Strom wird teu­rer

tz - - GELD+MARKT - MK.

In den letz­ten Jah­ren hat­ten Deutsch­lands Strom­kun­den ei­ne klei­ne Ver­schnauf­pau­se – doch die Schon­zeit ist vor­bei! Im kom­men­den Jahr wird der Strom­preis wie­der stei­gen – und zwar um bis zu fünf Pro­zent. Die tz er­klärt, wor­an das liegt und was Sie tun kön­nen, wenn Ihr An­bie­ter die Prei­se er­höht.

Mit wel­cher Ent­wick­lung rech­nen die xper­ten für das kom­men­de Jahr? Strom­an­bie­ter müs­sen ei­ne Preis­er­hö­hung sechs Wo­chen vor­her an­kün­di­gen – soll der Preis zum 1. Ja­nu­ar stei­gen, muss die Er­hö­hung al­so bis An­fang die­ser Wo­che be­kannt ge­ge­ben wer­den. Ins­ge­samt hät­ten laut Check24 bis­her 208 Ver­sor­ger – al­so fast je­der vier­te An­bie­ter – Er­hö­hun­gen von durch­schnitt­lich 3,5 Pro­zent an­ge­kün­digt. Für den Durch­schnitts­haus­halt be­deu­tet das ei­ne zu­sätz­li­che Be­las­tung von et­wa 50 Eu­ro im Jahr! Ins­ge­samt rech­net Check-24-Ener­gie­chef Oli­ver Bohr gar mit Preis­er­hö­hun­gen von vier bis fünf Pro­zent für das ge­sam­te Jahr 2017. Denn vie­le An­bie­ter hal­ten am An­fang des Jah­res still, um dann spä­ter nach­zu­zie­hen.

War­um stei­gen die Strom­prei­se jetzt wie­der? Da­für sind laut Ex­per­ten zwei Fak­to­ren ver­ant­wort­lich: die Ökostrom-Um­la­ge und die Netz­ent­gel­te. Bei­de Wer­te ma­chen zu­sam­men et­wa die Hälf­te des Strom­prei­ses aus – und bei­de wer­den im kom­men­den Jahr deut­lich stei­gen. Die Ökostrom-Um­la­ge legt um stol­ze 8,3 Pro­zent auf 6,88 Cent pro Ki­lo­watt­stun­de zu. Noch dra­ma­ti­scher ist die Si­tua­ti­on bei den Kos­ten für die Strom­net­ze: „Die Netz­ent­gel­te sind der größ­te Kos­ten­trei­ber bei den Strom­prei­sen“, sagt et­wa Ge­ro Lü­cking, Ge­schäfts­füh­rer Ener­gie­wirt­schaft des Ökostrom­an­bie­ters Licht­blick. „Weil die Netz­ge­büh­ren in den meis­ten Re­gio­nen Deutsch­lands auch 2017 wie­der deut­lich stei­gen, er­war­ten wir flä­chen­de­ckend hö­he­re Strom­prei­se.“Be­son­ders für Bay­ern kommt es di­cke: Der zu­stän­di­ge Über­tra­gungs­netz­be­trei­ber Ten­net kün­dig­te be­reits En­de Sep­tem­ber ei­ne mas­si­ve Er­hö­hung sei­ner Netz­ent­gel­te um 80 Pro­zent an! ■ Was kommt auf Mün­chens Strom­kun­den zu? Das ist noch nicht ganz klar. Die Stadt­wer­ke Mün­chen hül­len sich je­den­falls noch in Schwei­gen. „Wir bit­ten um Ver­ständ­nis, aber im Wett­be­werb ist es nicht üb­lich, Preis­ent­wick­lun­gen vor­zei­tig zu kom­mu­ni­zie­ren“, heißt es auf Nach­fra­ge der tz. Dass die Prei­se aber auch bei uns stei­gen könn­ten, deu­tet die­ser Satz an: „Wir ent­schei­den über Prei­se an­hand der Markt- und Kos­ten­si­tua­ti­on zeit­nah und in­for­mie­ren un­se­re Kun­den dann recht­zei­tig dar­über.“

■ War­um stei­gen die Netz­ent­gel­te gera­de in Bay­ern so stark? Sie stei­gen be­son­ders stark, wo vie­le Wind- und Son­nen­en­er­gie­an­la­gen er­rich­tet und an­ge­schlos­sen wer­den müs­sen. Wäh­rend West­deutsch­land mit sei­nen mo­der­nen Strom­lei­tun­gen und we­ni­ger Kraft­wer­ken glimpf­lich da­von­kommt, sind Bay­ern und Ost­deutsch­land stär

ker be­trof­fen.

■ Was kön­nen Strom­kun­den tun? Wech­seln. Wenn Strom­prei­se stei­gen, kön­nen Ver­brau­cher ein Son­der­kün­di­gungs­recht nut­zen. Schließ­lich ha­ben Strom­haus­halts­kun­den je nach Re­gi­on in­zwi­schen die Wahl zwi­schen im Schnitt rund 100 ver­schie­de­nen An­bie­tern. Auf ver­schie­de­nen Ver­gleich­spor­ta­len kön­nen Sie sich ein Bild von den Prei­sen der Kon­kur­renz ma­chen – Sie brau­chen da­für nur Ih­re Post­leit­zahl und Ih­ren jähr­li­chenS­trom­ver­brauch.

F: dpa

Wo neue Wind­kraft­an­la­gen ent­ste­hen und neue Strom­net­ze ge­baut wer­den müs­sen, steigt meist das Netz­ent­gelt – und da­mit auch der Strom­preis

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