Kla­rer Zeich­ner

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Er ist ein schar­fer Ana­ly­ti­ker und ein be­red­ter Er­zäh­ler. Mau­ri­zio Pol­li­ni ser­viert im aus­ver­kauf­ten Her­ku­les­saal Cho­pin, De­bus­sy und Schön­bergs Sechs klei­ne Stü­cke op. 19. Die er­klin­gen glä­sern, farbreich, dicht oder in­tro­ver­tiert.

Pol­li­ni ist kein Weich­zeich­ner. So bleibt in den Cho­pin- Noc­turnes die Form ge­wahrt – in ei­ner mar­kan­ten Lin­ken, die die Me­lo­die der Rech­ten zu­wei­len fast zu be­dro­hen schien, und selbst in glit­zern­den Läu­fen im Dis­kant. Des­sen Bril­lanz reiz­te er auch im ir­di­schen Er­zähl­ton der AsDur- Bal­la­de elo­quent aus. Und in der Ber­ceu­se ließ Pol­li­ni die flir­ren­den Fi­gu­ren über dem Bass sprü­hen, be­vor er ins düs­ter er­reg­te Scher­zo tauch­te.

In De­bus­sys bri­tisch an­ge­hauch­ten Pré­ludes (Buch II), schäl­te der 74-jäh­ri­ge ita­lie­ni­sche Pia­nist mit sei­nem nu­an­cier­ten An­schlag und wohl do­sier­tem Pe­dal das Un­wirk­li­che der tan­zen­den Fe­en, des Ne­bels oder des wei­ßen Mond­lichts eben­so her­aus wie den spa­ni­schen Rhyth­mus in La Pu­er­ta del Vi­no oder das Gro­tes­ke des Ge­ne­ral La­vi­ne. Über das fu­rio­se Spiel mit den Ter­zen stei­ger­te er sich ins Bro­deln des ab­schlie­ßen­den Feu­er­werks. Stan­ding Ova­tions und drei Zu­ga­ben.

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