Schö­ne Sub­stanz

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Man neh­me aus Ba­rock­wer­ken die bes­ten Zu­ta­ten, schich­te und ver­rüh­re sie, fer­tig ist das „Pas­tic­cio“, das Pas­tet­chen. Nicht nur „neue“Opern kön­nen da­bei ent­ste­hen, auch Ora­to­ri­en, nach­zu­hö­ren gera­de im Prinz­re­gen­ten­thea­ter. Die Te­nor-Ari­en von Hän­dels Je­ph­ta, kom­bi­niert mit at­mo­sphä­risch pas­sen­den In­stru­men­tal­stü­cken Hän­dels und Kol­le­gen wie Avi­son oder Ar­ne, das ist mehr als ein gar­nier­tes „Be­stof“. Vor­aus­ge­setzt, man geht so in­tel­li­gent, so stil­be­wusst, so dra­ma­tur­gisch den­kend vor wie Ju­li­an Pré­gar­di­en und die Aka­de­mie für Al­te Mu­sik.

Pré­gar­di­ens Stim­me hat sich weg­be­wegt vom ly­ri­schen Zär­teln hin zu ei­nem vor al­lem in der Mit­tel­la­ge ker­ni­gen, ge­reif­ten Klang – al­ler­dings oh­ne an Fle­xi­bi­li­tät oder fei­nen Nuan­cen ein­ge­büßt zu ha­ben. Und wenn Pré­gar­di­en um­schal­tet in ei­nen schwe­be­leich­ten Mez­za­vo­ce­ton (be­son­ders in der Zu­ga­be aus Hän­dels Es­t­her), dann fas­zi­niert das erst recht.

Auch der ers­te Teil miss­riet nicht zur Num­mern­pa­ra­de. Die Ber­li­ner Aka­de­mie spiel­te Hän­dels Con­cer­to gros­so HWV 316 und ei­ne Sin­fo­nie des Zeit­ge­nos­sen Boy­ce als ei­ne Fol­ge vie­ler klei­ner Farb- und Nuan­cen­ex­plo­sio­nen. Ba­rock be­deu­tet eben nicht nur Swing und Klang­re­de, er braucht auch Sub­stanz und Kraft. We­bers Obe­ron, den Pré­gar­di­en im Som­mer 2017 sin­gen wird, ist da nur lo­gi­sche Fol­ge.

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