Rü­cken­schmer­zen Wel­che Bay­ern am meis­ten lei­den

Be­hand­lungs­zah­len für al­le Land­krei­se

tz - - ERSTE SEITE - AND­REAS BEEZ

Deutsch­land zwickt der Rü­cken. Und Bay­ern ganz be­son­ders: Nur die Preißn, par­don: Ber­li­ner ge­hen noch häu­fi­ger we­gen Wir­bel­säu­len­be­schwer­den zum Arzt. Be­son­ders in Ost­bay­ern stür­men die Pa­ti­en­ten re­gel­recht die Pra­xen, wie sich an­hand ei­ner neu­en Stu­die der Ber­tels­mann-Stif­tung her­aus­kris­tal­li­siert. Der Land­kreis Din­gol­fin­gLan­dau ist so­gar Spit­zen­rei­ter im bun­des­wei­ten Ver­gleich. Hier ha­ben die Sta­tis­ti­ker 730 Rü­cken­be­hand­lun­gen pro 1000 Kran­ken­kas­sen-

Quer durch die Re­pu­blik ma­chen Ra­dio­lo­gen und ih­re Mit­ar­bei­ter jähr­lich et­wa sechs Mil­lio­nen Auf­nah­men vom Rü­cken – ne­ben Rönt­gen­bil­dern und Com­pu­ter­to­mo­gra­fi­en (CT) vor al­lem Ma­gnet­re­so­nanz­to­mo­gra­fi­en (MRT). Laut Stu­die der Ber­tels­mann-Stif­tung wer­den bun­des­weit pro 1000 Ver­si­cher­ten 120 MRT-Un­ter­su­chun­gen vor­ge­nom­men. In der Stadt Mün­chen da­ge­gen sind es 180, im Land­kreis Mün­chen 190 und im Land­kreis Ebers­berg so­gar 206! „Die ho­he Zahl ist kri­tisch zu be­wer­ten“, sagt Stu­di­en-Pro­jekt­ma­na­gerEck­hard Vol­bracht der tz.

Schließ­lich ver­ur­sa­che ei­ne un­nö­ti­ge Un­ter­su­chung nicht nur Kos­ten, son­dern in man­chen Fäl- Ver­si­cher­ten er­mit­telt. War­um gera­de die Ost­bay­ern so oft mit dem Kreuz zu kämp­fen ha­ben, dar­auf kön­nen sich die Stu­di­en-Ex­per­ten kei­nen Reim ma­chen. Die Re­gi­on Mün­chen liegt zwar „nur“im Deutsch­land­schnitt von 448 Be­hand­lungs­fäl­len, sorgt aber mit ei­ner an­de­ren zwei­fel­haf­ten Best­mar­ke für Fu­ro­re: In der Isar-Me­tro­po­le und dem Um­land wer­den so vie­le Men­schen in die „Röh­re“ge­scho­ben wie in we­ni­gen an­de­ren deut­schen Ge­gen­den. len auch ver­meid­ba­re ge­sund­heit­li­che Ri­si­ken, warnt der Prä­si­dent der Deut­schen Wir­bel­säu­len­li­ga, Dr. Rein­hard Schnei­der­han, im tzIn­ter­view (sie­he un­ten). Das gel­te für über­flüs­si­ge Rönt­gen- und CTAuf­nah­men, weil die Pa­ti­en­ten da­bei ei­ner Strah­len­be­las­tung aus­ge­setzt wer­den müs­sen.

Aber das hält vie­le Ärz­te trotz­dem nicht da­von ab, die Un­ter­su­chun­gen an­zu­ord­nen. Je­der fünf­te Pa­ti­ent sei be­reits in den ers­ten drei Mo­na­ten nach der Erst­dia­gno­se durch­leuch­tet wor­den, so die Stu­die. Da­bei emp­feh­len die me­di­zi­ni­schen Leit­li­ni­en dies frü­hes­tens, wenn her­kömm­li­che The­ra­pi­en wie Schmerz­mit­tel oder Kran­ken­gym­nas­tik kei­nen Er­folg hat­ten. In über der Hälf­te der Fäl- le hat­te es je­doch vor der Bild­auf­nah­me gar kei­nen The­ra­pie­ver­such ge­ge­ben.

21 Pro­zent der Pa­ti­en­ten wur­den in den fünf Jah­ren nach ih­rer Dia­gno­se zwei- bis drei­mal durch­leuch­tet – sie­ben Pro­zent öf­ter als vier­mal. Bei je­dem sechs­ten Pa­ti­en­ten ver­an­lass­ten Me­di­zi­ner ei­ne Auf­nah­me, oh­ne dass es Warn­hin­wei­se auf ei­nen ernst­haf­ten Krank­heits­ver­lauf gab, et­wa Läh­mun­gen oder Brü­che. Oh­ne sol­che Hin­wei­se se­hen die Leit­li­ni­en kei­nen An­lass für ein Bild­ge­bungs­ver­fah­ren. War­um aber wer­den trotz­dem so vie­le Rönt­gen-, CT-, und MRTAuf­nah­men ge­macht? Hier­zu lie­fert ei­ne Pa­ti­en­ten­um­fra­ge im

Rah­men der Stu­die Er­kennt­nis­se: So er­war­ten 60 Pro­zent der Be­frag­ten schnell ei­ne Un­ter­su­chung mit bild­ge­ben­den Ver­fah­ren.

Auch man­che ■ Ärz­te ha­ben ein In­ter­es­se dar­an, mög­lichst vie­le Auf­nah­men zu ver­an­las­sen. Sie müs­sen die ho­hen An­schaf­fungs­kos­ten der Ge­rä­te wie­der er­wirt­schaf­ten. Da­bei macht’s die Mas­se, wie ei­ni­ge Preis­bei­spie­le ver­deut­li­chen: ■ Für ei­ne MRT von Tei­len der

Wir­bel­säu­le stel­len die Ärz­te den ge­setz­li­chen Kran­ken­kas­sen 120,21 Eu­ro in Rech­nung. ■ Ei­ne CT von Tei­len der Wir­bel­säu­le bringt bei ge­setz­lich Ver­si­cher­ten 73,60 Eu­ro.

Ei­ne Rönt­gen­un­ter­su­chung von Tei­len der Wir­bel­säu­le in min­des­tens zwei Ebe­nen ho­no­rie­ren die ge­setz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­run­gen mit 15,07 Eu­ro.

Die Ver­gü­tun­gen der pri­va­ten Kran­ken­kas­sen sind hö­her.

Al­ler­dings sei­en die ge­nann­ten Be­trä­ge nicht als Ge­winn zu be- wer­ten, be­to­nen Ra­dio­lo­gen. Im­mer­hin müs­se der Arzt nicht nur die ho­hen In­ves­ti­ti­ons­kos­ten schul­tern. Ein Com­pu­ter­to­mo­graf kann ab 250 000 bis 300 000 Eu­ro kos­ten, ein Ma­gnet­re­so­nanz­to­mo­graf ab 750 000 bis über ei­ne Mil­li­on Eu­ro. Da­zu kä­me noch das Per­so­nal für den Be­trieb der An­la­gen so­wie die teu­re War­tung. Dem hal­ten Pa­ti­en­ten­schüt­zer ent­ge­gen, dass es sich bei bild­ge­ben­den Ver­fah­ren trotz­dem um wirt­schaft­lich lu­kra­ti­ve Leis­tun­gen han­de­le.

Der Pa­ti­ent liegt in ei­ner Röh­re, der Ma­gnet­re­so­nanz­to­mo­graf lie­fert Schnitt­bil­der von der Wir­bel­säu­le

Fo­tos: dpa, Get­ty Images

Je­der fünf­te Kran­ken­ver­si­cher­te in Deutsch­land geht we­gen Rü­cken­schmer­zen zum Arzt

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