Zur Sa­che, Che­fin!

tz - - ERSTE SEITE - M ATTHIAS BIE­BER

Spricht man von den 68ern, spricht man von Schwa­bing. Und dem Film, der das da­ma­li­ge Le­bens­ge­fühl auf den Punkt brach­te. Zur Sa­che, Schätz­chen ist bis heu­te ein ge­flü­gel­tes Wort – und der Film der Start­schuss für Uschi Glas’ jahr­zehn­te­lan­ge Kar­rie­re.

Doch was ist ei­gent­lich mit den an­de­ren? Mit Uschis Film­part­ner Wer­ner En­ke, mit sei­ner Part­ne­rin, der Re­gis­seu­rin May Spils? Was weiß man heu­te noch vom Film, des­sen Ti­tel zum ge­flü­gel­ten Wort ge­wor­den ist? Die Pa­sin­ger Fa­b­rik wid­met dem Kult­film ei­ner Ge­ne­ra­ti­on ab 1. De­zem­ber ei­ne Aus­stel­lung. Wir be­ge­ben uns in den kom­men­den Wo­chen auf Spu­ren­su­che und be­gin­nen heu­te mit un­se­rem In­ter­view mit May Spils (75), der Re­gis­seu­rin. Zur Sa­che, Che­fin!

Frau Spils, die ers­te Film­sze­ne ist ge­ni­al und sagt al­les. Ein jun­ger Mann lüm­melt sich auf dem Bett, Lärm vor dem Fens­ter: ein Ein­bruch! Der Mann schaut sich das an – und geht wie­der ins Bett. Wie ka­men Sie dar­auf?

May Spils: Der En­ke und ich (Spils spricht ih­ren Le­bens­part­ner im Ver­lauf des In­ter­views im­mer mit dem Nach­na­men an, d. Red.) ha­ben das aus der Zei­tung, da gab es ei­nen ganz ähn­li­chen Fall. Wir ha­ben über­haupt vie­le Ar­ti­kel ge­sam­melt, En­ke hat­te ei­ne rie­si­ge Gag­map­pe. Dass der Film bis heu­te so leicht wirkt, liegt wohl dar­an, dass viel Pri­va­tes ein­ge­flos­sen ist: wie En­ke und ich mit­ein­an­der um­ge­gan­gen sind, wie wir ge­spro­chen ha­ben, die Wit­ze …

Da­bei en­de­te der Film in der U-Ver­si­on tra­gisch: Der Haupt­dar­stel­ler wird von der Po­li­zei er­schos­sen … Spils: Ich fin­de ihn ei­gent­lich im­mer noch ganz flott. Er ist ko­misch, poe­tisch und me­lan­cho­lisch. Und bei der Sze­ne, wo En­ke im Eng­li­schen Gar­ten sagt, dass ihm die al­ten Frau­en auf der Bank leid tä­ten, wird mir heu­te ganz merk­wür­dig. Weil ich heu­te selbst da sit­zen könn­te. Ich lau­fe durch Schwa­bing und se­he noch im­mer un­heim­lich vie­le Leu­te, die ich von frü­her ken­ne, am Stock, mit Rol­la­tor. Der Blick­win­kel wird im Al­ter mil­der. Und die Ge­sund­heit wich­ti­ger als frü­her. Als jun­ger Mensch denkt man dar­an Spils: Ja, ur­sprüng­lich soll­te En­ke Haupt­rol­le zu viel ge­we­sen. Ich hat­te ja auch als letz­tes … ster­ben. Aber dann pas­sier­te das Dra­lie­ber den Über­blick, au­ßer­dem konn­te Spils: Wir ha­ben ge­raucht wie die ma um Ben­no Oh­ne­s­org, und die­se Pa­der En­ke stres­sig sein. Er hat oft rumSchlo­te, ge­trun­ken … wir fühl­ten uns ral­le­le woll­ten wir nicht zie­hen. Es gibt ge­mo­sert und ab und zu auch mal ein un­sterb­lich. Das ist so, wenn man jung zum Film al­so zwei Schlüs­se. Glas Bier zu viel in­tus ge­habt (lacht). ist. In mei­nem Al­ter ster­ben so vie­le Be­reu­en Sie die „sof­te Va­ri­an­te“? Wa­ren Sie mit dem Ti­tel glück­lich? Freun­de. Wis­sen Sie was? Ich will seit Spils: Nein, das ist der völ­lig rich­ti­ge Spils: Ich fand ihn okay, er hat Charme. fünf Jah­ren ein neu­es Te­le­fon­buch, Schluss bis heu­te. Ich fin­de, der Film En­ke hin­ge­gen fand ihn ganz un­mög­mein al­tes quillt über. Vie­le Num­mern darf nicht bö­se en­den. Auch wenn die lich. Im­mer­hin ist er zum ge­flü­gel­ten sind drin­nen von lie­ben Men­schen, die Po­li­zei da­mals viel ag­gres­si­ver, stren­ger Wort ge­wor­den, der et­wa auch im Bun­nicht mehr le­ben. Aber ich brin­ge es und auch un­ver­schäm­ter war. Heu­te ist des­tag die Run­de mach­te. Wo­bei ich nicht übers Herz, sie aus­zu­strei­chen. das kom­plett an­ders. den Ti­tel nicht aufs Bett be­zo­gen hat­te, Und wenn Sie wirk­lich mal ein neu­es Hat es Sie nicht ge­reizt, die weib­li­che son­dern all­ge­mein: jetzt mal los! Der Te­le­fon­buch ha­ben? Haupt­rol­le zu spie­len? En­ke ist ja der klas­si­sche Mü­ßig­gän­ger Spils: Dann wer­de ich ein paar NumS­pils: Nein. Ich bin bes­ser hin­ter der und All­tags­ver­wei­ge­rer im Film. mern über­tra­gen. Schluss, aus, bas­ta. Ka­me­ra auf­ge­ho­ben. Die Uschi macht­e­sein.Das­mus­s­e­in­fach­soWie se­hen Sie den Strei­fen heu­te? Hat das mit links, für mich wä­ren Re­gie und sich da was ge­än­dert?

May Spils über das Äl­ter­wer­den

Fo­tos: dpa

May Spils (u.) auf dem Kö­nigs­platz, links 1967 am Set mit ih­ren Darstel­lern Wer­ner En­ke und Uschi Glas Mensch, Ot­to!

Fs: Toll­wood

Jo­han Prytz ist ei­ner der Cow­boys

Dreh­ort Un­gerer­bad: May Spils hat mit „Zur Sa­che, Schätz­chen“auch ei­ne Lie­bes­er­klä­rung an Schwa­bing ver­fasst

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