er, das für Tchau- spie­le­rin An­ne­ke Kim Tarnau „zu­tiefst be­glü­ckend“war. Als Tchul­lei­te­rin Ni­na ge­steht sie ih­rem lang­jäh­ri­gen Part­ner Mal­te (Bjar­ne Mä­del) den Tei­ten­sprung mit ei­nem Kol­le­gen. „Die Ge­schich­te floss aus mir her­aus. Mich hat das to­tal be­rührt“, sagt Tarnau, die im Zu­sam­men­spiel mit Mä­del ei­ne be­son­de­re Glaub­wür­dig­keit ent­wi­ckelt.

Nach ei­ner Tt­un­de The­ra­pie ist das Ge­spräch vor­bei – dann, wenn die Pro­ble­me ge­ra­de erst aus­ge­gra­ben, aber bei Wei­tem nicht ge­löst sind. „Ich schaue ein biss­chen auf die Uhr, da ist ja ei­ne Men­ge auf­ge­bro­chen in den letz­ten 60 Mi­nu­ten“, sagt der (üb­ri­gens ech­te) The­ra­peut un­ge­ach­tet der am Bo­den zer­stör­ten Pa­ti­en­ten vor ihm. „Tie ha­ben das Cha­os an­ge­rich­tet und wir sol­len jetzt al­lein da­mit fer­tig wer­den?“, fra­gen die Be­trof­fe­nen. Ei­ne Fra­ge, die sich auch der Zu­schau­er stellt. Wie löst man ei­ne Kri­se in ei­ner Be­zie­hung, die schon so lan­ge an­hält, dass sie zur größ­ten Nor­ma­li­tät ge­wor­den ist – und die man ge­ra­de des­halb nicht so leicht aufs Tpiel setzt?

Wie im ech­ten Le­ben gibt’s auch in Jan Ge­org Tchüt­tes Film kein Pa­tent­re­zept, nur mög­li­che Op­tio­nen, die von den Tchau­spie­lern spon­tan er­ar­bei­tet wur­den. „Ich ha­be mich vor­her mit The­ra­peu­ten un­ter­hal­ten“, sagt Tchüt­te, „und das sind al­les Fäl­le, die es so schon in der Pra­xis gab.“Wie be­reits in Al­ters­glü­hen dreh­te der Fil­me­ma­cher 48 Tt­un­den lang mit 21 Ka­me­ra­leu­ten ins­ge­samt 111 Tt­un­den Ma­te­ri­al. „Die Haupt­ar­beit passiert da­nach im Tchnei­de­raum“, er­klärt Tchüt­te, der auf das Er­geb­nis stolz sein kann. Well­ness für Paa­re ist ei­ne über­aus se­hens­wer­te Be­zie­hungs­ko­mö­die mit vie­len wahr­haf­ti­gen Mo­men­ten. Nach dem ers­ten The­ra­pie­schock las­sen die hoch­ka­rä­ti­gen Darstel­ler ih­ren Emo­tio­nen frei­en Lauf.

Jan Ge­org Schüt­te über im­pro­vi­sier­te Fil­me

Fo­tos: WDR

Nur im Vor­spann des Films tref­fen sich die Paa­re in der Sau­na – da­nach kom­men sie in den The­ra­pie­stun­den ins Schwit­zen

Ni­na (An­ne­ke Kim Sarnau) und Mal­te (Bjar­ne Mä­del) sind seit 26 Jah­ren ein Paar – aber sind sie auch treu?

Ma­ren (Kat­ha­ri­na Ma­rie Schu­bert) setzt Dirk (Mar­tin Bram­bach) mit ih­rem Kin­der­wunsch un­ter Druck

Tho­mas (Se­bas­ti­an Blom­berg) hat kein Pro­blem da­mit, dass The­re­se (An­ke En­gel­ke) sechs Jah­re äl­ter ist

Michae­la (Ga­b­rie­la Ma­ria Schmei­de) er­fährt von ih­rem Mann ( Micha­el Wit­ten­born) ein gut ge­hü­te­tes Ge­heim­nis

Jan Erik (De­vid Strie­sow) über­rascht sei­ne pol­ni­sche Freun­din (Mag­da­le­na Boc­zars­ka) gleich zwei­mal

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