Klins­mann: Job weg, Haus weg

Norbert Haug kennt Ni­co Ros­berg von Kind­heit an – er glaubt an den Ti­tel

tz - - ERSTE SEITE - IN­TER­VIEW: RALF BACH

Ein­fach nur Platz drei – das muss doch drin sein! Mit eben so ei­nem drit­ten Platz in Abu Dha­bi am Sonn­tag (14 Uhr, RTL und Sky) wür­de sich Ni­co Ros­berg (31) zum For­mel-1-Welt­meis­ter krö­nen. Er wä­re der drit­te Deut­sche, der ers­te Deut­sche in ei­nem Mer­ce­des. Die tz sprach des­halb mit dem Mann, der den Ti­tel­fa­vo­ri­ten schon kann­te, als der noch ein Jun­ge war: Ex-Mer­ce­des-Mo­tor­sport­chef Norbert Haug. Das tz- In­ter­view:

Herr Haug, wie lan­ge ken­nen Sie Ni­co schon?

Haug: Wir ha­ben uns schon sehr früh ken­nen­ge­lernt. Sein Va­ter Ke­ke und ich wa­ren Freun­de, lan­ge be­vor Ke­ke 1982 Welt­meis­ter wur­de. Ni­co war und ist ein su­per Kerl, da­mals wie heu­te.

Was ge­nau ist Ih­re ers­te Er­in­ne­rung an Ni­co?

Haug: Ich ha­be kei­ne ers­te Er­in­ne­rung an Ni­co. Un­ser ers­tes pro­fes­sio­nel­les Mit­ein­an­der geht ins Jahr 2000 zu­rück, als McLa­ren und wir das so­ge­nann­te mbm-Kart­team (Mer­ce­des-Benz-Mcla­ren) fi- nan­zier­ten, in dem er und Le­wis Ha­mil­ton ge­för­dert wur­den.

Sind Sie von sei­ner Ent­wick­lung über­rascht?

Haug: Ni­co hat sich all sei­ne Er­fol­ge er­ar­bei­tet, sich kon­ti­nu­ier­lich ge­stei­gert und in die­ser Sai­son neun Ren­nen ge­won­nen. Mit Glück geht so ei­ne Er­folgs­bi­lanz auch im bes­ten Au­to und im bes­ten Team nicht, son­dern nur mit Kön­nen.

Hat ihn sei­ne Zeit mit Micha­el Schu­ma­cher ge­prägt? Wie ist er mit der Bür­de um­ge­gan­gen, ne­ben ei­nem Schu­ma­cher be­ste­hen zu müs­sen?

Haug: Mit gro­ßem Selbst­be­wusst­sein. Ich den­ke, es war ein Se­gen für Ni­co, drei Jah­re an der Sei­te von Micha­el zu ar­bei­ten. Wenn sich ein Fah­rer bei Micha­el nichts ab­schau­en kann, wo denn dann? Micha­el war auch im letz­ten Jahr sei­ner Kar­rie­re Schnells­ter der Qua­li beim GP von Mo­na­co, der Mut­ter al­ler Renn­stre­cken! Micha­el hat von 2010 bis 2012 ge­hol­fen, ganz wich­ti­ge Wei­chen im Team zu stel­len, die die Ba­sis für den Auf­stieg wa­ren. Und er war bei un­se­rem ers­ten Sieg 2012 in Chi­na ge­nau­so wie Ni­co in der Po­si­ti­on, Ers­ter zu wer­den – bis es das Pro­blem mit der Rad­mut­ter beim Bo­xen­stopp gab. Ni­co emp­fand es nicht als Bür­de, ne­ben Micha­el zu fah­ren, er be­griff es viel­mehr als Chan­ce, den größ­ten Renn­fah­rer al­ler Zei­ten als Team­kol­le­gen zu ha­ben. Und er nutz­te die­se Chan­ce per­fekt.

Wel­chen Bei­trag hat Ros­berg als Fah­rer beim Auf­bau des Teams ge­leis­tet?

Haug: Von Fah­rer­sei­te schon des­halb den größ­ten, weil Ni­co nun be­reits im sieb­ten Jahr im Team fährt – so viel wie Le­wis und Micha­el zu­sam­men. Wie kann man ihn denn am bes­ten als Fah­rer cha­rak­te­ri­sie­ren?

Haug: Ni­co ist ein in­tel­li­gen­ter Ler­nen­der, der sich fort­lau­fend selbst for­dert und da­mit för­dert. Sei­ne in­ne­re Ba­lan­ce stimmt, er kon­zen­triert sich auf das, was ihn vor­an­bringt und ver­zich­tet wei­test­ge­hend auf zeit- und ner­ven­rau­ben­de Emo­tio­nen. Er ist schnell und fo­kus­siert und hat nor­ma­ler­wei­se nur ganz geringe Form­schwan­kun­gen. Er ist ar­beit­sam und ana­ly­tisch, hin­ter­fragt und er bil­det ein Team mit po­si­ti­vem Geist um sich.

Er hät­te den Ti­tel al­so mehr als ver­dient…

Haug: Ja, denn nur wer wäh­rend ei­ner Sai­son die meis­ten Punk­te sam­melt, hat den Ti­tel ver­dient. Und wer so ziel­ge­rich­tet über vie­le Jah­re da­für kämpft, wer sich von Rück­schlä­gen und dem ti­tel­ge­win­nen­den Team­kol­le­gen nicht be­ein­dru­cken lässt, so wie ein Ni­co Ros­berg, hat den WMTi­tel ganz be­son­ders ver­dient.

Er­in­nern Sie sich noch an ei­ne be­son­ders schö­ne An­ek­do­te, zum Bei­spiel zu sei­nem ers­ten Sieg?

Haug: Ja. Es war Ni­cos 111. For­mel-1-Ren­nen, der GP Chi­na 2012.Ich fand den Ein­gang zum Sie­ger­po­di­um nicht, weil ich dort oben zu­vor noch nie war, die Ze­re­mo­nie hat­te schon be­gon­nen, als ich als Te­am­ver­tre­ter an­kam. Es war ein Mei­len­stein für Ni­co, der und sein ganz per­sön­li­cher Mei­len­stein, Ni­cos Durch­bruch zum Sieg­fah­rer. Und si­cher auch der Grund­stein zu sei­ner ak­tu­el­len WM-Kam­pa­gne.

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