Den Bay­ern fehlt der Reiz…

Der FCB ist in Li­ga und CL nur Zwei­ter

tz - - SPORT - SW

Erst­mals seit über ei­nem Jahr ist der FC Bay­ern nicht mehr Ta­bel­len­füh­rer. Sind die Bay­ern nach vier Scha­len in Fol­ge et­wa satt? Die tz hat bei Mo­ti­va­ti­ons­trai­ner Mat­thi­as Her­zog nach­ge­fragt.

Herr Her­zog, die Spie­ler des FCB ver­mit­teln den Ein­druck, als ob die­se Sai­son der ab­so­lu­te Sie­ges­wil­le fehlt. Liegt das an der Mo­ti­va­ti­on?

Her­zog: Ab­so­lut! Das ha­be ich schon vor der Sai­son be­fürch­tet. Ver­gan­ge­nes Jahr hat­te man noch das Ziel vor Au­gen, als ers­te Mann­schaft vier Meis­ter­schaf­ten hin­ter­ein­an­der zu ge­win­nen. Beim fünf­ten Ti­tel ist die­ser Reiz nicht mehr da. Da hät­te man von An­fang an an­de­re Zie­le vor­ge­ben müs­sen! Zum Bei­spiel? Her­zog: Ei­nen neu­en Punk­te-Re­kord auf­stel­len oder die 100-To­re-Mar­ke kna­cken. Bei letz­te­rem geht man zwar nicht nach Punk­ten, aber es ist doch klar: Wenn ich vie­le To­re schie­ße, dann ha­be ich be­stimmt auch vie­le Punk­te. Das ist ein ganz an­de­rer Reiz. Wenn man nicht so kla­re Zie­le vor Au­gen hat, fehlt die Mo­ti­va­ti­on. Und wenn dann auch noch ein Car­lo An­ce­lot­ti kommt, der mehr der Pa­pa ist und kein Dik­ta­tor… …dann? Her­zog: Tut das sein Üb­ri­ges! Man muss sa­gen, der FCB hät­te nach Pep Guar­dio­la lie­ber ei­nen Trai­ner-Dik­ta­tor ver­pflich­ten sol­len. Den hat­te Bay­ern mit Fe­lix Ma­gath oder Lou­is van Gaal ja frü­her schon. Bei Guar­dio­la gab es ganz kla­re Spiel­re­geln, an die sich je­der Spie­ler hal­ten muss­te. An­ce­lot­ti lässt ein­fach die Zü­gel sehr lo­cker. Be­wusst oder un­be­wusst – die Spie­ler nut­zen das aus und An­ce­lot­ti lie­fert ih­nen die Steil­vor­la­ge. Trifft das vor al­lem auf äl­te­re Stars zu? Her­zog: Na ja, Phil­ipp Lahm ist schon mehr Sport­di­rek­tor als Spie­ler – zu­min­dest wird mehr dar­über dis­ku­tiert als über sei­ne Leis­tung auf dem Platz. Oder das Bei­spiel Xa­bi Alon­so: Der hat al­les in sei­ner Kar­rie­re ge­won­nen. Da gibt es nichts mehr, was den noch rei­zen könn­te. Mit hung­ri­gen Spie­lern wie Jos­hua Kim­mich oder Re­na­to San­ches könn­te man in Sa­chen Mo­ti­va­ti­on mehr aus der Mann­schaft her­aus­ho­len. Da­zu muss An­ce­lot­ti den jun­gen Spie­lern aber mehr ver­trau­en.

Auch in der CL sind die Bay­ern kein Spit­zen­rei­ter.

Her­zog:

Meist ist er nur ei­ne Rand­fi­gur, heu­te steht Sven Ul­reich al­ler­dings im Ram­pen­licht. Der Kee­per ver­tritt in Ros­tow (18 Uhr, Sky) den ver­letz­ten Welt­tor­hü­ter Ma­nu­el Neu­er – und will den Re­kord­meis­ter im Kampf um den Grup­pen­sieg auf Kurs hal­ten. „Es ist wich­tig, dass wir drei Punk­te ho­len und an At­lé­ti­co dran­blei­ben“, be­ton­te der Er­satz­tor­wart vor sei­nem Sai­son­de­büt. Auch wenn es erst seit vier­tes Pflicht­spiel in den ver­gan­ge­nen an­dert­halb Jah­ren wird, son­der­lich auf­ge­regt war der 28-Jäh­ri­ge ges­tern vor dem Ab­flug nicht. „Ich ha­be schon ei­ni­ge Er­fah­run­gen ge­sam­melt, in der Bun­des­li­ga und auch in­ter­na­tio­nal. Des­we­gen ist die Ner­vo­si­tät jetzt nicht so hoch“, gab sich der Schluss­mann ge­las­sen.

Im Som­mer 2015 wech­sel­te er vom VfB Stutt­gart zum Re­kord­meis­ter – als kla­re Num­mer zwei hin­ter Na­tio­nal­tor­hü­ter Neu­er. Für die­sen Schritt muss­te der ehe­ma­li­ge Stamm­kee­per des VfB auch Kri­tik ein­ste­cken, be­reut hat er sei­ne Ent­schei­dung den­noch nicht. Heu­te will er be­wei­sen, dass er auch für den FC Bay­ern ein si­che­rer Rück­halt ist. „Da­für trai­nie­re ich je­den Tag und war­te, dass ich spie­len kann. Jetzt ha­be ich die Ge­le­gen­heit, da freue ich mich drauf“, so Ul­reich. Auch Karl-Heinz Rum­me­nig­ge hat volls­tes Ver­trau­en in ihn. „Sven hat das im­mer ganz gut ge­macht, wenn er spie­len muss­te“, so der FCB-Boss. In sei­nen drei Ein­sät­zen ging der ge­bür­ti­ge Ba­de­ner im­mer­hin stets als Sie­ger

vom Platz.

Fo­to: dpa

Car­lo An­ce­lot­ti wirkt nach­denk­lich. Noch set­zen die Spie­ler sei­ne Ide­en nicht rich­tig um

Fo­to: AFP

Ul­reich steht heu­te im Tor

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