Peg­gy

War NSU-Kil­ler doch am Tat­ort?

tz - - ERSTE SEITE - MAR­KUS CHRISTANDL

Wie kam die DNA des Rechts­ter­ro­ris­ten Uwe Böhn­hardt an die Fund­stel­le von Peg­gys Lei­che im Wald bei Ro­da­cher­brunn in Thü­rin­gen? Vor fast ex­akt fünf Jah­ren ließ sich Böhn­hardt ja in Ei­se­nach nach ei­nem Bank­über­fall von sei­nem Kom­pli­zen Uwe Mund­los er­schie­ßen. Nun ver­blüfft, dass sein Erb­gut bei Peg­gys Lei­che of­fen­bar in na­he­zu per­fek­ter Rein­heit vor­liegt. „16 von 16 Merk­ma­len konn­ten Böhn­hardt zu­ge­wie­sen wer­den“, weiß der SPD-Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te Uli Grötsch (41) aus Wei­den, der im drit­ten NSU-Un­ter­su­chungs­aus­schuss des Bun­des­tags sitzt. Die Nach­richt von der Ent­de­ckung der DNA, die auf ei­nem fin­ger­na­gel­gro­ßen Stoff­fet­zen un­ter den sterb­li­chen Über­res­ten von Peg­gy ge­fun­den wor­den war, schlug auch im Aus­schuss ein „wie ei­ne Bom­be“, sagt Grötsch. Auch die Er­mitt­lungs­be­hör­den sei­en über­rascht wor­den. Dann aber die Er­nüch­te­rung, als be­kannt wur­de, es kön­ne sich um ei­ne Ve­r­un­rei­ni­gung durch ei­nen Me­ter­stab han­deln. Die­sen Me­ter­stab hat­te das LKA Thü­rin­gen so­wohl beim Wohn­mo­bil, in dem Böhn­hardt und Uwe Mund­los star­ben, als auch am Fund­ort von Peg­gys Lei­che ver­wen­det.

Doch Grötsch, bis zu sei­ner Wahl Po­li­zist in Waid­haus, hält ei­ne Über­tra­gung der Spur über den Me­ter­stab „für ex­trem un­wahr­schein­lich. Ich kann mir nicht vor­stel­len, dass auf ihm bei­spiels­wei­se Blut über fünf Jah­re dran ist und dies kei­nem auf­fällt“. Das LKA Thü­rin­gen be­tont je­den­falls, sich an die bun­des­wei­ten Stan­dards zu hal­ten. Ti­na Büch­ner (43), Spre­che­rin LKA Thü­rin­gen: Das Werk­zeug der Tat­ort­grup­pe wird na­tür­lich nach je­dem Ein­satz gründ­lichst ge­rei­nigt. Es gibt Vor­schrif­ten, um Über­tra­gung von DNA-Ma­te­ri­al zu ver­hin­dern. Da müs­sen vie­le Ab­läu­fe ein­ge­hal­ten wer­den.“Dass das „Spu­ren­si­che­rungs­ge­rät“, wie der Me­ter­stab im­mer be­zeich­net wird, an der Über­tra­gung schuld sein soll, war für die Er­mitt­ler von An­fang an nur ein An­halts­punkt. „Ei­ne kri­mi­na­lis­tisch be­last­ba­re, fall­be­zo­ge­ne Beur­tei­lung kann erst bei Vor­lie­gen al­ler Er­geb­nis­se er­fol­gen“, teil­ten die Staats­an­walt­schaft Bay­reuth und das Po­li­zei­prä­si­di­um Ober­fran­ken vor ei­ner Wo­che mit. Die Er­mitt­lun­gen lau­fen in al­le Rich­tun­gen und sol­len län­ger dau­ern. Da­bei hät­te man sich nicht auf ei­ne Hy­po­the­se fest­ge­legt.

Dass die DNA all die Jah­re – bei Schnee, Re­gen und Son­ne – so gut über­stand, dass sie durch Um­welt­ein­flüs­se nicht an­ge­grif­fen wur­de, sorgt für Er­stau­nen. Der Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te Grötsch: „Das ist ei­gent­lich kaum zu glau­ben.“Be­fand sich das Erb­gut auf dem Rest ei­ner De­cke, in der Peg­gy viel­leicht trans­por­tiert wor­den war? Das wür­de zu­min­dest er­klä­ren, wes­halb der be­tref­fen­de Stoff­fet­zen un­ter dem er­mor­de­ten Kind lag.

Mit den nun be­kann­ten Ent­wick­lun­gen könn­te Böhn­hardt er­neut mit dem Mord­fall Peg­gy in Ver­bin­dung ge­bracht wer­den. Es gab durch­aus Be­rüh­rungs­punk­te zwi­schen den mör­de­ri­schen Na­zis mit dem Le­bens­um­feld von Peg­gy. Der NSU soll bei Ro­da­cher­brunn ei­ne Wald­hüt­te ge­nutzt ha­ben, Peg­gys Mut­ter er­hielt Hass­brie­fe von Rech­ten. Und: Auf ei­nem Com­pu­ter des NSUT­ri­os wur­de kin­der­por­no­gra­fi­sches Ma­te­ri­al ent­deckt.

Die sterb­li­chen Über­res­te von Peg­gy wur­den in ei­nem Wald­stück ent­deckt. Dort fan­den die Er­mitt­ler auch die DNA von Uwe Böhn­hardt – in ver­blüf­fen­der Rein­heit

Fo­tos: dpa, pri­vat, ARD

Der SPD-Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te Uli Grötsch be­zwei­felt, dass sich am Me­ter­stab die DNA von Böhn­hardt be­fand: „Ex­trem un­wahr­schein­lich.“

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.