Wenn Schwei­ne flie­gen

Ku­scheln ge­gen die Flug­angst – tie­ri­sche Pas­sa­gie­re in den USA

tz - - AKTE TIER -

Die En­te Da­ni­el trug ei­ne Win­del und ro­te Stoff­pan­tof­feln, als sie im Mit­tel­gang zu ih­rem Platz wat­schel­te, auch das Mi­ni-Pferd Ste­ve hat­te Filz­so­cken über den Huf­ei­sen. Das aus­ge­wach­se­ne Mi­nischwein Es­ter wur­de von ih­rer Be­sit­ze­rin zu ih­rem Platz ge­schleppt, eben­so wie ein Kän­gu­ru, das nicht hüp­fen, son­dern flie­gen soll­te. In den USA flie­gen jähr­lich zwei Mil­lio­nen Tie­re – und sehr vie­le da­von müs­sen nicht im dunk­len Fracht­raum ver­schwin­den, son­dern sie rei­sen bei al­lem Kom­fort in der Pas­sa­gier­ka­bi­ne. Sie sol­len ih­re Be­sit­zer see­lisch un­ter­stüt­zen!

Die Pro­ble­me be­gan­nen im Jahr 2003, da­mals än­der­te das Ver­kehrs­mi­nis­te­ri­um der USA (De­part­ment of Trans­por­ta­ti­on) sei­ne Be­stim­mun­gen be­züg­lich Ser­vic-Tie­ren. Nicht mehr nur Blin­den­hun­de soll­ten mit ih­ren Be­sit­zern flie­gen dür­fen, auch Tie­re, die für die emo­tio­na­le Un­ter­stüt­zung ih­rer Be­sit­zer nö­tig sei­en, z.B. als Mit­tel ge­gen Flug­angst oder De­pres­sio­nen, soll­ten mit an Bord ge­hen dür­fen. Die Be­sit­zer brau­chen le­dig­lich ei­nen Brief vom Arzt, der ih­nen be­schei­nigt, das Tier sei für ihr See­len­heil un­er­läss­lich. Das Tier selbst muss als Emo­tio­nal Sup­port Ani­mal (ESA) re­gis­triert sein. Ei­ne be­son­de­re Aus­bil­dung oder ein Trai­ning da­für ist je­doch nicht er­for­der­lich.

Seit­dem bei­de Nach­wei­se on­li­ne bin­nen we­ni­ger Mi­nu­ten und für we­nig Geld zu ha­ben sind, las­sen sich im­mer mehr Ame­ri­ka­ner ein see­li­sches Lei­den be­schei­ni­gen und re­gis­trie­ren ihr Haus­tier als Ge­fühl­s­tier. Aus ei­nem wich­ti­gen Grund: Die­se Tie­re dür­fen kos­ten­los in der Pas­sa­gier­ka­bi­ne mit­flie­gen. Wer mit ei­nem nor­ma­len Haus­tier reist, muss da­für ein ex­tra Ti­cket kau­fen. In den letz­ten vier bis fünf Jah­ren je­doch glei­chen man­che In­lands­flü­ge ei­nem Zoo: Da sit­zen Le­gua­ne auf dem Schoß ih­res Be­sit­zers, quet­schen sich Mi­ni-Pfer­de in den Fuß­raum. Klei­ne Äff­chen kral­len sich in Pul­lis fest. Oder ei­ne En­te in Win­deln und Gum­mi­schu­hen er­kun­det den Mit­tel­gang.

Vie­le Flug­be­glei­ter se­hen den Trend zum flie­gen­den Tier mitt­ler­wei­le sehr skep­tisch. Die meis­ten Tie­re sind we­der be­son­ders gut er­zo­gen, noch ha­ben sie ein Ge­sund­heits­zeug­nis. Im­mer mehr Pas­sa­gie­re be­schwe­ren sich ver­ständ­li­cher­wei­se, weil sie nicht ne­ben ei­nem rie­si­gen Kän­gu­ru oder ei­nem aus­ge­wach­se­nen Schwein sit­zen wol­len, oder Angst vor ei­ner all­er­gi­schen Re­ak­ti­on ha­ben, wenn die er­schreck­te Kat­ze durch den Flie­ger rast.

Zu­dem gibt es im­mer mehr Si­cher­heits­be­den­ken, dass im Ernst­fall die Tie­re die Flucht­we­ge ver­sper­ren könn­ten. Seit ei­ni­gen Wo­chen gibt es da­her Be­stre­bun­gen im na­tio­na­len Ver­kehrs­mi­nis­te­ri­um, die um­strit­te­ne Re­ge­lung zur Tier­be­för­de­rung wie­der rück­gän­gig zu ma­chen oder zu­min­dest stren­ger zu kon­trol­lie­ren. Bis­her je­doch oh­ne Er­geb­nis.

Wenn der Be­sit­zer be­haup­tet, er brau­che das Tier als kusch­li­gen Flug­be­glei­ter, darf es an Bord!

Ku­rio­se Tier­be­geg­nun­gen im Flug­zeug wer­den von Pas­sa­gie­ren zu Dut­zen­den auf Face­book und Ins­ta­gram do­ku­men­tiert

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